Erinnerung verbindet: Katharina Feike, die Leiterin der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Golm, begrüßt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gedenkveranstaltung am 12. März. (© Volksbund)
Vergangenheit verpflichtet: deutsch-polnisches Gedenken auf dem Golm
Zum 81. Jahrestag der Bombardierung von Swinemünde
Inzwischen ist es Tradition: Deutsche und Polen gedenken gemeinsam der Bombardierung von Swinemünde (polnisch: Świnoujście) am 12. März 1945. Mehr als 4.000 Opfer des US-amerikanischen Angriffs auf die Hafenstadt sind auf dem Golm begraben. Am Jahrestag findet auf der Kriegsgräberstätte alljährlich eine Gedenkveranstaltung statt – grenz- und generationsübergreifend.
Der 12. März 1945 markiert eine Zäsur in der Geschichte von Swinemünde. Das kleine Ostseebad auf der Insel Usedom beherbergte in den letzten Kriegswochen zahlreiche Flüchtlinge aus Ostpreußen, Danzig und Pommern auf ihrem Weg nach Westen – eine überfüllte Stadt. Als die US-Air Force die Stadt bombardierte, kamen 4.000 bis 6.000 Zivilisten zu Tode. Sie sind überwiegend auf der Kriegsgräberstätte Golm bestattet.
„Die Vergangenheit mahnt. Die Vergangenheit verpflichtet“, sagte Katharina Feike, die Leiterin der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Golm, als sie die Gäste begrüßte. Sie betonte die Verantwortung, die auch heute jeder einzelne, aber auch jede Gesellschaft trage: „Frieden ist keine Selbstverständlichkeit — er ist eine Aufgabe für uns alle.“
Grußworte aus Swinemünde
Auch in diesem Jahr war eine Delegation aus Swinemünde bei der Gedenkveranstaltung zu Gast. Die Stadtsekretärin Gabriela Flis‑Niśkiewicz und die stellvertretende Vorsitzende des Stadtrates Elżbieta Jabłońska übermittelten Grußworte. Lidia Miecznik, Mitarbeiterin für Internationale Zusammenarbeit in der Abteilung für Wirtschaftliche Entwicklung und Investorendienstleistungen (WRG) der Stadtverwaltung, übersetzte die Ansprachen.
Vertreter zahlreicher Institutionen und Organisationen beider Länder nahmen ebenfalls an der Veranstaltung teil. Neben Repräsentanten der kommunalen Verwaltungen, der uniformierten Dienste und von Geschichtsvereinen hatten auch zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner der umliegenden Orte den Weg auf den Golm gefunden, um gemeinsam der Toten zu gedenken.
Schüler gestalten Gedenken
Wie in den Vorjahren waren auch Jugendliche an der Gestaltung der Gedenkveranstaltung beteiligt. Mateusz Bochna und Franciszek Gralak, Schüler des „Liceum Ogólnokształcące im. Mieszka I“, trugen Erinnerungen eines Zeitzeugen auf Deutsch und Polnisch vor. Diese Texte von Horst Wegner hatten für die Schüler eine große Relevanz, da Wegner den Luftangriff auf dem Gelände ihrer heutigen Schule überlebte.
Besondere Erwähnung fanden sechs Bombenopfern. Erst im vergangenen Jahr wurden sie identifiziert. Ihre Namen wurden auf den Gedenktafeln des Friedhofs ergänzt und bei der Gedenkveranstaltung verlesen – ein wichtiger Schritt, um den Toten ihre Identität zurückzugeben.
Aktuelle Gefahren
Wie wichtig das deutsch‑polnische Erinnern ist, betonte auch der Geschäftsführer der Kommunalgemeinschaft Europaregion Pomerania e. V., Martin Hanf. Auch er wies darauf hin, dass beide Länder eine gemeinsame Verantwortung für die Zukunft haben.
Im Anschluss sprach Pastor Stephan Siegmund von der Kirchgemeinde Zirchow‑Ahlbeck. Er erinnerte nicht nur an die Toten des Zweiten Weltkrieges, sondern verwies auch auf aktuelle Konflikte und Kriege. Er mahnte eindringlich vor den Gefahren von Gewalt, Machtmissbrauch und Despotismus und rief zu Verantwortung, Menschlichkeit und Frieden auf. Mit einem Gebet, dem Totengedenken in zwei Sprachen und einer Schweigeminute endete die Gedenkveranstaltung.
Der Volksbund ist …
… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Knapp 6.000 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
jetzt unterstützen
