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Fluchtpunkt Dänemark: Vom Leben und Leid im Lager

Volksbund eröffnet neue Ausstellung auf der Kriegsgräberstätte Oksbøl

Der Volksbund hat eine neue Dauerausstellung in Dänemark eröffnet. Auf dem Flüchtlings- und Soldatenfriedhof in Oksbøl bei Esbjerg geht es vorrangig um die Schicksale der Männer, Frauen und Kinder, die am Ende des Zweiten Weltkriegs vor der Roten Armee über die Ostsee flohen und im Lager mehr schlecht als recht unterkamen.

Es sind Schicksale wie das der Familie Klein aus Altweichsel in Westpreußen, die die Ausstellungsbesucher berühren. An einer Audiostation ist der Bericht der zum Zeitpunkt der Flucht schwangeren Grete Klein zu hören. Sie schildert die Flucht ihrer Großfamilie bei minus 24 Grad über Danzig und die Halbinsel Hela, die Fahrt mit der „Lappland“ nach Kopenhagen und den Tod von sechs der acht kleinen Geschwister. Der zweijährige Helmut stirbt nach Ankunft im Lager Oksbøl und liegt heute in Reihe 26, Grab 233. Und das ist das Besondere an der neuen Ausstellung: Die direkte Nähe zum Friedhof. Durch die hohen Scheiben des neuen Ausstellungspavillons fällt der Blick immer wieder auf die langen Reihen der Gräber mit ihren grauen Steinen zwischen dichten, hohen Rhododendren.
 

Eine zweite Besatzung

Die Historikerin Dr. Gundula Bavendamm aus dem Volksbund-Bundesvorstand hob in ihrer Eröffnungsrede diese besondere Thematik von Flucht, Vertreibung und Versöhnung hervor. Zwar hätten viele Dänen den massenhaften Strom von Flüchtlingen in ihre Häfen zunächst als zweite Besatzung empfunden, zwar fühlten sich Flüchtlinge hinter hohen Zäunen oftmals mehr wie in einem Internierungslager, doch nach Auflösung des Lagers 1949  kam es zu ersten deutsch-dänischen Begegnungen und Freundschaften, die oftmals Jahrzehnte andauerten. Von solchen Begegnungen konnte auch Erhard Wermke aus Lüneburg berichten, der seit seiner Kindheit im Sommer aus dem heimischen Lüneburg an die dänische Westküste reist: „Mein Opa liegt hier in Oksbøl, den besuche ich jedes Jahr.“ Zur Ausstellungseröffnung brachte er Dokumente aus dem Lager und zwei Fotos mit, das das Grab seines Großvaters 1947 bei der Beerdigung zeigen. 

Auch kleine Besucher finden Informationen

Dr. Corinna Kuhr-Korolev, Kuratorin der neuen Dauerausstellung, führte im Anschluss durch den Bereich, der auch das harte Leben im Lager thematisierte, das oft genug von Kälte und Krankheiten geprägt war. Die Historikerin, die mit dem Volksbund auch schon eine große Ausstellung auf Kreta erarbeitet hat, wies auf eine schöne Idee für kleine Besucher im Glaspavillon hin: Unter den Ausstellungstafeln läuft ein Fries mit Kinderzeichnungen durch, an Medienstationen gibt es kindergerechte Information über das Lagerleben.

Zuhören und Verantwortung übernehmen

Von ihrer Arbeit mit anderen jungen Menschen auf dem Friedhof berichtete Ida Lotta Glau. Die Studentin aus Flensburg hatte über mehrere Monate hinweg zusammen mit 30 Studierenden aus Dänemark und Deutschland unterschiedliche Unterrichtsmaterialien mitentwickelt – Audioguides, digitale Zugänge und weitere Ideen, wie junge Besucherinnen und Besucher dem Lernort Oksbol begegnen können. Glau sagte bei der Eröffnung: „Vielleicht ist genau das auch eine Aufgabe unserer Generation: Verantwortung dafür zu übernehmen, wie wir mit Geschichte umgehen – indem wir bereit sind, anderen zuzuhören und uns durch verschiedene Perspektiven mit der Geschichte auseinanderzusetzen – auch mit den Teilen, die unbequem sind.“

Lob vom dänischen Museumsdirektor

Ein großes Lob spendierte Museumsdirektor Claus Kjeld Jensen. Er leitet das benachbarte Museum „FLUGT - International Refugee Museum of Denmark“ und bezeichnete die neue, dreisprachige Ausstellung als große Bereicherung für die internationalen Besucher des Museums im Süden Jütlands. Jensen war sich dabei mit anderen Besuchern einig: Wie mit keinem anderen Medium kann der Volksbund mit seinen Ausstellungen an authentischen Orten Wissen vermitteln – und das auf eine höchst anschauliche und oftmals auch beeindruckende Art und Weise.

Das größte Flüchtlingslager Dänemarks

Die deutsche Kriegsgräberstätte Oksbøl gehörte zum gleichnamigen Flüchtlingslager und wurde seit den 1960er Jahren durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. als dauerhafter Ruheort für die Kriegstoten des Lagers sowie für während der Besatzungszeit ums Leben gekommene deutsche Soldaten gestaltet. Der Volksbund pflegt die Gräber von 121 deutschen Soldaten und 1.675 zivilen Flüchtlinge, die zwischen 1945 und 1949 im größten Flüchtlingslager des besetzten Dänemarks starben. Die Anlage liegt 15 Kilometer nordwestlich von Esbjerg in einem sehr gut besuchten Feriengebiet mit langen Sandstränden. 

Für Besucher und Schulklassen gibt es eigens konzipierte Lernmaterialien, die historische Rundgänge und Einzelschicksale aufbereiten. 

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über eine besondere Kooperation: Einweihung des Museums FLUGT Zum ersten Mal ist eine deutsche Kriegsgräberstätte in das Konzept einer großen nationalen Ausstellung einbezogen.
 

Der Volksbund ist …

… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 5.500 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
 

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Harald John Abteilungsleiter Fundraising-Kommunikation-Marketing (FKM)