Wolfgang Schneiderhan 2024 in Mont d'Huisnes bei der Gedenkstunde zu „80 Jahre D-Day“. (© Uwe Zucchi)
Volksbund-Präsident Schneiderhan wiedergewählt
Dritte Amtszeit beginnt nach einstimmigem Votum des Bundesvertretertages in Kassel
Wolfgang Schneiderhan ist vom Bundesvertretertag als Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. in seinem Amt bestätigt worden. Am 29. November 2025 ist er damit in seine dritte Amtszeit gegangen.
Der Bundesvertretertag ist das höchste Gremium des Volksbundes und repräsentiert die rund 68.000 Mitglieder. Er kam zu seiner Sitzung in Kassel zusammen.
Finanzspritze reicht nicht aus
Der Volksbund genießt die Unterstützung und den Respekt der Politik. Gleichzeitig reichen die öffentlichen Mittel nicht aus, um die Kostensteigerungen und auch den Sanierungsstau auf den Friedhöfen, die der Volksbund in 45 Ländern pflegt, aufzulösen.
„Zwar bekommt der Volksbund im Bundeshaushalt für dieses Haushaltsjahr zwei Millionen Euro mehr und für das nächste Jahr 2,5 Millionen Euro zusätzlich“, sagte Schneiderhan jüngst dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND) (mehr lesen). „Das gleicht aber nur einen Teil des derzeitigen Defizits aus – zumal auch diese Erhöhung nicht verstetigt wurde.“ Seit Jahren erhält der Volksbund jährlich einen Zuschuss von rund 19 Millionen Euro für die Kriegsgräberfürsorge – eine staatliche Aufgabe.
UNESCO-Weltkulturerbe schützen
Die Ausgaben erhöhten sich stetig durch steigende Energie- und Lohnkosten, so Schneiderhan weiter. Dazu komme ein „Instandsetzungsstau“ von deutlich mehr als 20 Millionen Euro – auch für die Erhaltung der 23 Kriegsgräberstätten in Westeuropa, die als UNESCO-Weltkulturerbe besonders zu schützen sind.
Außenpolitische Erschütterungen
Die zweite Amtszeit Wolfgang Schneiderhans ab 2021 war geprägt von der Rückkehr des Krieges nach Europa. Der Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 erschütterte die Arbeit des Volksbundes in den Ländern im Osten. Die gegenseitige Kriegsgräberfürsorge und das Kriegsgräberabkommen mit der Russischen Föderation bilden eine letzte fragile Brücke zwischen Berlin und Moskau.
Das Aufflammen eines europaweiten Antisemitismus im Oktober 2023 war ein weiteres Fanal. Der Volksbund setzt mit der „Operation Levi“ ein deutliches Zeichen der Solidarität und gegen Antisemitismus. Die damit verbundene Wiederherstellung zerstörter jüdischer Grabstelen auf französischen Kriegsgräberstätten des Ersten Weltkrieges 2024 wurden von der Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt.
Pläne für die nächste Amtsperiode
Im Vordergrund der neuen Amtszeit steht die Konsolidierung des Volksbundes, um die Kriegsgräberstätten im Ausland als Gedenk- und internationale Begegnungsorte langfristig zu erhalten und den gemeinnützigen Verein bei seiner Inlandsarbeit zu stärken.
Die Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte (JBS) Niederbronn-les-Bains im Elsass muss grundlegend renoviert werden, die ehemalige JBS Lommel in Belgien soll zu einem modernen Bildungszentrum umstrukturiert werden.
Baumgärtner neu im Bundesvorstand
Die Versammlung bestätigte außerdem die Vize-Präsidenten Detlef Fritzsch und Richard Reisinger, Bundesschatzmeister Michael Breuer und seinen Stellvertreter Tore May. Dr. Thomas Bauer, Prof. Dr. Loretana de Libero, Ansgar Salzwedel, Hartmut Tölle, Dr. Gundula Bavendamm und Dr. Kristiane Janeke wurden als Beisitzerinnen und Beisitzer im Bundesvorstand bestätigt.
Dr. Ulrich Baumgärtner ergänzt das Gremium als neues Mitglied. Der 65-jährige Generaloberstabsarzt und ehemalige Inspekteur des Sanitätsdienstes begleitet die Arbeit des Volksbundes seit vielen Jahren.
Schneiderhan dankt für Vertrauen
Wolfgang Schneiderhan wandte sich nach der einstimmigen Wiederwahl mit Dank an die Delegierten: „Das berührt mich stark.“ Außerdem dankte er allen für die Unterstützung bei der Transformation des Volksbundes: „Wir können stolz auf unsere Landesgeschäftsführer sein, sie haben großartige Arbeit geleistet.“
Sie hätten den aktuellen Prozess in Zusammenarbeit mit der Bundesgeschäftsstelle akribisch unterstützt. Den mehr als 70 Delegierten sagte Schneiderhan: „Wir gehen in die Herausforderung der Gemeinsamkeit.“
Politische Kontakte wichtig
Der hessische Landesvorsitzende Karl Starzacher als Leiter des Wahlausschusses dankte Wolfgang Schneiderhan dafür, dass er als Präsident in die dritte Amtszeit geht und die Transformation weiter eng begleiten wird. Er betonte die ausgezeichneten Kontakte Schneiderhans in die Bundespolitik, die besonders wichtig für die zukünftige Arbeit des Volksbundes seien.
Der Volksbund ist …
… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 10.000 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich rund 38.000 junge Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
