Am Stand des Volksbundes in Halle 7 gibt es nicht nur reichlich Info-Material, sondern auch kompetente Gesprächspartner, die einen Einblick in die Bildungsarbeit des Vereins geben. (© Vasco Kretschmann)
Wieder dabei: Volksbund auf der „didacta“ in Köln
Thema bis Samstag auf der Messe: Friedens- und Demokratiebildung am Lernort Kriegsgräberstätte
Wenn sich noch bis zum 14. März in Köln morgens die Tore zur größten europäischen Bildungsmesse öffnen, ist der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. dabei. Auf der „didacta“ präsentiert er seine Jugend- und Bildungsarbeit, die seit Jahrzehnten von der Kultusministerkonferenz empfohlen wird. Publikumsmagnet ist die Sonderschaufläche mit einer Installation aus Umbettungshüllen und Kriegsbiographien.
Bildung hat beim Volksbund einen hohen Stellenwert – und das seit mehr als 70 Jahren. Deshalb ist es gute Tradition, dass der gemeinnützige Verein seine Jugend- und Bildungsarbeit alljährlich nicht nur dem Fachpublikum vorstellt.
Stand und Sonderschaufläche
Einblicke in die Arbeit des Volksbundes geben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Stand in Halle 7 (A-043). Sie stehen Rede und Antwort bei Fragen aller Art. Auch kann man sich hier mit umfangreichem Informationsmaterial eindecken und die Gräbersuche online ausprobieren.
Auf der Sonderschaufläche in Halle 8 (A-58/B-59) ist bis Donnerstag eine Installation aus Umbettungshüllen zu sehen. Dabei handelt es sich um Pappsärge, wie der Volksbund sie nutzt, um die sterblichen Überreste von Kriegstoten zu bestatten. Denn immer noch sucht und birgt der Verein jährlich mehrere Tausend Tote der Weltkriege, versucht sie zu identifizieren und ihre Schicksale zu klären. Sie werden auf den Kriegsgräberstätten in den Ländern bestattet, in denen sie geborgen wurden.
Jeder Sarg der Installation steht für einen Menschen und seine individuelle Geschichte. Um das zu zeigen, ergänzen Fotos und Biographien die Installation. Sie holen die Toten aus der Anonymität der unbegreiflichen Opferzahlen.
Podiumsdiskussion am Donnerstag
Am Donnerstag, 12. März, findet ab 11.45 Uhr im Forum Bildungsperspektiven in Halle 8 die Podiumsdiskussion „Zukunft gemeinsam gestalten – Mitbestimmung und Selbstwirksamkeit von Schüler:innen an außerschulischen Lernorten“ statt. Mit auf dem Podium: Dr. Heike Dörrenbächer, Abteilungsleiterin Gedenkkultur und Bildung. Sie stellt die Beteiligung von Jugendlichen an Gedenkveranstaltungen, die Gestaltung von Informationstafeln und Namensziegel-Projekte auf Kriegsgräberstätten vor.
Es diskutieren Lehrkräfte und Anbieter außerschulischer Lernorte über Beteiligung und Mitgestaltung und auch darüber, wie Schülerinnen und Schüler sich kreativ und nachhaltig in Lernprozesse einbringen können.
Jedes Schicksal ein Teil des Ganzen
Ausgangspunkt der Volksbund-Bildungsarbeit ist das Kriegsgrab. Auf Friedhöfen lassen sich Schicksale nacherzählen. Wer liegt dort begraben? Wie sah das Leben aus, das im Krieg gewaltsam endete? Jedes einzelne Grab erzählt eine individuelle Geschichte, steht für einen Menschen, ein Leben.
Darauf folgt unweigerlich die Frage nach dem Warum. So wandert der Blick vom Einzelschicksal auf die historischen Umstände, die Gesamtsituation, die Entwicklungen im Vorfeld von Krieg und Gewaltherrschaft. Gräber machen die Folgen sichtbar. Sie sind Lernorte der Geschichte und zugleich Orte der Begegnung von Nationen und Generationen.
Bildungsarbeit vor Ort
Der Volksbund zeigt, wie es gelingt, jungen Menschen Geschichte nahezubringen und politische Entwicklungen zu reflektieren. In den Landesverbänden arbeiten Bildungsreferentinnen und -referenten mit Schulklassen und außerschulischen Gruppen. Sie bieten Projekte und Workshops auf inländischen Friedhöfen an und kommen mit didaktisch aufbereiteten mobilen Ausstellungen direkt in die Bildungseinrichtungen.
Jedes Jahr schreibt der Volksbund einen trinationalen Comic-Wettbewerb aus und lädt junge Menschen dazu ein, sich kreativ mit Themen rund um Krieg und seine Folgen auseinanderzusetzen.
Sich begegnen, gemeinsam lernen
In den Sommermonaten organisiert der Verein rund 30 internationale Jugendbegegnungen in ganz Europa. Außerdem betreibt er in Frankreich, den Niederlanden und auf Usedom Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten – immer in der Nähe einer Kriegsgräberstätte. Hier erhalten Schulklassen und andere Gruppen nicht nur Kost und Logis, sondern können ein vielfältiges Angebot an Projekten und Workshops mit historisch-politischen Themen nutzen.
Was viele nicht wissen: Lehrerinnen und Lehrer können sich beim Volksbund weiterbilden. In diesem Jahr bietet der Verein zwei bundesweite Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte sowie zwei Lehrkräfteseminare an – mit letzteren wurde der Volksbund vor einem Jahr von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) als Bildungsträger anerkannt.
Angebote für Lehrkräfte
„Unsere Fortbildungen basieren auf einem Grundgedanken“, sagt Dr. Vasco Kretschmann, Referatsleiter Bildungsarbeit an Schulen und Hochschulen. „Kriegsgräberstätten sind Lernorte, die sich oftmals in der unmittelbaren Umgebung von Schulen befinden und an vielen Zielorten von Klassenfahrten eine perfekte Ergänzung zum Besuch von Gedenkstätten und Museen bieten.“
Ein weiteres Angebot für Lehrerinnen und Lehrer sind die pädagogischen Handreichungen des Volksbundes: Publikationen mit Ideen und Materialien zur Unterrichtsgestaltung. Soeben ist die Handreichung „Verdrängte Geschichte, umkämpfte Rechte. Menschen mit Behinderung in der deutschen Gesellschaft“ erschienen. Sie wird auf der „didacta“ vorgestellt und kann in der Mediathek bestellt und abgerufen werden.
Der Volksbund ist …
… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Knapp 6.000 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
