Geschichts- und Erinnerungstafel für den sog. „Russenfriedhof“ am Unteren Pfauenteich bei Clausthal-Zellerfeld

Das Engagement der Haupt- und Realschule Clausthal-Zellerfeld und des Rotary-Clubs

17. September 2018

Ruinen des „Werk Tanne“ – giftige Überreste der Sprengstoffproduktion für den Krieg

Die Stelen auf dem sog. „Russenfriedhof“ am Unteren Pfauenteich – mehr Fragen als Antworten

Clausthal-Zellerfeld. Manchmal ragt die Vergangenheit wie ein verstörender und mahnender Keil in unsere Gegenwart. Das sog. „Werk Tanne“ bei Clausthal-Zellerfeld ist Teil dieser Vergangenheit, die nicht vergeht, die verstört und mahnt – und zwar in doppelter, sehr konkreter Hinsicht: Die kurz nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten gebaute Sprengstofffabrik gehörte zu den fünf größten Fabriken, die im Deutschen Reich TNT herstellten.
Die extrem die Umwelt belastenden Produktionsverfahren haben bis heute Spuren hinterlassen. Das einstige Werksgelände mit den Ruinen der Produktionsstätten ist immer noch Sperrgebiet, weil sich giftige TNT-Rückstände im Boden angereichert haben und bei Kontakt schwere Gesundheitsschäden auslösen können. Sie brachten vor 75 Jahren mehreren dutzend Zwangsarbeiterinnen und Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion den Tod, die Bomben, Granaten und Minen mit dem toxischen Explosivstoff befüllen mussten. Man bestattete die Toten auf dem sog. „Russenfriedhof“ am Unteren Pfauenteich.

Diese Kriegsgräberstätte ist neben den giftigen Ruinen des „Werk Tanne“ das zweite Relikt, das die NS-Vergangenheit in Clausthal-Zellerfled nicht vergehen lässt, denn wie alle Kriegsgräberstätten genießt sie ewiges Ruherecht.


Wer diesen Friedhof besucht, befindet sich auf einer traurigen, dreieckigen Rasenanlage, von einer hohen Hecke umgeben und in Gegenwart von zwei Stelen mit lateinischen und kyrillischen Buchstaben, die mehr Fragen aufwerfen als Antworten geben. Das lässt den Besucher ratlos. An der Bundesstraße 241 gibt es ein Hinweisschild „Kriegsgräberstätte“. Und so hat der Bezirksverband Braunschweig des Volksbunds Anfragen von Touristen erhalten, die um Auskunft baten und die Aufstellung einer Informationstafel vorschlugen.

Dazu wird es bald kommen. Schülerinnen und Schüler der Haupt- und Realschule Clausthal-Zellerfeld werden unter Anleitung ihres Lehrers, Michael Salomon, die Tafel erarbeiten. Die Realisierung Ihres Projektes ist nun zum Teil gesichert dank eines Vortragsabends des örtlichen Rotary-Clubs.

Die Rotarier hatten am 11. September Dr. Friedehart Knolle zu einem Vortrag über das „Werk Tanne“ geladen. Er betonte die noch heute für die Umwelt ausgehenden Gefahren der früheren TNT-Produktion und erklärte das System der Zwangsarbeit, das die Produktion des Werks im Krieg erst ermöglichte. Dr. Knolle verzichtete auf ein Honorar. Stattdessen bat er die Rotarier um eine Spende an den Volksbund zur Finanzierung der Geschichts- und Erinnerungstafel am Unteren Pfauenteich.

Und so darf man sehr zuversichtlich sein, dass im kommenden Jahr die Tafel aufgestellt werde kann, dank des Engagements der Schülerinnen und Schüler der Haupt- und Realschule Clausthal-Zellerfeld und ihres Lehrers Michael Salomon sowie der Unterstützung durch die Rotarier.
Gewiss wird die Kriegsgräberstätte am Unteren Pfauenteich ein trauriger Ort bleiben, denn mehr als 130 Frauen und Männer, viele von ihnen wurden kaum 20 Jahre alt, sind dort begraben – aber kein Besucher wird diesen Ort mehr ratlos verlassen.

Text: Dr. Rainer Bendick, Bildungsreferent Volksbund Braunschweig
Fotos: Dr. Friedhart Knolle, Spurensuche Harzregion e.V.

 

 

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