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„Vielseitig und nie langweilig“ – Freiwilligendienst beim Volksbund

Fünf junge Erwachsene arbeiten in Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten und stellen sich vor

Jedes Jahr leisten junge Menschen aus dem In- und Ausland ihren Freiwilligendienst in den Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten (JBS) des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.. Ihre Arbeit ist abwechslungsreich: Sie unterstützen im Herbergsbetrieb, in der Bildungsarbeit und bei der Friedhofspflege. 

 

Nach dem Abitur wollte Luise Bensch nicht gleich mit dem Studium anfangen. Deshalb bewarb sich die 19-Jährige für einen Freiwilligendienst in Frankreich. So kam die Bautzenerin zur JBS nach Niederbronn-les-Bains im Elsass. Schon vor ihrem Arbeitsbeginn war sie vor Ort: Ihre Entsendeorganisation (siehe unten) veranstaltete in der JBS ein Einführungsseminar – Gelegenheit, die Einrichtung aus der Gästeperspektive kennenzulernen.

Luise unterstützt im Herbergsbetrieb und im pädagogischen Bereich. Gerade hilft sie, Module für Bildungsprojekte auszuarbeiten. „Es ist ein sehr schönes Gefühl, dass man etwas erstellt, das auch genutzt wird,“ sagt sie.

 

Was einen Menschen ausmacht

Neben dem Eintauchen in Geschichte schätzt Luise die Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen wie auch den Gästen. Manchmal kann sie sich den Ausflügen von Besuchergruppen anschließen – eine Möglichkeit, zum Beispiel Verdun zu besichtigen.

„Wenn ich mich hier täglich mit den Schicksalen von Kriegstoten befasse und zum wiederholten Mal den Lebenslauf einer Person oder Briefe an die Familie lese, dann wird mir nochmal viel bewusster, dass es Menschen sind“, erzählt die junge Frau, die vorhat, „etwas Geschichtliches“ zu studieren. „Das, was einen Menschen ausmacht, das ist so viel größer als Zahlen in der Statistik.“
 

Kontakt entstand über Schule

Schon während seiner Schulzeit kam Tobias Schneider mit dem Volksbund und der Kriegsgräberstätte Ysselsteyn in Kontakt. Im Rahmen eines Geschichtsprojekts besuchte er zweimal den Friedhof und arbeitete mit Biographien von Gefallenen und Zwangsarbeitern. Daraus erwuchs der Wunsch, in der JBS Ysselsteyn einen Freiwilligendienst zu leisten.

Als „vielseitig und nie langweilig“ beschreibt der 20-Jährige aus Kaarst am Niederrhein seine Arbeit. „Wir helfen den Gärtnern bei den Friedhofsarbeiten. Wenn Übernachtungsgruppen da sind, arbeiten wir auch in der Küche, bereiten Frühstück, Abendessen, Mittagessen und Brunch vor.“ Außerdem gehören Putzen und Archivarbeit dazu.
 

Sprachkurs einmal pro Woche

Untergebracht sind Tobias und sein Kollege Matteo in einem eigenen Haus. Einmal in der Woche nehmen die beiden an einem Niederländischkurs teil.
 

Bereichernde Begegnungen

Das Engagement des Volksbundes hält Tobias für wichtig: „Ich denke, gerade angespannte Zeiten wie die heutige zeigen, wie wichtig das Gedenken und Erinnern ist.“ Er selbst möchte im Anschluss an den Freiwilligendienst eine Ausbildung zum Bestatter machen. Ihm sei es wichtig, Menschen in ihrer Trauer nicht alleine zu lassen – eine Arbeit, die er als sehr erfüllend empfinde.

Die Begegnung mit vielen unterschiedlichen Menschen weiß auch Tobias‘ Kollege Matteo Heuer zu schätzen. „Besonders dass man in der JBS so viele Menschen trifft, so viele Perspektiven sieht“, findet er bereichernd.
 

