Konzentriert und interessiert in der neuen Ausstellung: Prinzessin Anne mit Workcamp-Teilnehmerin Sadie Huxley und Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan (© CWGC / Adrian Moore)
Royale Eröffnung in Cannock Chase
Prinzessin Anne weiht „History Center“ des Volksbundes in Mittelengland ein
Auf der deutschen Kriegsgräberstätte Cannock Chase in Staffordshire hat der Volksbund ein neues „History Center“ feierlich eröffnet. Prominentester Gast war Prinzessin Anne, die mit Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan das Bildungs- und Begegnungszentrum einweihte.
Künftig informiert hier eine Dauerausstellung über die wechselvolle deutsch-britische Geschichte in zwei Weltkriegen, die Versöhnung und die tiefe Freundschaft beider Länder. Sie bietet außerdem Platz für Workshops und Lehrveranstaltungen.
Prinzessin Anne, Schirmherrin der Commonwealth-Kriegsgräberfürsorge, hatte viele Fragen an den Volksbund. Sie interessierte sich für Konzept und Storyline der zweisprachigen, multimedialen Ausstellung, für die seit den 1960er Jahren beinahe jährlich stattfindenden Workcamps, für Exponate der Schau und einzelne Geschichten.
Voneinander und miteinander lernen
So zeigten Danny Chahbouni, Referatsleiter Kommunikation, sowie die Workcamp-Teilnehmer Fabian Pflock aus Berlin und Sadie Huxley aus Newcastle „Her Royal Highness“ eine deutsche Schultüte aus dem Jahr 1915, übersät mit Propagandabildern, die den Krieg verherrlichten.
Vor dem Bild einer Jugendbegegnung an der Somme erfuhr Prinzessin Anne mit großem Interesse, dass sich heute dort, wo einst Soldaten beider Seiten starben, deutsche und britische Jugendliche treffen und voneinander und miteinander lernen.
Gedenken auch an britischen Gräbern
Von zwei Veranstaltungen war der royale Besuch der Ausstellung im aufwändig sanierten Besuchergebäude der Kriegsgräberstätte Cannock Chase und der großen Gedenkhalle eingebettet.
Zunächst legte Prinzessin Anne gemeinsam mit Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan und Peter Hudson, Vize-Vorsitzender der Commonwealth War Graves Commission (CWGC), Kränze auf dem Cannock Chase War Cemetery ab und gedachte der dort bestatteten rund 300 britischen und deutschen Soldaten.
Brücke zwischen Generationen
Danach besuchten der Gast aus London und zahlreiche Gäste aus regionaler und überregionaler Politik die 800 Meter entfernte deutsche Kriegsgräberstätte, auf der rund 5.000 Gefallene und Kriegsgefangene aus beiden Weltkriegen ruhen.
In ihrer Rede betonte Prinzessin Anne die Bedeutung des neuen „History Centers“. Es bilde eine Brücke zwischen den Generationen und könne hoffentlich dazu beitragen, die Geschichte für alle, die nach Cannock Chase kommen, zugänglicher, relevanter und ausgewogener zu machen.
Ein „Leuchtturm der Erinnerung“
Die Schwester des britischen König Charles III. sagte weiter: „Möge dieses neue Geschichtszentrum ein Leuchtturm der Erinnerung sein, aber auch ein Ort, an dem die Vergangenheit gewürdigt wird, die Gegenwart zum Nachdenken anregt und die Zukunft daraus lernt.“
Das neue Zentrum biete Raum für Bildungsveranstaltungen, Workshops, Seminare und Events. Die Partnerschaft zwischen dem CWGC und dem Volksbund sei eines der ältesten Beispiele für die Zusammenarbeit in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.
Schrecken nicht vergessen
Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan hatte die Notwendigkeit des gemeinsames Gedenkens zuvor angesprochen: „Der Tod im Krieg bringt die Menschen hier zusammen. Wir haben die Schrecken des Krieges nicht vergessen und wissen mit unseren britischen Freunden, wie wichtig die Arbeit für den Frieden und die Arbeit für Versöhnung ist.“
Vize-Admiral Peter Hudson von der CWGC unterstrich, welche Bedeutung die Anwesenheit von Prinzessin Anne habe: „Es ist ein Ort der geteilten Erinnerung“.
