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Jugendliche auf den Spuren der Urkatastrophe
Erster Weltkrieg als Workcamp-Thema
25. September 2018
  • Jugend

Als der Erste Weltkrieg am 11. November 1918 nach 4 Kriegsjahren endete, hatten mehr als neun Millionen Menschen ihr Leben verloren. An diese Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts erinnern europaweit viele Gedenkveranstaltungen in diesem Jahr. Auch im Rahmen der Jugend- und Bildungsarbeit des Volksbundes fanden diesen Sommer zahlreiche Projekte statt, bei denen sich junge Menschen intensiv mit den Geschehnissen und Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auseinander gesetzt haben. Einige davon möchten wir Ihnen hier vorstellen:

Jugendbegegnung in Mazedonien


Schülerinnen und Schüler der Jörg-Zürn-Gewerbeschule aus Baden-Württemberg haben in diesem Jahr erstmals gemeinsam mit ihren Altersgenossen aus der Schule SOEPTU Kuzman Josifoski-Pitu aus Prilep an den Soldatenfriedhöfen in Prilep und Bitola gearbeitet. Prilep gehört zu den vom Volksbund für das Projekt "19 für 19" ausgewählten Orten, die zum Jahr des 100-jährigen Volksbund-Bestehens 19 ausgewählte Friedhöfe europaweit in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit rückt. Eine Ausstellung vor Ort erinnert zugleich an das Schicksal der deutschen Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkrieges sowie an die Soldaten von sechs weiteren Nationen, die auf dem Friedhof beigesetzt sind.

Bei der gemeinsamen Arbeit, wie hier in der als Turm gestalteten Eingangshalle des Friedhofs in Bitola, tauschten sich die Teilnehmenden beider Länder aus. Ihre gesammelten Gedanken trugen sie dann bei Abschlussveranstaltung vor: "Ich bin froh, einen kleinen Teil zu einer gemeinsamen und friedlichen Welt beitragen zu können und den Zusammenhalt und die Einigkeit verschiedener Menschen aus unterschiedlichen Ländern durch neue Freundschaften stärken zu können".

 

Bei themenbezogenen Exkursionen, Workshops und in der gemeinsamen Zeit in der bi-nationalen Gruppe haben sich die Jugendlichen kennen gelernt und viel Zeit gemeinsam verbracht. Für nächstes Jahr ist geplant, dass die Jugendlichen aus Mazedonien an der Jugendbegegnung im Nachbarland Bulgarien teilnehmen. Dort arbeitet die Jörg-Zürn-Gewerbeschule aus Überlingen bereits seit über zwei Jahrzehnten im Zweijahrestakt an den Friedhöfen im Süden Bulgariens. Alle freuen sich jetzt schon auf ein Wiedersehen!



Jugendbegegnung Belgien –

„Wer an Europa zweifelt, wer an Europa verzweifelt, der sollte Soldatengräber besuchen.“

 

Bei dem Projekt "Belgien 1918-2018" haben sich 26 Jugendliche im Alter von 16 bis 25 Jahren auf geschichtliche Spuren-
suche in Belgien vom Ersten Weltkrieg bis heute begeben. Nach dem einwöchigen Aufenthalt in der volksbundeigenen Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Lommel ging die Reise weiter nach Flandern. Die Führung durch das "Flandern Fields Museum" und die anschließende Exkursion zu Gedenkstätten und Friedhöfen verschiedener Nationen hinterließ einen tiefen Eindruck. Der Besuch von Langemark führte den Teilnehmenden das bekannte Zitat Jean-Claude Junckers vor Augen, denn "Wer an Europa zweifelt, wer an Europa verzweifelt, der sollte Soldatengräber besuchen. Nirgendwo besser, nirgendwo eindringlicher, nirgendwo bewegender ist zu spüren, was das europäische Gegeneinander an Schlimmstem bewirken kann".

