Zum Inhalt springen

Zweiter Weltkrieg: vom Sterben, vom Leben, vom Überleben

Geschichte einer Familie – nachgezeichnet zum Volkstrauertag 2025

Was sind die Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft, die am Volkstrauertag im Mittelpunkt stehen? Rainer Goerke wird konkret: Er erzählt von seinem Vater, seiner Mutter und ihren Familien im Zweiten Weltkrieg. Von Cousins in Uniform auf beiden Seiten der Front, vom Sterben, von lebenslangen Traumata bis hin zur Flucht in den Westen nach Kriegsende – sein Beitrag zur zentralen Gedenkstunde am 16. November in Berlin.
 

„Als Sohn von Betroffenen ist mir diese Gedenkfeier sehr wichtig und ich möchte besonders der jungen Generation die Sinnlosigkeit aller Kriege und das Leid der Betroffenen auf beiden Seiten bewusst machen und daran erinnern”, schrieb er an den Volksbund.
 

Großvater als Dolmetscher eingesetzt

„Mein Großvater väterlicherseits, der als Volksdeutscher bei Warschau aufgewachsen war, wurde wegen seiner slawischen Sprachkenntnisse als Dolmetscher für polnische und sowjetische Kriegsgefangene eingesetzt”, blickt Goerke zurück. „Dadurch erfuhr er aus erster Hand von den schrecklichen Gräueltaten und Kriegsverbrechen an der osteuropäischen Bevölkerung, die von der SS und Teilen der Wehrmacht begangen wurden, besonders an den Juden.”

Das müsse für den Großvater umso schlimmer gewesen sein, da seine drei Schwestern mit ihren polnischen Ehemännern und Kindern in Polen geblieben seien. „Mein Vater und vier meiner Onkel kamen als deutsche Soldaten mit dem Dilemma an die Ostfront, dass sie womöglich gegen ihre polnischen Cousins würden kämpfen müssen. Mein Vater und sein ältester Bruder wurden verwundet und schwer kriegsbeschädigt, zwei jüngere Brüder sind in Russland gefallen”, so Goerke. Der jüngste Bruder – zu jung für den Krieg – fand nie in ein normales Leben hinein.
 

Stalingrad und sieben Jahre Sibirien

Auch ein Bruder der Mutter kam in Russland um, ein weiterer überlebte Stalingrad und sieben Jahre Kriegsgefangenschaft in Sibirien. Die Mutter, mit 18 Jahren Flakhelferin in der Schlacht um Berlin im April 1945, kam im letzten Moment mit dem Leben davon.

Rainer Goerke hat all das zusammengetragen. Eingesandt hat er ein umfassendes Dokument, das auf erschütternde Weise die Spuren der Verwüstung sichtbar macht, die der Krieg in dieser Familie hinterlassen hat – wie in so vielen anderen auch.
 

Bewusstsein wachhalten

„Am Volkstrauertag 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges gedenken wir der Toten der beiden Weltkriege, die uns immer eine Mahnung sein sollen”, schreibt Goerke. „Die Erinnerung besonders an den Zweiten Weltkrieg und das Bewusstsein dafür müssen wir immer wachhalten und an unsere Nachkommen weitergeben, damit ein ‘Nie wieder’ nicht zu einer leeren Floskel verkümmern kann.”

Mehr lesen: Geschichte der Familie Goerke

 

Die zentrale Gedenkstunde am Volkstrauertag, 16. November 2025, überträgt die ARD live ab 13.30 Uhr. Redner ist der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella.

 

Lesen Sie außerdem: 
Geschichte des Volkstrauertages 
Traurig sein, um zu lernen – Volkstrauertag für Kinder erklärt
 

Der Volksbund ist …

… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 10.000 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich rund 38.000 junge Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.

jetzt unterstützen

zur Startseite