Rainer Grygiels "Tour der Erinnerung" durch den Landkreis Holzminden

Erlebnisbericht Teil 3

4. September 2019

Kriegsgräber Holzminden

Kriegsgräberstätten Brevörde...

Holzen...

und Golmbach

Grab eines Gefallenen im ISAF-Einsatz

Landkreis Holzminden. Das Pilgern ist eine uralte Art des Unterwegsseins, die hilft, unsere äußeren und inneren Wege in Berührung zu bringen. Aufbrechen, unterwegs sein, ankommen ist ein Rhythmus, der unser Leben durchzieht. Wer gern wandert kennt das: Vorfreude und Vorbereitung auf den Weg, das Gehen selber, Schritt für Schritt den Boden unter den Füßen spüren (und auf dem Rücken das Gepäck), sich von der Natur tragen lassen, dem Ziel stetig näher kommen. Dazu gehören Ausdauer, Geduld, Achtsamkeit, die Kraft der kleinen Schritte und die Freude (manchmal auch Erleichterung) des Ankommens.

20 Stationen mit besuchten Kriegsgräberstätten bzw. Friedhöfe mit Kriegsgräbern, 110 km zurückgelegter Fußmarsch im Landkreis Holzminden, 3 Treffen mit Vertretern der Kommune an Kriegsgräbern (Brevörde, Bodenwerder, Holzminden), nur sonniges Wetter (manchmal etwas viel Wind), zwei Wandertage in Begleitung (Danke Ingo für den gemeinsamen 2. Tag und Jochen für den 5. Tag): das sind die reinen Fakten meiner dritten Tour der Erinnerung.

Wer weiß eigentlich noch, daß

- in Holzminden im Frühjahr 1945 noch 176 Menschen bei Luftangriffen ums Leben kamen,

- es kurz vor Kriegsende durch Kämpfe um die Ortschaft Halle (06. April 1945) und um Stadtoldendorf (08. April 1945) fast 50 Gefallene gegeben hat,

- es am 7./ 8. April 1945 heftige Kämpfe um den Weserbrückenkopf bei Polle gegeben hat und Kriegsgräber in Brevörde, Heinsen und Polle daran erinnern,

- „Hecht“ der Deckname eines KZ - Außenlagers in Holzen war (seit August 1944), in dem in Untertage - Fertigungsstätten für Kriegsgerät bis zu 2000 Zwangsarbeiter aus unterschiedlichen Ländern unter schwersten Arbeits- und Lebensbedingungen eingesetzt wurden und nachweislich 171 Arbeiter an Erschöpfung, Unterernährung, Krankheit und Gewaltanwendung ums Leben kamen,

- am Greitberg 1944 das Zuchthauslager Holzen, ein Außenlager der Haftanstalt Hameln / Celle, errichtet wurde und am 05. April 1945 im Zuge der Verlegung von Häftlingen (unter „Todesmarsch nach Eschershausen“ bekannt) von Hameln am Westhang des Ith entlang bis nach Holzen 41 Häftlinge an der Strecke gestorben sind.

Davon zeugen die Kriegsgräberstätten bzw. Friedhöfe mit Kriegsgräbern an den besagten Orten und werden dies aufgrund des dauerhaften Ruherechtes auch weiter tun.     

Welche Erkenntnisse gab es noch auf meiner Tour:

-    Der Wanderer / Pilger nimmt die Natur und Umgebung unmittelbar und „entschleunigt“ wahr (im Gegensatz zu vielen anderen gewohnten Fortbewegungsmitteln) und erfreut sich zunehmend daran.

-    Im Gegensatz zur Radtour ist das Wandern / Pilgern ganz und gar auf den eigenen Körper bezogen und erhält lediglich Unterstützung durch zweckmäßiges Schuhwerk, Bekleidung und Gepäck.

-    Wenn erst einmal die Füße in Mitleidenschaft genommen sind, ergibt sich eine gewisse Verkrampfung im Körper (um eine möglichst schmerzfreie Fortbewegung zu erreichen) und im Geist (um eine Durchhaltefähigkeit zu erzielen). Andere Wahrnehmungen - wie der Natur - geraten zuweilen zur Nebensache.

-    Meinen „Gasteltern“ sei Dank für die unterstützende Hilfe bei der Fuß- und Beinpflege, für die vielfältigen Angebote zur Verpflegung, die ich gern angenommen und genossen habe sowie für die interessanten und aufmunternden Gespräche.

Abschließend bedanke ich mich herzlichst für die sehr freundschaftliche Aufnahme, Unterstützung und die Bereitstellung einer Herberge bei

•    Ute und Horst in Holzminden
•    Ingo und seiner Frau in Brevörde
•    Frau Weiß in Bodenwerder (im schönen „musikalischen Weserhaus“)
•    Ullrich in Stadtoldendorf
•    Gaby und Jochen in Golmbach

 

Text und Bilder: Rainer Grygiel

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