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Nur wenige Tage vom Kriegsende entfernt

Volksbund bettet 71 Rotarmisten auf sowjetischer Kriegsgräberstätte in Lebus ein

„Sie haben es fast geschafft. Dieses schreckliche ‚fast‘ nimmt einem den Atem.“ Es bedeutet: Wenige Tage vor Kriegsende sind die 71 Rotarmisten, die der Volksbund am 22. April 2021 auf der sowjetischen Kriegsgräberstätte in Lebus an der Oder eingebettet hat, getötet worden. Der russische Botschafter, Sergej J. Netschajew, hielt die Gedenkrede – ein traditionelles Zeichen der Versöhnung, wie Oliver Breithaupt, Geschäftsführer des Volksbund-Landesverbandes Brandenburg, unterstrich.

Über ganz Brandenburg verteilt liegen die Fundstellen der Gebeine derer, die in 64 Särgen an diesem sonnigen Frühlingstag ihre letzte Ruhestätte auf der Kriegsgräberstätte Lebus finden. Unter ihnen ist auch der Rotarmist, der auf dem Grundstück der Villa Kellermann in Potsdam im Dezember 2019 gefunden worden war. Nur einer der Toten ließ sich identifizieren.
 

„Wir verneigen uns im Andenken vor denen, die durch den Einsatz ihres Lebens unsere Gegenwart möglich gemacht haben“, sagte der Botschafter am 76. Jahrestag des Beginns der Schlacht an der Oder. Der hohe Blutzoll derer, die „den entscheidenden Beitrag zur Befreiung der Menschheit von der braunen Pest geleistet“ haben, dürfe nicht vergessen werden. Netschajew sprach von Werteverlust, wenn diese Zusammenhänge verfälscht, vergessen oder irreführend dargestellt würden, und rief dazu auf, gerade in der aktuellen Situation die Erinnerung wach zu halten. „Wir sind sicher, dass wir gemeinsam unserer Geschichte weiter treu bleiben“, sagte der Botschafter und dankte für die gemeinsame Erinnerungskultur. Seine abschließenden Worte: „Wir bleiben gute Freunde, da bin ich sicher.“
 

Hände reichen über Gräbern

Begrüßt hatte die – aus Pandemiegründen wenigen – geladenen Gäste die Landesministerin der Finanzen und für Europa, Katrin Lange. Sie überbrachte ein Grußwort von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. „Kein anderes Land hat den Sieg über Hitler-Deutschland so teuer bezahlen müssen wie die Völker der damaligen Sowjetunion“, betonte sie und unterstrich die Verantwortung der Deutschen, die daraus erwachse.

Die Ministerin dankte für die Wiederannäherung beider Völker, für Kontakte und Freundschaften. Sich über den Gräbern die Hände zu reichen – dafür stehe die Einbettung und bekräftige das Bestreben, als Lehre aus den furchtbaren Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges zur Sicherung des Friedens beitragen zu wollen.
 

Dank an den Volksbund

Sie wie auch der Botschafter betonten den großen Anteil des Volksbundes an dieser Versöhnungsarbeit. „Herausragendes Beispiel sind gerade die von jungen Russen und Deutschen gemeinsam unternommenen Aktionen der Gräberpflege“, so Katrin Lange. Botschafter Netschajew nannte die Jugendarbeit vorbildlich. Auch damit fördere der Volksbund das Bewusstsein für den Wert des Friedens in ganz Europa. Sein Dank galt auch dem Landesverband Brandenburg und der Stadt Lebus. Der Umgang mit den Kriegsgräberstätten zeige, wie sehr auch der Bevölkerung Frieden und Versöhnung am Herzen lägen.

Neun Kränze waren am Rande des geöffneten Gräberfelds aufgestellt. Die Schleifen lösten unter anderem die Vizepräsidentin des Landtages, Barbara Richstein, Botschafter Netschajew, Ministerin Katrin Lange, Dirk Backen als designierter Volksbund-Generalsekretär, Brigadegeneral Uwe Nerger vom Kommando Heer in Strausberg und Gunter Fritsch als Vorsitzender des Volksbund-Landesverbandes Brandenburg. Segen und Gebet sprach anschließend der Erzbischof der russisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats in Deutschland, Tichon von Sorrow.
 

Botschaftsangehörige reichen Särge an

Eine weitere Geste zeigte, dass auch diese Einbettung ein Schritt der Annäherung von Deutschen und Russen war – wie Sergej J. Netschajew betont hatte: Botschaftsangehörige und er reichten gemeinsam acht der 64 Särge an, die Volksbund-Umbetter Joachim Kozlowski entgegennahm. Zum Abschluss erklang die Hymne der Russischen Föderation – gespielt vom Landespolizeiorchester Brandenburg, das die Veranstaltung musikalisch umrahmte.

Oliver Breithaupt sprach schließlich für den Landesverband Brandenburg von einem „wichtigen Tag für unsere Arbeit und für den Versöhnungsgedanken“ und verwies auch auf die Einbettung von 120 deutschen Kriegstoten wenige Tage zuvor in Lietzen. Er dankte dem Team im Hintergrund, das die Veranstaltung vorbereitet hatte. „Leider ist ein nächstes Mal nicht ausgeschlossen“, sagte er abschließend – die Umbettungsarbeit gehe schließlich weiter.

„Wir bleiben gute Freunde, da bin ich sicher.“

Sergej J. Netschajew, Botschafter der Russischen Föderation

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