8. Mai 2017 – 21 gefallene Rotarmisten werden vom Volksbund bei Seelow geborgen

Bergung von Gefallenen – auch 72 Jahre nach Kriegsende noch immer Alltag in Brandenburg

8. Mai 2017

In Lebus finden viele gefallene Rotarmisten ihre letzte würdige Ruhestätte (Fotos: Ch. Blase)

"Bislang haben wir Überreste von 21 sowjetischen Soldaten entdeckt", sagte Umbetter Joachim Kozlowski . Er vermutet weitere sterbliche Überreste im Boden. Volksbund-Landesgeschäftsführer Oliver Breithaupt sprach vom größten Fund der vergangenen Jahre. Sprengstoffexperten der Polizei waren in Brandenburg auf ein Massengrab mit Überresten von Rotarmisten gestoßen.Sie wurden an der B1 nahe Seelow gefunden, wo ein Radweg erneuert wird. In der vergangenen Woche wurden die Knochen entdeckt, die nun unter Aufsicht von Mitarbeitern der russischen Botschaft nach und nach geborgen werden. 

Gerade im Oderbruch oder Halbe hat  Joachim Kozlowski viel zu tun. „Schlacht bei den Seelower Höhen“ oder der „Halbe-Kessel“ stehen für zigtausende gefallene Soldaten in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges. „Es ist immer wieder eine Begegnung mit regionaler und europäischer Geschichte und dem Schicksal von Menschen, die heute meist niemand mehr kennt. Doch auch diese Menschen haben das Recht auf ein menschenwürdiges Begräbnis, ein Recht, dass man sich ihrer erinnert. – als Opfer des Krieges, nicht als Helden. Und dafür sorgen wir vom Volksbund“, sagt Volksbund-Landesgeschäftsführer Oliver Breithaupt.

Volksbund, Bundeswehr und Russische Botschaft arbeiten bei der Bergung der gefallenen Hand in Hand. Nicht selten können die gefallenen Soldaten noch identifiziert und die Angehörigen – meist die Enkel – informiert werden. Dabei übernimmt etwas die Deutsche Dienststelle in Berlin-Reinickendorf die standesamtlichen Aufgaben. Werden Rotarmisten gefunden, so erfolgt ein intensiver Informationsaustausch mit den zuständigen russischen Behörden in der Botschaft. Einbettungen von russischen Soldaten finden immer im Beisein von Botschaftsangehörigen und oft auch von russisch-orthodoxen Geistlichen statt. Einmal im Jahr finden in der Regel gemeinsame Arbeitseinsätze von deutschen und russischen Soldaten statt. Meist ist dieser Arbeitseinsatzverbunden mit einer würdigen gemeinsamen Einbettung auf der russischen Kriegsgräberstätte in Lebus und auf der in Halbe verbunden – mit über 28.000 Opfern die größte Anlage Deutschland.

Bis zu 300 gefallene Soldaten werden in Brandenburg jedes Jahr gefunden, geborgen und würdig bestattet. Die deutschen Landser und sowjetischen Rotarmisten sind die Opfer der letzten großen Schlachten im Frühjahr 1945 rund um die damalige Reichshauptstadt Berlin. In enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Dienststelle und der Russischen Botschaft werden die Soldaten vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ausgebettet und erhalten dann je nach Nationalität ihre letzte würdige Ruhestätte in Lebus, Halbe oder einer anderen Kriegsgräberstätte ihr würdiges Grab.

Das Medienecho ist riesengroß. Weltweit wird über die Ausbettung und die Arbeit des Volksbundes berichtet.

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