Alfred Vangrott gehörte zu den „Malgré-nous“ – genauso wie der Großvater der Volksbund-Mitarbeiterin Carole Novy, die ihn hier bei der Gedenkstunde in Paris begrüßt, rechts Brigitte Klinkert, Abgeordnete der französischen Nationalversammlung, links ein Betreuer. (© Volksbund)
„Malgré-nous“: erst zwangsrekrutiert, dann in der Heimat geschmäht
Deutsch-französische Gedenkstunde in Paris rückt Männer und Frauen aus Lothringen und dem Elsass in den Fokus
Zum ersten Mal in der Geschichte gedachten in Paris Frankreich und Deutschland gemeinsam der „Malgré-nous“ – der Männer und Frauen aus dem Elsass und aus Lothringen, die im Zweiten Weltkrieg zwangsweise in die Wehrmacht oder die Waffen-SS eingezogen worden waren. Auch der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. beteiligte sich.
An dem Gedenkort in „Les Invalides“, wo eine Tafel an diese Menschen erinnert, war mit Alfred Vangrott ein ehemaliger „Malgré-nous“ dabei – übersetzt heißt das: „wider meinen Willen“. Auch Angehörige der zwangsweise Rekrutierten waren gekommen. Eine von ihnen ist Carole Novy, die das Volksbund-Büro für Frankreich in Metz leitet.
„Weder Franzose noch Deutscher“
„Diese Gedenkveranstaltung hat mich besonders berührt, da mein Großvater mütterlicherseits ein ‚Malgré-nous‘ war. ‚Ich war weder Franzose noch Deutscher‘, sagte er immer“, erinnert sich Carole Novy.
Im Kreise der deutsch-französischen Parlamentariergruppe mit Abgeordneten beider Länder verlas Marie-Christine Verdier-Jouclas eine Rede der Beigeordneten Ministerin für Kriegsveteranen und Gedenken, Patricia Mirallès: „Diese Geste der Anerkennung ist besonders wichtig für die Elsässer und Lothringer, die einen einzigartigen Platz in der Geschichte unserer beiden Nationen einnehmen.“
Fast 40.000 kamen ums Leben
Bis zu 130.000 Männer und Frauen aus den 1940 annektierten Gebieten Elsass und Lothringen (französisch: Moselle) seien gezwungen worden, einer Idee zu dienen, die nicht die ihre war, so Marie-Christine Verdier-Jouclas. Bei Androhung von Repressalien gegen sie selbst und ihre Familien hatten sie keine Wahl. „Fast 40.000 kehrten nie zurück“, sagte die Direktorin der ONACVG, der Volksbund-Partnerorganisation in Frankreich.
Diejenigen, die überlebten, hätten sich bei ihrer Rückkehr oft einer weiteren „Prüfung“ gegenübergesehen: dem Misstrauen. „Missverstanden und manchmal verdächtigt, trugen sie lange Zeit schweigend eine Identität mit sich, die Frankreich nur schwer benennen konnte“, so die Rednerin.
Über Jahrzehnte nicht anerkannt
Es habe Jahrzehnte gedauert, bis das Leid der „Malgré-nous“ anerkannt worden sei, hieß es. Am 11. November 2025 hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine Verpflichtung bekräftigt: „Wir müssen die Tragödie der ‚Malgré-nous‘ benennen, anerkennen und unterrichten, denn diese schmerzhafte Geschichte ist Teil der nationalen Geschichte.“
Brigitte Klinkert und Yannik Bury sprachen für die Abgeordneten beider Länder. „Für die Deutschen waren sie Franzosen, für die Franzosen waren sie Verräter“, betonte der Bundestagsabgeordnete Yannik Bury.
Deutsche Botschaft und Volksbund
Gudrun Lingner war als Stellvertreterin des Deutschen Botschafters in Paris bei der Gedenkstunde dabei. Guido Wolf vertrat Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan. Der Vorsitzende des Landesverbandes Baden-Württemberg wurde begleitet von Landesgeschäftsführer Oliver Wasem.
Ein Gesteck mit deutsch-französischer Schleife wurde unter der Tafel des Gedenkorts abgelegt. Auf ihr steht: „En mémoire des Alsaciens et Mosellans tombés au cours de la Seconde Guerre mondiale et des incorporés de force” (Zum Gedenken an die Elsässer und Lothringer, die im Zweiten Weltkrieg gefallen sind, sowie an die Zwangsrekrutierten).
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… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 5.500 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
