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"Und 80 Jahre danach?"

"Der Stadtdirektor von Tscharnikow sagte uns, wir hätten 'eine Tür aufgestoßen'."

In der Reihe „Und 80 Jahre danach?“ fragen wir Menschen, was sie heute mit dem 22. Juni 1941 verbinden. Johannes Ulmke pflegt eine intensive Freundschaft mit der Ortschaft Snowsk in der Ukraine - dem Ort, in dem sein Vater im Krieg gefallen ist. Im Museum des Heimatvereins Norddinker hat er seine Geschichte ausgestellt.

Welche persönliche Geschichte /welches Erlebnis verbindet Sie heute mit dem Krieg gegen die Sowjetunion?
Es existieren viele Briefe und einige Fotos, die die Situation meines Vaters als Hauptmann der Wehrmacht im II. Weltkrieg dokumentieren. Mein Vater fiel am 23. März 1942 in Jelino, nahe der Stadt Schtschors (heute Snowsk) in der Nordukraine. Seit meiner Jugend hatte ich den Wunsch, das Grab meines Vaters zu finden. 

Wo nahm Ihr Engagement den Anfang und was bedeutet es heute für Sie?
Im Jahr 2000 gab es endlich die Gelegenheit und ich begab mich mit einem Freund und einem Dolmetscher auf die damals noch etwas abenteuerliche Reise in die Nordukraine. 
In Snowsk machten wir Bekanntschaft mit dem Bürgermeister und anderen Vertretern der Stadt. Als erste Deutsche seit dem Krieg wurden wir dort sehr freundlich aufgenommen und in unserem Anliegen unterstützt. Allerdings mussten wir feststellen, dass die Gräber der deutschen Soldaten nicht mehr existierten. Unterstützt wurden wir auch von Herrn Schrader, der das Büro der Kriegsgräberfürsorge in Kiew leitete. In den folgenden Jahren kam ich mit meinem Bruder und anderen Besuchern regelmäßig nach Schtschors und es entstanden viele Kontakte und persönliche Freundschaften. Bereits vor unserem zweiten Besuch wurden ein Gedenkstein am ehemaligen Soldatenfriedhof und ein eisernes Grabkreuz im Wald bei Jelino errichtet, zum Gedenken an meinen Vater und stellvertretend für die dort gefallenen deutschen Soldaten. 
In Deutschland sammelten wir u.a. im Rahmen von Diavorträgen Geld, Sachspenden und Medikamente, mit denen wir soziale Einrichtungen und den Wiederaufbau der Kirche in Schtschors unterstützen/finanzieren konnten. Aus den persönlichen Kontakten entstand der Freundeskreis Fröndenberg-Snowsk e.V., in dessen Rahmen Besuchergruppen, insbesondere Jugendgruppen, aus Snowsk Deutschland besuchten und umgekehrt. 

Welche Botschaft möchten Sie für die Zukunft weitergeben?
In unserem Museum können Sie viele Stücke zu dieser Geschichte besichtigen: Briefe aus der Kriegszeit, Fotos von dem Krieg, Beerdigungen damals, Dokumente über die Anfänge in Schtschors, über Freundschaften, den Wiederaufbau der Kirche, die verschiedenen Einladungen von dort und zu uns hier, die sehr hohe finanzielle Unterstützungen, die Übergabe von Geschenken sowie Empfänge mit Politikern und Popen seit 2000. Der Stadtdirektor von Tscharnikow sagte uns im Mai 2000, wir hätten „eine Tür aufgestoßen“. Was mit der Suche nach dem Grab des im Krieg gefallenen Vaters begann, wurde zum Ausgangspunkt von humanitären Hilfen und vielen persönlichen Begegnungen und Freundschaften und damit letztlich zu einem Beitrag zur Verständigung zwischen den Völkern. 


Das angesprochene Museum kann nur auf Anfrage besichtigt werden. Weitere Informationen hierzu: http://www.norddinker.de/Vereinsleben/Heimatverein/Museum.htm
 

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