Gedenken an getötete und verwundete NATO-Soldatinnen und Soldaten in Fréthun bei Calais: Neben zwei Hauptstelen (Mitte) gibt es weitere kleinere Gedenksteine. (© Johanna Klier)
NATO-Mémorial in Fréthun: Patenschaft für deutsche Stele vergeben
Privileg und Verantwortung zugleich für Volksbund und seinen Generalsekretär Dirk Backen
Seit 2019 gehört eine deutsche Stele zum NATO-Mémorial in Fréthun an der nordfranzösischen Küste. Es erinnert an die Soldatinnen und Soldaten, die in Auslandseinsätzen der NATO gefallen sind oder verwundet wurden. Der Generalsekretär des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., Dirk Backen, hat jetzt die Patenschaft für diese Stele übernommen.
Alle zwei Jahre rückt das 2012 eingeweihte Mahnmal in den Mittelpunkt. Es geht auf die Initiative des Franzosen Willy Breton zurück. Der Unteroffizier der Gendarmerie Nationale wollte damit die in Afghanistan gefallenen NATO-Soldaten ehren und einen Ort für Trauer jenseits nationaler Grenzen schaffen. Inzwischen hat das Mémorial internationale Bedeutung gewonnen. Der französische Staat hat es als Teil der öffentlichen Gedenkkultur anerkannt.
Gedenken ohne nationale Grenzen
Rund 400 Gäste waren im September 2026 dabei, unter ihnen Militärattachés aus Amerika, Kanada und Tschechien sowie zehn weitere internationale militärische Abordnungen. Johanna Klier, Referatsleiterin Kooperation beim Volksbund, vertrat den Generalsekretär. „Diese Stele erinnert an die deutschen Soldaten, die in Afghanistan ihr Leben verloren haben”, sagte sie. „Hier, am NATO-Denkmal in Fréthun, wird ihr Andenken Teil eines Ortes, der die Gefallenen vieler Nationen vereint. Die Stele ist eine eindrucksvolle Mahnung, dass das Gedenken über nationale Grenzen hinausgeht.”
Für den Volksbund sei die Patenschaft für die Stele sowohl Verantwortung als auch Privileg. Johanna Klier dankte dafür, die Zusammenarbeit mit den französischen Freunden und internationalen Partnern auch an dieser Stelle fortsetzen zu dürfen.
Erinnern, helfen, Forschung fördern
Die „Fédération du Mémorial de l'OTAN” (FMO), der Träger, stützt sich auf nationale Veteranen-Vereinigungen wie den deutschen gemeinnützigen Verein Veteranenkultur. Mitbegründer Christophe Böckling vertritt Deutschland in der Fédération. Als Anerkennung für sein Engagement wurde er 2026 zum Fahnenträger ernannt und präsentierte auch die deutsche FMO-Fahne.
Drei Ziele verfolgt der Träger: Mit Erinnerungsarbeit will er die Werte Freundschaft, Brüderlichkeit und Frieden an die jüngere Generation weitergeben, indem er Wissen zur Zeitgeschichte vermittelt. Außerdem unterstützt er die Opfer, indem er den Familien der im Einsatz gefallenen oder verwundeten Soldaten hilft. Schließlich spendet er Geld für die Forschung im Bereich medizinische Prothesen für Kriegs- und Zivilopfer.
Internationaler Gedenkmarsch
Während die internationale Gedenkveranstaltung alle zwei Jahr stattfindet, steht der „NATO Memorial Walk” jährlich im Kalender. Der 27 Kilometer lange Marsch ist eine symbolische Wanderung entlang der Küste bei Calais. Einbezogen sind Gedenkorte, die an die Opfer militärischer Konflikte erinnern.
Ziel des Marsches ist es, Menschen verschiedener Nationen zusammenzubringen, um die Einsatztoten zu ehren und über die Rolle der NATO und ihre Bedeutung für die Sicherung von Frieden und Stabilität in der Welt zu sprechen. Der Marsch soll das Bewusstsein für die Bedeutung von Frieden und internationaler Zusammenarbeit stärken sowie Gemeinschaft und Solidarität fördern. Auch hier sind der Verein Veteranenkultur und der Volksbund beteiligt.
Kooperation mit hohem Stellenwert
Für den Volksbund hat die Kooperation mit Veteranen der Bundeswehr einen hohen Stellenwert. Er bezieht alle deutschen Gefallenen in sein Gedenken ein und fühlt sich darum den Veteranen der Bundeswehreinsätze eng verbunden. Das kommt auch in der Kooperationsvereinbarung zum Ausdruck.
Über die Einweihung der deutschen Stele 2019 in Fréthun, die Christophe Böckling mitinitiiert hatte, berichteten wir hier: Gemeinsames Gedenken: der Memorial Day in Frethun.
Der Volksbund ist …
… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 5.500 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
