Martin Szwillus hat den Volksbund in seinem Testament bedacht. Unser Bild zeigt ihn an einer früheren Wirkungsstätte: auf dem Deich auf dem Weddewarder Siel nördlich von Bremerhaven. (© Nordsee-Zeitung / Heike Leuschner)
Tag des Testaments: „Einen ganz kleinen Beitrag leisten“
Martin Szwillus unterstützt den Volksbund mit einer Erbschaftsspende
Vier Friedhöfe liegen dem 100-Jährigen besonders am Herzen: Mławka in Polen, Königsberg (heute das russische Kaliningrad), Bazenville in der Normandie und Sologubowka bei St. Petersburg in Russland. Mit jedem verbindet Martin Szwillus eine persönliche Geschichte – so sehr, dass er den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. als Haupterben einsetzt. Zum Internationalen Tag des Testaments stellen wir ihn vor.
Hintergrund: Zwei Ziele sind mit dem 13. September, dem Tag des Testaments, verknüpft. Er will ermutigen, sich frühzeitig mit dem Nachlass auseinanderzusetzen, und zeigen, wie man damit Gutes tut. Der Volksbund kann viele seiner Projekte nur dank Erbschaftsspenden verwirklichen. Ein Interview mit Dr. Christine Dolle, Notarin und Fachanwältin für Erbrecht, zum Tag des Testaments finden Sie hier.
Aufgewachsen in Ostpreußen
In Pachollen im Kreis Mohrungen/Ostpreußen aufgewachsen, war Martin Szwillus noch keine 18 Jahre alt, als er am 25. August 1943 Soldat wurde. An seinem Geburtstag, dem 25. Oktober, war er schon östlich von Minsk.
Er wurde zum Funker ausgebildet und als Reserveoffizierbewerber im Mai 1944 zum Unteroffizier befördert. Versetzt zur 121. Infanterie-Division nach Lettland, wurde er zwei Mal verwundet. Beim ersten Mal wurde er in einem Lazarett in Riga behandelt und gepflegt, beim zweiten Mal in Neumünster in Schleswig-Holstein.
Häuserkampf in Marienburg
Nach der Genesung kam er nach Marienburg/Westpreußen (heute Marlbork in Polen). Dort kämpfte er mit einer Gruppe von 15 Soldaten – alle 18 Jahre alt – in der Stadt an der Nogat, wobei im Häuserkampf drei seiner Kameraden fielen.
Kompaniechef war Hauptmann Hans Szwillus, sein Vater. Er wurde am 30. Januar 1945 mit 55 Jahren in der Marienburg auf dem Wehrgang von einem sowjetischen Scharfschützen erschossen und am Fuße der mächtigen Burg begraben. Sein Name ist heute auf der deutschen Kriegsgräberstätte Mławka in Polen verzeichnet.
Spur verliert sich nach letztem Brief
Hans-Jürgen Szwillus, Martins jüngerer Bruder, ist bis heute vermisst. Seine Spur verliert sich im Raum Heilsberg in Ostpreußen. Ein letzter Brief an die Familie ist auf den 7. Februar 1945 datiert. Sein Name steht auf der Kriegsgräberstätte Königsberg (heute: Kaliningrad) im Namenbuch. Dort ist auch Jürgen Tolkmitt bestattet, ein Jugendfreund – mit 18 Jahren im März 1945 bei Bladiau-Heiligenbeil gefallen.
In Bazenville in Frankreich ist Lothar Schirmacher begraben, ein Cousin. Der Pilot starb mit 20 Jahren am Tag nach der alliierten Landung in der Normandie, am 7. Juni 1944, bei La Bijude nördlich von Caen.
Recherche und großzügige Spenden
Und Sologubowka? Auf dem Friedhof, der irgendwann mit bis zu 80.000 Toten die größte deutsche Kriegsgräberstätte werden wird, sind auch Soldaten der 121. Infanterie-Division bestattet – „Kameraden und Mitschüler“, sagt Martin Szwillus. Informationen über sie und über seine Angehörigen hat er auch mit Volksbund-Hilfe recherchiert.
Der Wasserbau-Ingenieur und Baudirektor a.D. ist großzügig – und froh, dass er das sein kann nach erfolgreichem Berufsleben. Er spendet unter anderem an die Kirche, das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter, die Landsmannschaft Ostpreußen – und den Volksbund.
Für den Erhalt der Friedhöfe
Mit seinem Testament, das er im August 2019 mit seiner 2022 verstorbenen Frau vor allem zugunsten des Volksbundes aufgesetzt hat, möchte er „einen ganz kleinen Beitrag zur Unterhaltung der Friedhöfe“ leisten. Für ihn trägt diese Entscheidung dazu bei, mit sich ins Reine zu kommen: „Ich möchte damit meiner vermissten und gefallenen Angehörigen und Kameraden gedenken“.
Martin Szwillus lebt heute in Schleswig-Holstein. Unser Bild (oben) entstand im Oktober 2024 bei der Herbst-Deichschau in Land Wursten nördlich von Bremerhaven mit dem Weddewarder Siel, im Hintergrund der Grauwallkanal. Nach der verheerenden Sturmflut 1962 war er für den Deichbau dort verantwortlich (Höhe: 8,50 Meter über Normalnull).
Testamentsspende und Vorsorge-TV
Nicht nur am Tag des Testaments stehen Erbschafts- und Vorsorge-Themen beim Volksbund im Vordergrund. Mit Vorsorge-TV bietet er seit 2021 interaktive online-Vorträge an. Außerdem informieren Fachanwältinnen und -anwälte als Volksbund-Partner bundesweit bei rund 70 Veranstaltungen im Jahr. Mehr Infos auch zu Broschüren unter www.gutvorgesorgt.info.
Wenn auch Sie sich vorstellen können, den Volksbund in Ihrem Testament zu berücksichtigen, erhalten Sie hier Informationen: www.volksbund.de/testamentsspenden oder unter 0561/7009-108.
Der Volksbund ist …
… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 5.500 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
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