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Zsolt Balla eröffnet Feldrabbiner-Ausstellung

Seelsorge für jüdische Soldaten im Ersten Weltkrieg – Volksbund schlägt den Bogen bis in die Gegenwart

Er war einer der ersten, die die neue Ausstellung zu Feldrabbinern im Ersten Weltkrieg in Fulda zu Gesicht bekamen: Zsolt Balla. Der Militärbundesrabbiner sprach zur Eröffnung über jüdische Militärseelsorge heute und was sie mit der „Operation Levi“, einer neuen Initiative des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., zu tun hat.
 

Mit dieser Initiative endet die Ausstellung, die den Blick zurück richtet bis auf die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg: auf die Anfänge der Militärseelsorge 1832 und die ersten Militärrabbiner im Krieg 1870/71 – vier Männer, die sich freiwillig gemeldet hatten. Ein Armeerabbinat wurde erst im Ersten Weltkrieg geschaffen. 
 

Anschaulicher Dreiklang

Die Banner sind dreigeteilt: oben ein zusammenfassender Text, in der Mitte Dokumente, unten ein großformatiges Foto - so macht die Ausstellung Schwerpunktthemen anschaulich und beantwortet Fragen wie diese: Wer konnte Feldrabbiner werden? Welche Aufgaben hatten sie? Und auch: Was trieb sie an? Biographien sind – wie in jeder aktuellen Volksbund-Ausstellung – ein zentraler Baustein. Eine von ihnen zeichnet den Lebensweg von Leo Baerwald nach, der 1914 zu den ersten Feldrabbinern gehörte, die dieses Amt offiziell bekleideten.

Am 7. August 1914 als Ersatzreservist eingezogen, war er als Seelsorger von Oktober 1914 bis Oktober 1917 im Westen beim Armeeoberkommando 6 im Einsatz. Schnell wird auch an dieser Stelle deutlich, wie wenig sich die Hoffnung so vieler Juden erfüllte, im Ersten Weltkrieg Loyalität und Vaterlandsliebe unter Beweis stellen zu können und endlich als gleichberechtigte Deutsche anerkannt zu werden. Leo Baerwald überlebte 1938 die Inhaftierung im Konzentrationslager Dachau, bevor ihm im selben Jahr die Flucht in die USA gelang. Viele andere schafften das nicht – „Ermordet in Auschwitz” ist eins der letzten Banner überschrieben.

Militärrabbinat eingerichtet

„Feldrabbiner im Ersten Weltkrieg” war ab 2009 als Wanderausstellung fünf Jahre bundesweit zu sehen und wurde 2014/15 schon einmal ergänzt und aktualisiert. Dass der Volksbund jetzt eine komplett überarbeitete und wiederum erweiterte Version auf den Weg schickt, hat gute Gründe: Die Bundeswehr hat 2021 für Soldatinnen und Soldaten jüdischen Glaubens ein eigenes Militärrabbinat eingerichtet.

Zsolt Balla übt das Amt des Militärbundesrabbiners seitdem aus. Wie kommt ein ungarischer Jude, aufgewachsen in Budapest, zur Bundeswehr? Warum hat er sich gemeldet, als das „Zentrum Innere Führung” bei der Orthodoxen Rabbiner-Konferenz Ansprechpartner suchte? Diese Fragen beantwortete er in Fulda sehr persönlich und sehr überzeugend.
 

Bundeswehr: ein „riesengroßer Schatz”

Für viele überraschend war seine Sicht auf die Streitkräfte: Er sprach von einem „riesengroßen Schatz, den wir in Deutschland mit der Bundeswehr haben”. Bei keinem anderen NATO-Partner würden ethisch-moralische Werte so ausdrücklich und intensiv vermittelt wie dort.

„Lebenskundlicher Unterricht” sei für alle monatlich vorgeschrieben, wozu auch historisch-politische Bildung – unter anderem mit Volksbund-Seminaren – gehört. Der Eid auf das Grundgesetz und seine Werte verpflichte jeden, zu widersprechen, wenn es nicht geachtet wird. 
 

Eid auf das Grundgesetz

Das führte Zsolt Balla zum Stichwort Antisemitismus, den er persönlich bei der Bundeswehr noch nicht erlebt habe. Es gebe das Problem, aber die Bundeswehr halte dagegen. Alle, die den Eid auf das Grundgesetz geleistet hätten, seien Antisemitismusbeauftragte, zitierte er einen General, und hätten damit die Pflicht, gegen Ausgrenzung gleich welcher Gruppe anzugehen - sowohl in der Bundeswehr als auch in der ganzen Gesellschaft.

„Frieden ist niemals stabil”

Balla warnte alle Seiten vor Dämonisierung und forderte die Bereitschaft zum Austausch, zum Dialog. „Frieden ist niemals stabil. Wenn wir nicht jeden Tag etwas für ihn tun, verlieren wir ihn.” Jeder einzelne sei dabei gefragt. Mit Blick auf die Wehrfähigkeit Deutschlands sagte der Seelsorger: „Wenn es dazu kommt, müssen wir uns verteidigen. Es ist wichtig, dass Sie das auch in der jungen Generation weitererzählen!”

Zsolt Balla stellte auch die „Operation Levi“ vor – eine Volksbund-Initiative, die an Gräbern jüdischer Soldaten des Ersten Weltkrieges falsche Grabzeichen austauscht. Christliche Kreuze werden durch Stelen mit Davidstern ersetzt. Der Rabbiner begleitete das 2025 in Frankreich und nannte es ein großes Glück, auch 2026 wieder dabei sein zu dürfen. Das letzte Banner der Ausstellung informiert über diese Initiative des Volksbundes in Kooperation mit einem israelisch-amerikanischen Partnerverein.
 

Ausstellung auf Anfrage auf Tour

Die Ausstellung ist eine Initiative der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum in Verbindung mit der Leo Baeck Foundation und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.. Mit Unterstützung der Dr. med. habil. Rudolf-Wicke-Stiftung wurde 2025 die Neuauflage realisiert.

Die in Fulda gezeigten Banner können in der Bundesgeschäftsstelle des Volksbundes angefragt und über die Landesverbände ausgeliehen werden (Kontakt). Zwei weitere Formate vor allem für Schulen (als Plakatausstellung in DIN A1 und A0) sind in Arbeit und werden an die Landesverbände abgegeben.

Die Premiere in Fulda ist vorbei. Die nächste Station der Ausstellung steht noch nicht fest.

Hier geht's zur Übersicht über Volksbund-Ausstellungen im In- und Ausland.

Der Volksbund ist ...

… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Knapp 6.000 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.

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