Kriegsgräber pflegen als symbolische Geste, dass sie das Grundgesetz ernst nehmen und schützen: Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Pfingsttreffens am bundesweiten Ehrentag auf dem Frankfurter Hauptfriedhof (© Jan Skrzypczynski)
Volksbund-Jugend macht sich stark für Demokratie und Gemeinschaft
Bundesweites Pfingsttreffen mit Wahl der Jugendvertretung und neuer Auszeichnung
45 ehrenamtlich engagierte junge Menschen aus ganz Deutschland kamen beim Pfingsttreffen in Darmstadt zusammen, um sich zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen, die Jugendarbeit im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. zu gestalten und ihre Vertretung zu wählen: den Bundesjugendarbeitskreis (BJAK). Im Mittelpunkt standen die Themen Demokratie, Beteiligung und ehrenamtliches Engagement.
Zum Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai setzten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein sichtbares Zeichen: Für den bundesweiten Ehrentag hatten sie einen öffentlichen Arbeitseinsatz auf dem Frankfurter Hauptfriedhof organisiert – mit Führung von Wiebke Bathe, Bildungsreferentin des Landesverbandes Hessen.
Das Grundgesetz ein Privileg
Dominic Lagoski, seit 2024 BJAK-Vorsitzender, betonte, dass das Grundgesetz ein Leben in Frieden, Freiheit und Demokratie ermöglicht hat – ein Privileg, das viele der Kriegstoten nicht gehabt hätten.
Andere äußerten Sorge angesichts der Tatsache, dass demokratische Werte zunehmend unter Druck geraten. „Ich betrachte die Arbeit am Kriegsgrab als einen konkreten Beitrag dazu, das Grundgesetz ernst zu nehmen“, sagte Pelle Rössling.
Teilhabe stärken – für die Gemeinschaft
Tobias Böck schilderte, wie ihn die Auseinandersetzung mit den Lebensdaten auf den Grabsteinen dazu bringen, über die Gegenwart nachzudenken: Kriege – lange unvorstellbar fern – rückten wieder ins Bewusstsein. Gerade deshalb sei es wichtig, sich aktiv für Erinnerung und Frieden einzusetzen, sagte er.
Henriette Wenderoth, BJAK-Mitglied und Mitinitiatorin der Aktion, hob den Zusammenhang von Ehrenamt und Demokratie hervor: Freiwilliges Engagement stärke die eigene Teilhabe und bringe zum Ausdruck, „dass man sich für die Gemeinschaft einsetzt – in Deutschland und weltweit“.
Dank von Bundes- und Landesvorstand
Beim abschließenden Gedenken auf dem Hauptfriedhof dankte Tore May als Mitglied des Bundesvorstandes für diesen Einsatz, der keineswegs selbstverständlich sei. Gleichzeitig verwies er auf den Wandel der Erinnerungskultur in Europa und ermutigte die ehrenamtlich Aktiven, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass Erinnerung weitergetragen wird.
Auch Petra Tursky-Hartmann vom Landesvorstand würdigte den Einsatz und hob hervor, wie wichtig ehrenamtliches Engagement für eine lebendige Demokratie sei. Sie ermutigte die jungen Menschen, die internationalen Angebote des Volksbundes weiterhin zu nutzen und auszubauen.
Jugendversammlung und Wahlen
Am Tag darauf kam die bundesweite Jugendversammlung des Volksbundes zu ihrer dritten Sitzung zusammen. Dabei endete die Amtszeit der ersten direkt gewählten Jugendvertretung.
Die Bilanz nach zwei Jahren: Eine neu strukturierte WhatsApp-Community fördert Vernetzung und Kommunikation; die Konzepte der bundesweiten Herbst- und Pfingsttreffen wurden überarbeitet (auch mit Blick auf Fördermittelgeber) und neue Volksbund-Mitglieder unter 35 Jahren werden inzwischen individuell begrüßt und auf Möglichkeiten hingewiesen, sich zu engagieren.
Pin und Urkunde als Auszeichnung
Neu ist die Auszeichnung des BJAK für herausragendes Engagement in der Jugendarbeit: Erstmals gingen Pins und Urkunden an fünf Aktive, die sich als Campleiter oder -leiterin verdient gemacht haben. Rund 100 weitere Personen, die in Darmstadt nicht dabei waren, erhalten die Auszeichnung demnächst noch.
Im neu gewählten BJAK setzen Dominic Lagoski, Svea Buerfeind, Vanessa Lefarth, Henriette Wenderoth und Imke Scholle die Arbeit fort, während Alexa Eberlein, Halil Gezer, Clarissa Wöhrle und Avajin T. neu dazugekommen sind. An der Spitze löste Svea Buerfeind Dominic Lagoski ab.
Barcamp als Zukunftswerkstatt
Anschließend arbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem Barcamp weiter an zentralen Fragen der Jugendarbeit. In dem offenen, demokratisch organisierten Format standen die Weiterentwicklung von Jugendbeteiligung und neue Impulse für den Verband im Fokus.
Die Themen waren vielfältig: Nachhaltigkeit, Engagement in regionalen Gremien, neue Formate für die Jugendarbeit und Angebote für junge Erwachsene ab 22 Jahren. Außerdem ging es um eine Weiterentwicklung des „Erasmus+”-geförderten Projekts der Regionalkoordinatorinnen und -koordinatoren.
Abschluss und Ausblick
Alexa Eberlein beschreibt das Pfingsttreffen es als einen Ort, „wo viele Leute zusammenkommen, die ähnliche Werte und Interessen haben“. Für Alina ist vor allem die Verbindung aus historischer Bildung und Handeln entscheidend, die Raum für Austausch, neue Perspektiven und gemeinsames Engagement im Alltag schaffe.
Das Pfingsttreffen bildete auch den Abschluss eines „Erasmus+”-geförderten Jugendpartizipationsprojekts, in dem junge Menschen als Regionalkoordinatoren und -koordinatorinnen in ihren Regionen als Ansprechpersonen aktiv waren, um die Volksbundarbeit in der Fläche nachhaltig zu stärken.
Lebendige, demokratische Arbeit
Mit einer Wahlparty gingen die vier Tage zu Ende, an denen – neben intensiven inhaltlichen Diskussionen – das gemeinsame Engagement für eine lebendige, demokratische Jugendarbeit im Mittelpunkt stand. Das nächste bundesweite Treffen ist vom 25. bis 27. September 2026 am Köriser See in Brandenburg. Anmeldungen sind hier schon möglich.
Text: Anne Schieferdecker, Bildungsreferentin im Hauptstadtbüro Berlin
Kontakt
Spenden-Verdopplungsaktion
Demokratie stärken: Spenden Sie für Schülerreisen nach Riga-Biķernieki – an den Ort, an den Jüdinnen und Juden aus vielen deutschen Städten deportiert wurden, an dem mehr als 25.000 ermordet wurden. Helfen Sie dem Volksbund, die NS-Geschichte und den Holocaust für junge Menschen begreifbar zu machen und ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Die Bethe-Stiftung verdoppelt jeden gespendeten Euro.