Arbeiten in Fort-de-Malmaison / Frankreich

1. August 2018

11 Reservisten der „Marsch- und Arbeitsgruppe Nordrhein Westfalen / Hessen“ trafen sich zum Arbeitseinsatz für den Volksbund in Frankreich.

Man bezog Unterkunft in der franz. Kaserne in Sissonne. Der Ort liegt in der Nähe von Laon.
Auf dem deutschen Soldatenfriedhof Fort de Malmaison sollten Grabkreuzegesäubert, abgeschliffen, grundiert und neu gestrichen werden.
Der Soldatenfriedhof liegt südwestlich von Laon und ca. 42 km von der Kaserne Sissonne entfernt. Im Ersten Weltkrieg verlief hier die Frontlinie entlang des „Chemin de Dames“ (Damenweg). Dennoch handelt es sich nicht um Gräber aus dem 1. Weltkrieg, sondern ausschließlich um deutsch Gefallene aus dem 2. Weltkrieg.

Im Arbeitskommando befanden sich auch zwei belgische Reservisten, Kdt Lucien Langenbick und AdjMaj Henri Hollebosch.  Der Leitende, Oberstleutnant d.R. Peter Weyers hatte sie als Dolmetscher integriert, da sie fließend französisch sprachen und überall unterstützen konnten.
Lucien Langenbick gehört der Arbeitsgruppe jedoch bereits seit 15 Jahren an und hat aktiv an den bisherigen Einsätzen teilgenommen.
Henri Hollebosch ist neu im Team. Offiziell endet seine Dienstzeit bei der Belgischen Armee im Oktober 2018.

In brütender Hitze wurden die Kreuze bearbeitet. Zum Glück lagen einige im Schatten der Eichen, der es etwas erträglicher machte. Aber das hatte auch Nachteile. Die Eichen waren von der Eichenprozessionsspinner-Raupe befallen. Die schlimmste Zeit war zwar vorbei, aber es fanden sich noch genug Nesselhärchen in der Luft und am Boden, die einen ständigen Juckreiz verursachten.

Auf dem Friedhof ruhen 11.808 Gefallene. Auf beiden Seiten der Kreuze ist ein Name eingraviert, so dass auf dem Friedhof ca. 6000 Kreuze stehen. Rund 700 konnte die Reservisten-Arbeitsgruppe neu lackieren.
Bei den Arbeiten bemerkten die Reservisten die nebeneinander stehenden Kreuze der Brüder Pietzke. Feldwebel Friedrich Pietzke und Unteroffizier Wilhelm Pietzke waren Zwillinge. Sie wurden am 20.06.1916 geboren und starben gemeinsam am 07.06.1940. Was muss das für ein Schock für die Eltern gewesen sein, als sie die Todesnachricht erhielten!

Am Wochenende war Freizeit. Diese wurde für Exkursionen und Besichtigungen genutzt.
Oberstabsfeldwebel d.R. Lutz Freiberger hatte über den Volksbund erfahren, dass sein Onkel auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Bourdon bestattet sei.
OFw Albert Meinhardt war mit seiner Do 17 am 28.05.1940 bei Lissenthoek/ Belgien abgestürzt. Seine letzte Ruhestätte hatte er in Bourdon gefunden. Freiberger, Hollebosch und Weyers machten sich auf den Weg zu dem 150km entfernten Ort. Es war ein ergreifender Moment, als Freiberger das Grab fand, eine Botschaft an den Onkel richtete sowie „Ich hatte einen Kameraden“ sang.
Aber auch ein anderer Reservist der Gruppe, Oberfeldwebel d.R. Herbert Dauerböck, hatte den Auftrag von der 85-jährigen Schwiegermutter erhalten, nach einem Familienmitglied in Frankreich zu suchen. Der Friedhofsverwalter konnte nicht weiter helfen.
OTL d.R. Weyers gab die Daten des gefallenen Verwandten in „Gräbersuche.de“ ein. Eine große Überraschung: Der Verwandte ruhte nicht in Frankreich, sondern hatte sein Soldatengrab in Costermano am Gardasee. Er war bei Kämpfen gegen die Amerikaner 1944 dort gefallen.

Noch ein kleiner Höhepunkt: der belgische Kamerad Lucien Langenbick hatte vor kurzem seinen 80-jährigen Geburtstag – und er ist immer noch einer der fleißigsten Arbeiter! Anlässlich seines Geburtstages hat er die Reservisten zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladen. Der Vertreter des Volksbundes, OTL a.D. Roland Schmitt sowie zwei Kameraden aus Hessen, die sonst auch bei den Arbeitseinsätzen dabei waren, in diesem Jahr aber verhindert waren, sind der Einladung gefolgt und extra nach Frankreich gekommen. Gemeinsam wurde mit Lucien gefeiert.

Die beiden Hessen, Stabsfeldwebel d.R. Peter Hentzelt und Funker d.R. Karl De Vries hatten von ihrer Gemeinde den Auftrag, die Kriegsgräber von 5 Soldaten aus dem Ort im Norden Frankreichs zu suchen und zu dokumentieren. Am Morgen nach der Geburtstagsfeier fuhren sie zu den einzelnen Soldatenfried-höfen, suchten und fotografierten die Grabstätten.

Zum Abschluss der Arbeiten erfolgte eine kleine Gedenkfeier mit den Angehörigen der Friedhofsverwaltung. Dabei legten die Reservisten einen Kranz nieder.

 

Text und Foto: OTL d.R. Peter Weyers

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