Rainer Grygiels "Tour der Erinnerung" durch die Landkreise Stade und Rotenburg/Wümme

Erlebnisbericht Teil 2

2. September 2019

Kriegsgräberstätten Bremervörde...

Sandbostel...

Wilstedt...

Farven und

Harsefeld

Lüneburg/Stade. „Bei alten und neuen Freunden zu Gast“ - zum Start, mittendrin und am Schluß habe ich mich bei meinen „Gasteltern“ sehr wohl gefühlt. Das war eine sehr schöne „Verwöhn - Basis“ für die täglichen Touren mit dem Fahrrad und hat zu vielen guten, intensiven Gesprächen geführt.

37 besuchte Kriegsgräberstätten bzw. Friedhöfe mit Kriegsgräbern, 260 km zurückgelegte Fahrtstrecke in 2 Landkreisen (Rotenburg / Wümme und Stade), 3 Pressetermine und zwei Regentage: das sind die reinen Fakten meiner zweiten Phase der Tour der Erinnerung.

Besonders bewegend und nachdenklich war gleich zu Beginn die Kriegsgräberstätte in Sandbostel, ein Friedhof mit vielen unterschiedlichen Opfergruppen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Die Kriegsgefangenen, insbesondere sowjetische, aus dem Lager Sandbostel starben massenweise durch Hunger, Seuchen, Erschöpfung und Gewalt im Herbst und Winter 1941/42, ebenso wie im April /Mai 1945 die nach Sandbostel verschleppten KZ-Häftlinge. Die Zahl der dort beerdigten Toten ist bis heute nicht abschließend geklärt. Neueste Schätzungen schwanken zwischen 8.000 und 50.000 Toten.

Im Lager Sandbostel, bezeichnet als Stalag X B (Mannschafts-Stammlager B im Wehrkreis X, Hamburg), waren bis zur Befreiung im April 1945 einige Hunderttausend Menschen aus großen Teilen der Welt untergebracht: Kriegsgefangene, vornehmlich aus der Sowjetunion, Frankreich, Polen, Jugoslawien und Großbritannien, italienische Militärinternierte, Angehörige der britischen Handelsmarine, Teilnehmerinnen am Warschauer Aufstand von 1944 und zuletzt auch etwa 10.000 KZ-Häftlinge. Manche Gefangene blieben nur einige Tage im Lager, andere mehrere Jahre.

Die vielen Schicksale und fürchterlichen Ereignisse sind heute Thema der politischen Bildung für Schüler / -innen und Erwachsenengruppen in der sehr beeindruckenden Gedenkstätte Lager Sandbostel, nur ca. 2 km von der Kriegsgräberstätte entfernt.

Seit 2005 finden regelmäßig Schulprojekttage in Sandbostel, sowohl in der Gedenkstätte wie auch auf dem Friedhof, statt. Besonders erwähnenswert sind die von Schülern / -innen hergestellten Namensziegel aus Ton, die die Lebensdaten der verstorbenen Kriegsgefangenen wiedergeben und auf Stelen zur Erinnerung und „Gegen das Vergessen“ aufgebracht wurden.
Nicht weniger bedeutsam und regionalgeschichtlich von Interesse sind die Kriegsgräberstätten in Zeven und das Grab von Kriegstoten in Harsefeld.
An diesen 3 Stationen hat es im Zuge von Presseterminen ein Treffen mit Vertretern der Kommune, des Volksbundes und sehr engagierten Bürgern, die sich intensiv um die regionale Geschichte kümmern und für ihre ehrenamtliche Arbeit viel Anerkennung verdienen, gegeben.

Welche Erkenntnisse gab es noch auf meiner Tour:
-    Auch beim sogenannten „Landregen“ kann das Fahrradfahren Spaß machen. Allerdings benötigt man eine Lösung für die nasse Brille.

-    Der „erfahrene“ Radfahrer (2. Tour) hat eine Lösung für die Strapazen am Hinterteil gefunden: GelTech - Satteldecke als gepolsterten Überzug über den Sattel. Geht wunderbar.

-    Gespräche bei meinen Gasteltern - wie in Wilstedt - können auch schon mal bis Mitternacht gehen. Das war sehr interessant.

-    Ein Treffen mit einem Landrat ohne Pressetermin um 08.00 Uhr auf einer Kriegsgräberstätte (Selsingen - Parnewinkel). Vielen Dank für Ihre anerkennenden Worte Herr Luttmann.

-    Das intensive Suchen von Kriegsgräbern mit sich direkt anschließender Recherche in Zeven: mein Respekt Herr Massmann für ihr unermüdliches Engagement.

-    Ein Gedankenaustausch und ein gemeinsames Mittagessen zum richtigen Zeitpunkt können von den Strapazen (Harsefelder „Höhengelände“) ablenken. Danke Herr Kania: das war eine Super - Idee.

Abschließend bedanke ich mich herzlichst für die sehr freundschaftliche Aufnahme, Unterstützung und die Bereitstellung einer Herberge bei
•    Fam. Engelmann in Bremervörde
•    Fam. Holm in Wilstedt
•    Herrn Oberstleutnant Schweda in der Fallschirmjäger-Kaserne Seedorf
•    Fam. Marquardt in Dammhausen
•    Fam. Moje in Haddorf


Text und Bilder: Rainer Grygiel

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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