„An den Wert des Lebens erinnern“

Schüler der Städtischen Realschule Meschede gestalteten eine bewegende Gedenkfeier auf der Kriegsgräberstätte Eversberg

30. Oktober 2012

Die Geschwister Irmgard (82) und Werner Gödde (77) erwiesen ihrem Bruder Heinz die letzte Ehre. Foto: Jürgen Kortmann

Sie beteten für die neun Kriegstoten, die jetzt in Eversberg ihre letzte Ruhestätte gefunden haben: Erzpriester Sergej Ilin, Pater Rainald und Pfarrerin Karin Neumann-Arnoldi. Schüler der Städtischen Realschule gestalteten die bewegende Gedenkfeier. Foto: Jürgen Kortmann

Meschede, 30.10.2012 - In einer bewegenden Gedenkfeier wurden auf der Kriegsgräberstätte Meschede-Eversberg die sterblichen Überreste von neun Kriegstoten aus dem Zweiten Weltkrieg beigesetzt. Es waren die ersten Beisetzungen dort seit über 50 Jahren.

„Sie sind hier nun für immer vereint“, sagte die Schülerin Marie-Sophie Rados. Jugendliche der Städtischen Realschule Meschede gestalteten die Gedenkfeier. Sie hatten sich mit ihrer Geschichtslehrerin Erika Siebels mit der Kriegszeit beschäftigt. Wir kennen keine Bombennächte, keine Todesangst, nicht den Schmerz um den Verlust von Angehörigen, sagte Rados: Nur die Gedenkstätten würden noch direkt vom Kriegsschrecken zeugen – „deshalb ist es wichtig, sie manchmal aufzusuchen“.Mit im Unterricht der Realschule waren als Zeitzeugen die Geschwister Werner und Irmgard Gödde. Ihr Bruder Heinz war im April 1945 in den letzten Kriegstagen in Meschede erschossen worden. Auch seine sterblichen Überreste gehörten zu den Toten, die umgebettet wurden. Heinz Gödde wurde nur 20 Jahre alt.

„Mitgefühl braucht konkrete Bezugspunkte, braucht Gesichter und persönliche Empfindungen“, sagte Meschedes Bürgermeister Uli Hess in seiner Gedenkrede. Er ist auch Ortsvorsitzender des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Die Kriegstoten müssten der Mahnung dienen: „Täuschen wir uns nicht: Wenn der Wohlstand verloren geht, ist auch der Frieden wieder gefährdet.“ Fast täglich müsse man erleben, „welch ein empfindliches, zerbrechliches Gut der Friede ist“.

Und Hess nannte nicht nur die Zunahme militärischer Konflikte. Immer öfter würden wir mit Gewalttaten auch außerhalb des Krieges konfrontiert; wie erst kürzlich die Gewalt gegen einen Jugendlichen auf dem Berliner Alexanderplatz. Hess betonte deshalb, wie wichtig es sei, „an den Wert des Lebens zu erinnern“: „Wir müssen uns als Einzelpersonen wie als Gesellschaft und als Staat stets für friedliche Lösungen und Mitmenschlichkeit einsetzen.“

Das bekräftigten auch die Geistlichen. Erzpriester Sergej Ilin von der Russisch-Orthodoxen Pfarrgemeinde Paderborn sagte: „Der Frieden ist wie eine kleine Blume: Gibt es Frost, dann kann sie kaputt gehen.“ Pater Rainald betete, „Herr, mach mich zu einem Werkzeug des Friedens“. Pfarrerin Karin Neumann-Arnoldi meinte, „aus Tränen wächst Hoffnung“. Die Toten seien nun an einem Ort, an dem ihrer mit Würde und Achtung gedacht werde.

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