 

In Flandern ist der Erste Weltkrieg bis heute gegenwärtig. Das Menen-Tor in Ypern ist eine besondere Erinnerungsstätte an das Grauen der Schlachtfelder. Der Standort markiert den Ausgangspunkt einer der wichtigsten Straßen der alliierten Truppen während des Krieges zur Front nördlich der Stadt, in Richtung des Dorfes Menen, wo der Ypernbogen gegen die deutschen Truppen gehalten wurde. Jeden Abend findet hier die eindrucksvolle "Last Post-Ceremony" für die Gefallenen statt, an der die Gruppe teilnahm und auch einen Kranz aus Mohnblumen niederlegte.

 

Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch des Friedhofs von Notre Dame de Lorette und des Rings der Erinnerung (Anneau de la Mémoire). Dieses einzigartige, internationale Memorial wurde zum 100. Jahrestag des Ersten Weltkrieges errichtet. Im Inneren des ellipsenförmigen Rings listen 500 Metallstelen die Namen von fast 580.000 in Nordfrankreich gefallenen Soldaten alphabetisch geordnet auf, ohne Hinweis auf ihre Nationalität, Religion oder Dienstgrade. So sind alle Gefallen in Ewigkeit vereint - eine universelle Friedensbotschaft.

 

Bei einem Besuch der Hauptstadt Brüssel lernte die Gruppe den Hauptsitz der Europäischen Union kennen und beschäftigte sich nicht nur mit der Vergangenheit Europas, sondern auch mit der gemeinsamen Zukunft. Tanja Sauter, eine Teilnehmerin des Jugendlagers, zog am Ende der Reise Bilanz: „Gerade in Belgien, das von beiden Weltkriegen stark betroffen war und wo heute in Brüssel als Sitz der Europäischen Union daran gearbeitet wird, dass so etwas nie wieder passiert, wird deutlich, dass das Volksbundmotto ‚Arbeit für den Frieden’ nie an Aktualität verliert.“



Grabsteine erzählen Geschichte – Internationale Jugendbegegnung in Heidelberg

Weltweit erinnern uns die Kriegsgräber- und Gedenkstätten an diese unselige Zeit und vermitteln die Botschaft: "Nie wieder Krieg!" Besonders eindringlich ist diese Botschaft, wenn Jugendliche aus elf Nationen gemeinsam an diesen Orten der Mahnung arbeiten und sich in Workshops mit der Geschichte auseinander setzen. Besonders berührt waren die Teilnehmenden von den Gräbern der unbekannten Soldaten: „Wir sind hier in der Hoffnung, dass Familien in Zukunft solch leidvolle Schicksale nicht mehr erleiden müssen – nicht zu wissen, was mit dem geliebten Menschen geschehen ist.“

In Workshops, bei Gruppenarbeit und bei der Vorbereitung auf die Abschlussveranstaltung haben sich die Jugendlichen aus Italien, Deutschland, Mazedonien, Ungarn, Belarus, der Ukraine, Polen, Russland, Bulgarien, Rumänien und der Türkei intensiv mit der Geschichte Europas beschäftigt. Doch der Blick wurde dabei vor allem in die gemeinsame Zukunft gerichtet. Über eines waren sich alle einig: dass der Austausch unter Menschen verschiedener Nationen, Kulturkreise und Religionen der erste Schritt in Richtung Völkerverständigung und dauerhaften Frieden ist.

 

Bei der Abschlussveranstaltung trugen die Jugendlichen ihre Gedanken vor und brachten ihre Hoffnung auf eine friedliche und partnerschaftliche Zukunft in Europa und der Welt dabei zum Ausdruck. Ihr Engagement wurde vom Vorstands-
vorsitzenden des Landesverbandes Baden-Württemberg, Herr Guido Wolf MDL, in seiner Ansprache gewürdigt und die Bedeutung ihres Engagements herausgestellt: "Sie setzen auf diese Weise ein Zeichen für Versöhnung, Verständigung und Freundschaft über nationale Grenzen hinweg - und zwar in dem Bewusstsein, dass die Zukunft Europas nur im Miteinander seiner Nationen liegen kann, keinesfalls im Gegeneinander.

Heike Baumgärtner