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Veteranentag: „Zwischen Pflicht und Gewissen” als neues Projekt

Volksbund und Veteranenbüro stellen in Berlin Initiative für traumatisierte Bundeswehrangehörige vor

Zwischen Verpflichtung und Moral liegt ein Spannungsfeld, das viele Soldatinnen und Soldaten traumatisiert zurücklässt – wenn es sie nicht sogar gefangen hält. Das gilt vor allem für die, die im Auslandseinsatz etwa in Afghanistan waren. Für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. ist das seit mehreren Jahren ein Thema. Zusammen mit dem Veteranenbüro will er jetzt neue Wege gehen – und stellte das bei der zentralen Veranstaltung zum Veteranentag in Berlin vor.
 

Die Projektpartner präsentierten sich unter einem Dach, in einem Zelt: in der Paul-Löbe-Allee, am Stand 24 an der Wiese vor dem Bundestag. Dort informierte der Volksbund über seine Arbeit und lud auch dazu ein, nach Angehörigen zu suchen. Für die Recherche in der „Gräbersuche Online” war Robert Zaka, Leiter des Referats Gräbernachweis, mit dabei.
 

Kanzler Friedrich Merz am Stand

Prominentester Gast war Bundeskanzler Friedrich Merz, der – ungeplant – am Stand Halt machte, um seiner Anerkennung Ausdruck zu verleihen. Er lobte den Einsatz von Präsident Wolfgang Schneiderhan, äußerste sich aber auch mit großer Wertschätzung zur Volksbund-Arbeit insgesamt.
 

Hoffnung und Perspektiven geben

Zusammen mit dem Veteranenbüro stellte der Volksbund eine Initiative vor, die ein schweres Thema anpackt: „Zwischen Pflicht und Gewissen: Schuldbewusstsein und moralische Dilemmata im soldatischen Handeln” ist sie überschrieben.

Die Mission: „Wir wollen Brücken schlagen zwischen Bundeswehr und Zivilgesellschaft, um traumatisierten Soldatinnen und Soldaten und ihren Familien Hoffnung, Hilfe und Perspektiven zu geben”, erklärt Johanna Klier. Sie leitet beim Volksbund das Referat Kooperation.

Räume schaffen für Heilung

Räume schaffen für Begegnung, für Heilung und gesellschaftliche Teilhabe ist das vorrangige Ziel. Dafür soll ein pädagogisches Konzept entstehen, bei dem weitere Partner eingebunden sind. Schuld, Schuldgefühle und Dilemmata sollen friedenspädagogisch und philosophisch betrachtet werden.

Schließlich geht es um ethische und moralische Dilemmata im militärischen Kontext und im soldatischen Handeln und um Perspektiven und Konzepte zur Verarbeitung und Auflösung.

Arbeit an Gräbern kann lindern

An dieser Stelle kommt das Stichwort „Therapie” ins Spiel und damit ganz konkrete Volksbund-Erfahrung. Denn gerade auf Kriegsgräberstätten können traumatisierte Veteranen heilsame Erfahrungen machen: Seit 2022 organisiert der Volksbund zusammen mit dem Bund Deutscher Einsatzveteranen e. V. jährlich einen Pflegeeinsatz mit Männern und Frauen, die versehrt aus Einsätzen zurückgekehrt sind.

„Austausch untereinander, Anerkennung, Wertschätzung, aber auch die Erfahrung, noch Wertvolles leisten zu können, sorgen dafür, dass diese Einsätze den meisten einfach gut tun”, fasst Johanna Klier zusammen. Die Pflegeeinsätze sind kurz und werden besonders begleitet – vielleicht in Zukunft sogar therapeutisch? Das wäre ihr Wunsch.
 

Benefizkonzert online

Zum zweiten Nationalen Veteranentag gehört auch ein Benefizkonzert, das online zu finden ist: Uraufführung zum Veteranentag – Erinnerungen an Afghanistan. Gespielt hat das Musikkorps der Bundeswehr, unterstützt vom Volksbund.

Mehr zum Thema Traumatisierung lesen Sie hier: Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan: Wenn Bilder krank machen
 

Tag der Offenen Tür

Noch an einem zweiten Ort stellte sich der Volksbund am Wochenende vor: beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung am Samstag und Sonntag am Auswärtigen Amt (Werderscher Markt 1, Berlin). Prominentester Gast hier: Bundesaußenminister Johann Wadephul. Wer auch immer sich für die Volksbund-Arbeit interessiert, war eingeladen, sich zu informieren und mit den Teams an beiden Ständen ins Gespräch zu kommen.

Lichter der Ewigkeit


2025 hat der Volksbund in Kooperation mit dem Reservistenverband zum 1. Nationalen Veteranentag ein Sternbild am virtuellen Firmament erschaffen. Wer einen Angehörigen vermisst, einen Freund, eine Freundin, eine Kameradin oder einen Kameraden, ist eingeladen, einen Stern aufgehen zu lassen und das Gedenken und die Erinnerung so mit anderen zu teilen – verbunden mit einer Spende für die Volksbund-Arbeit: Lichter der Ewigkeit.

Der Volksbund ist …

… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 5.500 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
 

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