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Sondierungen am Winterbergtunnel nach Sprengstoff-Fund abgebrochen

Deutsche und Franzosen suchen nach Toten des Ersten Weltkrieges / Verantwortliche sprechen nun über Möglichkeiten würdigen Gedenkens

Craonne, 30.4. Die Sondierung am Winterbergtunnel in der französischen Picardie hat spektakuläre Funde erbracht. Unter anderem Teile von Uniformen, die auf die Existenz vermisster deutscher Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg hindeuten. Nach Funden gefährlicher Sprengzünder im Wald nahe der Stadt Craonne musste die Suche jedoch abgebrochen werden.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. hatte seit Anfang der Woche gemeinsam mit seinen deutschen und französischen Kooperationspartnern Expertise und umfangreiches technisches Material in den Wald von Craonne unter dem Plateau de Californie gebracht.

Gemeinsam mit der französischen Kriegsgräberpflegeorganisation ONAC, der Archäologiebehörde DRAC und der Firma Georadar will der Volksbund das Geheimnis des Winterbergtunnels lüften. In diesem künstlich angelegten Bau wurden am 4. Mai 1917 mehr als 250 Soldaten eines badischen Regiments nach einem Artillerieeinschlag verschüttet. Nur drei von ihnen konnten gerettet werden.

Doch wo genau der Tunneleingang liegt und ob und wie er zu öffnen ist – das sollte in einer dritten technischen Sondierung geklärt werden. Unterstützung leisteten dabei Soldaten der französischen Armee und der Bundeswehr, lokale Gendarmerie, Feuerwehr, Sanitäter, der Kampfmittelräumdienst, die Präfektur und viele ehrenamtliche Helfer.

Berichte über illegale Grabungen hatten rasches Handeln erfordert. „Wir müssen uns mit unseren französischen Partnern ein Bild der Lage machen“, sagte Arne Schrader, der für den Volksbund die technischen Arbeiten koordiniert. Am Mittwochmorgen stieß das Team bei Grabungen auf die Schienen einer Feldbahn, die offenbar in den Tunnel führten und auf historischen Karten verzeichnet sind.

Kurz darauf machten Soldaten einen weiteren spektakulären Fund: ein Uniformmantel des Reserve-Infanterie-Regiments 111. Damit war der Beweis erbracht, dass die Dokumente über die toten Angehörigen des badischen Regiments an die richtige Stelle geführt haben.

Zuvor waren bereits ein deutscher Stahlhelm M 16, ein Bajonett, Granathülsen und eine Alarmglocke entdeckt worden, wie sie an Tunneleingängen üblich war. Doch immer wieder musste die Suche wegen Munitionsfunden unterbrochen werden. Zwei Schubkarren voller Relikte des Ersten Weltkrieges füllten die Kampfmittelexperten innerhalb weniger Stunden.

Gefahrvolle Suche mit Erfolgen und Rückschlägen

Schon am Donnerstagvormittag zeigte sich, dass die Suche nach dem Tunnel deutlich aufwändiger ist als ursprünglich vermutet. Mehrfach mussten Grabungen und Bohrungen unterbrochen werden. Bagger hatten sich mehrere Meter tief in den Sand unter dem Waldboden gefressen, aber die massiven Bohrer stießen dennoch nicht durch die kalkhaltigen Schichten bis zur vermuteten Tunneldecke vor. Auch ein neu entdeckter Lüftungsschacht, der mit Schaufeln und Muskelkraft erweitert worden war, brachte das Team nicht näher ans Ziel. Ein Bohrer brach und musste zweimal geschweißt werden.

Kubikmeterweise mussten Sand und Gestein abgetragen und Munitionsreste gesichert werden. Die Idee, von oben in die durch Georadar festgestellten Hohlräume im Berg einzusteigen, verwarfen die Spezialisten schnell wieder: viel zu gefährlich. Für alle beteiligten Partner gilt: Die Würde der Toten ist wichtig – aber die Sicherheit der Lebenden ist wichtiger.

Kampfmittelräumdienst schlägt Alarm

Gegen zwei Uhr am Donnerstagmittag schlugen die Experten des französischen Kampfmittelbeseitigungsdienstes dann Alarm: An mehreren Stellen im dichten Wald hatten Soldaten kurz zuvor Handgranaten mit explosiver Pikrinsäure entdeckt. Die Substanz, wissenschaftlich als „2,4,6-Trinitrophenol (TNP)“ bezeichnet, reagiert auf Druck, Reibung, Wärme und Hitze – auch nach Jahrzehnten. Projektleiter Arne Schrader und sein französischer Kollege, Eric Maury vom Generalsekretariat der ONAC, beschlossen, die Sondierungsarbeiten abzubrechen.

In einer Pressekonferenz mit französischen Medienvertretern sagte Jérome Malet von der Präfektur de l’Aisne: „Hier gibt es eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen den französischen und deutschen Partnern.“ Die Sondierung sei gewissenhaft vorbereitet worden, zahlreiche Genehmigungen mussten eingeholt werden. Arne Schrader betonte: „Ziel war es, zu erkunden, ob es einen gefahrlosen Zugang zum Tunnel gibt.“ Den gebe es nicht. Die Munitionsreste, darunter zwei große Granaten, sollten jeden warnen, der glaubt, ohne Gefahr für Leib und Leben nach den Toten suchen zu können. Doch es habe sich auch gezeigt, dass die Toten hier – nach menschlichem Ermessen – geschützt liegen.

Der Volksbund will in den kommenden Tagen mit den französischen Behörden klären, welche Möglichkeiten es im Wald von Craonne gibt, würdig an die Toten im Winterbergtunnel zu erinnern.

Harald John Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit

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