Tiefe Freundschaft der Nationen
Staatssekretär Michael Brand sprach als Vertreter des Bundesfamilienministeriums, das die Renovierung der landschaftlich herrlich gelegenen Gebäude im Heideland von Staffordshire mit 1,4 Millionen Euro unterstützt hatte. Zusammen mit der Deutschen Botschafterin, Susanne Baumann, gedachte er am Hochkreuz aller Opfer.
Brand betonte den Gedanken der Versöhnung: „Hier, an diesem ganz besonderen Ort, nehmen das Vereinigte Königreich und die Bundesrepublik Deutschland die Ehrung der Gefallenen und Kriegsgedenken gemeinsam wahr. Dies zeigt die tiefe Freundschaft unserer Nationen und steht auch für unseren gemeinsamen Einsatz für Frieden und Freiheit gerade auch in der heutigen Zeit, angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, an deren Seite wir stehen.“
Das Grab von Porlock
Für den Volksbund erinnerte Generalsekretär Dirk Backen an vergangene und kommende Aufgaben. Nach dem Abschluss des deutsch-britischen Kriegsgräberabkommens 1959 sei 1962 mit der Anlage eines zentralen deutschen Friedhofes in England begonnen worden. 16 Mitarbeiter des Volksbundes sowie Helfer betteten damals deutsche Kriegstote aus 687 kleineren Friedhöfen in 75 Counties nach Cannock um – auch von der Isle of Man.
Noch immer lägen 300 Gräber verstreut in ganz Großbritannien, manche würden – wie das Grab von Wilhelm Reuhl in der kleinen Ortschaft Porlock – liebevoll von Einheimischen gepflegt (dazu: Ein Grabstein und eine Geschichte voller Trost und Hoffnung). Backen würdigte auch das besondere Engagement des Landesverbandes Bremen, dessen Vorsitzender Siegfried Falke ab 1962 regelmäßig Jugendlager organisiert habe. Mehr als 60 Workcamps sind es bis heute.
Das neue Format „History Center“
Im Anschluss an die Ansprachen enthüllte Prinzessin Anne eine Gedenktafel, die künftig an die feierliche Einweihung des „History Centers“ erinnern wird. Cannock Chase ist das zweite Geschichts- und Bildungszentrum des Volksbundes.
Im Juli war das erste „History Center“ im dänischen Oksbøl eröffnet worden. Weitere sollen im belgischen Lommel und auf den Kriegsgräberstätten La Cambe in der Normandie und Maleme auf Kreta folgen. Dazu betreibt der Volksbund drei Jugendbegegnungs- und Begegnungsstätten in Niederbronn (Frankreich), Ysselsteyn (Niederlande) und auf Usedom nahe der Grenze zu Polen.
„Das neue History Center bildet eine Brücke zwischen den Generationen und kann dazu beitragen, die Geschichte für alle, die hierherkommen, hoffentlich zugänglicher, relevanter und ausgewogener zu machen.“
Prinzessin Anne
Workcamp-Teilnehmerinnen berichten
Am Vorabend der royalen Zeremonie auf der Heide hatte Susanne Baumann zu einem Empfang in die Deutsche Botschaft in London eingeladen. Höhepunkte waren die berührenden Reden zweier Teilnehmerinnen von Workcamps in England.
Elisa Ljubow-Schöne sprach über ihre deutsch-russischen Wurzeln, Sadie Huxley über den langen, aber erfolgreichen Weg vom Krieg der Großvater-Generation zum friedlichen und harmonischen Miteinander der neuen Generation in den Volksbund-Workcamps.
Der Ton war gesetzt
Der 96-jährige britische Koreakriegsveteran Colin Thackery setzte beim Empfang der Deutschen Botschafterin den Ton für zwei sehr emotionale Tage. Begleitet von seiner Frau am Klavier, sang der Teilnehmer von „Britain’s Got Talent“ die Lieder „For Evermore“ und „When Duty Called“. Eine emphatische Tonlage, die das Luftwaffenmusikkorps Münster am Tag der royalen Visite auf der Heide von Cannock wieder aufnahm und eine Gedenkveranstaltung ohne alle Misstöne bereicherte.
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Neue Ausstellung in Cannock Chase: Rückblick auf ein Jahrhundert
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Der Volksbund ist ...
… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 5.500 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.