Erinnerungsstätten auf dem Südwestfriedhof in Essen

Auf dem Südwestfriedhof ruhen 2 878 Tote der beiden Weltkriege und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Im Einzelnen: 4 Bombenopfer des Ersten und     1 287 des Zweiten Weltkrieges, 600 deutsche Soldaten des Ersten und 525 des Zweiten Weltkrieges, 21 Essener Bürger, die in nationalsozialistischen Konzentrationslagern, Zuchthäusern oder Gefängnissen ums Leben kamen, 121 ausländische Kriegsgefangene des Ersten und 43 des Zweiten Weltkrieges sowie 277, meist osteuropäische Zwangsarbeiter, die während des Zweiten Weltkrieges in Essen eingesetzt wurden. Außerdem gibt es Gräberstätten und ein Ehrenmal für Tote aus den frühen Jahren der „Weimarer Republik“.

Das Gräberfeld für deutsche gefallene Soldaten des Ersten Weltkrieges wird durch einen Obelisken gekennzeichnet, dessen Spitze ein Eisernes Kreuz trägt. Das Denkmal erinnert an die Toten des Infanterie- Regimentes 190. Am unteren Ende der Anlage sind fünf Ehrenmale durch Essener Vereine errichtet worden.

Die Grabstätte für vier Bombenopfer des Ersten Weltkrieges ist mit einer Stele gekennzeichnet. Die Aufschrift lautet “Den Fliegeropfern am Wasserturm 1916”. Darunter die Namen eines Wehrmannes und dreier Kinder.

Auf einem Gräberfeld sind 36 Gefallenen beerdigt worden, die während der militärischen Auseinandersetzungen um den rechtsgerichteten “Kapp-Putsch” (1920) starben. Ein gesondertes Ehrenmal erinnert an Polizisten, die bei Auseinandersetzungen zu Beginn der Weimarer Republik ums Leben kamen. Auf einem weiteren Feld ruhen 13 Opfer des  “Blutigen Karsamstags” von 1923, an dem Krupp-Arbeiter gegen die französische Besetzung des Ruhrgebietes protestierten.

Die Gräber der 525 auf dem Südwestfriedhof  beigesetzten deutschen Soldaten und die der Opfer von Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges verteilen sich auf mehrere Felder. Auf einem befindet sich eine 1943 errichtete Gedenkplatte mit der im Geiste des Nationalsozialismus verfassten Inschrift “Liebet eure Heimat, mahnen die Toten”.

Auf einem weiteren Gräberfeld steht ein Hochkreuz. Vor dem Kreuz erinnert eine Gedenkplatte an 84 Menschen, die während der Bombardierung Essens am 12. Dezember 1944 im städtischen Gefängnis ums Leben kamen. Unter ihnen waren zahlreiche politische Häftlinge, wie auch ein Vater, der von seinem 13-jährigen Sohn bei der Staatspolizei denunziert worden war. Die Gefangenen hatten während des Bombenangriffs ihre Zellen nicht verlassen dürfen.

In einem anderen Gräberfeld sind 21 Essener Bürger beerdigt, die zwischen 1933 und 1945 in nationalsozialistischen Konzentrationslagern, Zuchthäusern und Gefängnissen umgebracht worden sind. Eine Texttafel weist auf ihre Leidensgeschichte hin.

Unter den ausländischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern, die auf dem Südwestfriedhof beigesetzt sind, befinden sich 35 osteuropäische Arbeiter, die im März 1945 von der Essener Geheimen Staatspolizei im so genannten “Montagsloch” - im heutigen Gruga-Gelände  - erschossen wurden.

Der Name Montag erinnert an den Montaghof, der sich dort einmal befand. An der Stelle erinnert seit dem Jahr 2000 ein Findling mit einer Gedenktafel an das Geschehen.

Amerikanische Truppen entdeckten nach Kriegsende das Massengrab und ließen die Leichen an Ort und Stelle einzeln  bestatten. Am 3. November 1949 wurden diese Toten zum Südwestfriedhof überführt und dort in einem gesonderten Gräberfeld beigesetzt. 

Im Feld 23 b, im nördlichen Teil des Südwestfriedhofes, ruhen 108 ausländische Kriegstote, darunter viele Polen, die als Zwangsarbeiter in Essen eingesetzt waren. Viele von ihnen verbindet das Ereignis am Schuirweg in Essen-Haarzopf zum Ende des Krieges.

Ein Findling mit einer Gedenktafel wurde am 16. April 2007 am Schuirweg durch Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Reiniger enthüllt. Die Inschrift lautet:

         „Am 9. April 1945 zog eine Kolonne von ca. 3 000 Zwangsarbeiterinnen

         und Zwangsarbeitern durch den Schuirweg. Weil alliierte Jagdbomber die

         Kolonne falsch einschätzten, wurden die Menschen angegriffen. Es gab

         Tote und Verwundete. Die Schwestern aus dem Mutterhaus der

         Elisabetherinnen und Nachbarn beteiligten sich an der Bergung der

         Toten und der Erstversorgung der Verwundeten. Nur der Pole Kazimierz

         Soporowski, der über 60 Jahre von seinem Sohn Bogdan gesucht wurde,

         konnte als einziger der Toten namentlich benannt werden. Alle anderen

         Opfer sind bis heute unbekannt. Die über 40 Toten fanden auf

        dem Südwestfriedhof ihre letzte Ruhestätte.“

Inzwischen weiß man, dass es am Schuirweg schon mehr als 50 polnische Tote gegeben hat. Jedes Jahr wird im April der Toten des Schuirweges gedacht.

Inmitten der Gräberfelder der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft befindet sich das  Denkmal mit der Plastik eines knienden Jünglings, geschaffen von Professor Joseph Enseling aus Coesfeld. Der Steinsockel trägt die Inschrift “Gedenkstätte der Stadt Essen für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft”. Hier findet alljährlich die Veranstaltung zum Volkstrauertag statt.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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