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Manche Freundschaften halten bis heute

30 Jahre Volksbund in Thüringen: Clemens Krapp erinnert sich an die Anfänge und erste Workcamps

Am 8. Mai 1991 wurde der Landesverband Thüringen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gegründet. Dr. Clemens Krapp lernte die Volksbund-Arbeit als Jugendlicher kennen und erinnert sich, wie ihn das prägte:

„In meiner Kindheit hatten Gespräche über ‚den Krieg‘ beim Treffen mit den Großeltern eine große Rolle gespielt. Mein Großvater väterlicherseits war als Geschützführer einer Flak-Abteilung von 1939 bis 1942 in Polen, Holland, Frankreich und schließlich in Russland eingesetzt worden. Er erlitt am 5. September 1942 schwerste Verwundungen und wurde als einer der letzten deutschen Soldaten aus dem Kessel von Stalingrad ausgeflogen.

Nach Notoperationen und langer Rehabilitationszeit in Charkow, Krakau, Wien und Jena überlebte er glücklich und konnte mir und meinem jüngeren Bruder Stephan unzählige und im wahrsten Sinne unfassbare Erlebnisse berichten. Seine traurigen, berührenden, manchmal auch lustigen Gedanken und Geschichten prägen mich bis heute, denn ich kann auch nach seinem Tod 1996 viele seiner Erzählungen anhand seines Tagebuches nachvollziehen.
 

Gespräche zu Hause über den Krieg

Als Kind der DDR waren die Erzählungen meines Großvaters für mich nicht selten widersprüchlich zur einseitigen sozialistischen Geschichtsauslegung. Viele Gespräche mit ihm und meinen Eltern, für die ich sehr dankbar bin, ließen in mir ein bis jetzt wachsendes Geschichtsbild entstehen, das objektive Gräueltaten nicht verharmlost, aber den subjektiven Blickwinkel eines Soldaten zulässt und in das Gesamtbild integriert.

Genau in diese Phase des sich langsam entwickelnden selbständigen Geschichtsbewusstseins, das sich deutlich vom DDR-Geschichtsunterricht abhob, fiel für mich als Abiturient 1991 eine Werbeveranstaltung des Volkbund-Landesverbandes Hessen an meinem Gymnasium „Ernst-Abbe“ in Eisenach. Dabei ging es auch um die Werte des Volksbundes. Gräberpflege, Verständigung ehemals verfeindeter Länder, historisch-politische Bildung an Kriegsgräberstätten, Jugendcamps, Erinnerungskultur, Kennenlernen der europäischen Nachbarn… – alles Dinge, die mich interessierten und die im Zusammenhang mit einer länderübergreifenden Jugendreise für mich attraktiv waren.
 

Zweimal Workcamp in Norwegen

Ich trat dem Volksbund bei und nahm 1991 und 1993 an internationalen Jugendcamps in Trondheim in Norwegen teil. Gerne erinnere ich mich auch heute noch an diese Camps, die für mich eine gelungene Mischung aus sinnvoller Tätigkeit auf den Soldatenfriedhöfen und Kennenlernen von Gleichaltrigen aus anderen Ländern waren – zum Beispiel aus Norwegen und Russland.

Legendär waren Lagerfeuer mit frischem norwegischem Fisch am Fjord mit guten Gesprächen und – zur Freude der Norweger – aus Deutschland importiertem Bier. Manche der Freundschaften halten bis heute. Und: Mit meinen positiven Berichten konnte ich auch in der Familie überzeugen und meinen Bruder und Vater für den Volksbund gewinnen. 

Nach einer kurzen aktiven Zeit im Jugendarbeitskreis des Landesverbandes Hessen bin ich bis zum heutigen Tag ein historisch-politisch interessiertes Mitglied des Volksbundes und verbinde Urlaube im In- und Ausland nach Möglichkeit mit Besuchen von Kriegsgräbern verschiedener Nationen. Nicht zuletzt verbindet mich meine ärztliche Tätigkeit als Reserveoffizier der Bundeswehr emotional stark mit Schicksalen junger Soldaten – wie das meines Großvaters – auf allen Seiten der Front."

Text: Dr. Clemens Krapp

Weitere Berichte zu 30 Jahre Landesverband Thüringen finden Sie auf der Länderseite, darunter auch einen Blick zurück auf den Gründungstag.

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