Auseinandersetzung mit Schicksalen

Im vergangenen Jahr hat der 18-Jährige aus Altentreptow in Mecklenburg-Vorpommern seinen Realschulabschluss gemacht. Um sich zu orientieren und weil ihm soziales Engagement wichtig ist, entschied er sich für das freiwillige Jahr in den Niederlanden – sein erster Kontakt zum Volksbund.

Matteo ist in mehreren Bereichen im Einsatz: bei den Mahlzeiten, bei Führungen und Workshops. Zusätzlich hilft er noch bei Gartenarbeiten auf dem Friedhof und bei der Digitalisierung von Lebensdaten und Feldpostbriefen.
 

Am liebsten im Archiv

„Am liebsten mache ich Archivarbeit“, erzählt er. „Das hat was Beruhigendes, wenn man 'n bisschen Musik hören kann und sich mit den Schicksalen der Leute, die hier begraben liegen, auseinandersetzt.“  Inzwischen hat sich Matteo bei der Bundespolizei beworben und hofft, nach dem Freiwilligendienst die Uniform anziehen zu können.
 

Von Kirgisistan an die Ostsee

Zwischen Usedom und ihrer Heimat liegen 5.700 Kilometer: Akylai Zhanbolotova kommt aus Kirgisistan und macht seit September ihren Freiwilligendienst in der JBS Golm. Vor zwei Jahren hat die 19-Jährige zu Hause in Bischkek angefangen, Deutsch zu lernen – inzwischen spricht sie fließend und kommt sogar mit unterschiedlichen Akzenten und Dialekten klar.

Akylai hat ihre Stelle über eine Agentur gefunden. „Ich muss sehr viel sprechen“, sagt sie über ihren Freiwilligendienst, „aber ich wollte genau das: eine Stelle, wo ich viel sprechen kann.“ So freut sich die junge Frau, dass sie demnächst Führungen durch Swinemünde organisieren kann. Doch zuvor hilft sie im Januar noch beim Reinigen und im Februar im Büro.
 

Positive Atmosphäre 

Besonders gut gefällt Akylai die Arbeitsatmosphäre in der JBS: „Die Menschen hier sind sehr nett. Wenn es ein Problem gibt, dann sprechen sie miteinander und finden eine Lösung.“ Nach ihrem Jahr auf Usedom möchte Akylai Sozialarbeit studieren und vielleicht eines Tages eine ähnliche Einrichtung wie die JBS in Kirgisistan gründen.

Um die Zeit zwischen Schule und Universität sinnvoll zu nutzen, hat sich Wojciech Kiedrowski für den Freiwilligendienst auf dem Golm entschieden. Der 20-Jährige kommt aus Kartuzy, einer Kleinstadt westlich von Danzig. Seine Schwester erzählte ihm vom Volksbund und der JBS und ermutigte ihn, sich zu bewerben.
 

Wichtig und eine gute Erfahrung

Auch Wojciech Kiedrowski aus Polen übernimmt vielfältige Aufgaben in der JBS, die wegen ihrer Lage an der deutsch-polnischen Grenze von jeher binational ausgerichtet ist. Er arbeitet in der Küche, beim Reinigen und im Büro. Dort hilft er beim Erstellen von Bildungsmaterialien und Übersetzungen von Texten.

„Manchmal müssen wir uns auch um die Außenanlage kümmern, zum Beispiel im Herbst Laub harken oder im Winter Schnee schippen“, berichtet der junge Mann. „Alles, was wir hier tun, ist wichtig und eine gute Erfahrung.“


Freiwilligendienste

Die Freiwilligendienste sind in den Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten sowie bei den Landesverbänden Berlin und Thüringen (Freiwilliges Soziales Jahr Politik) möglich. Partner sind unterschiedliche Entsendeorganisationen, die auch ein Rahmenprogramm bieten. Dazu gehören zum Beispiel IJGD (Internationale Jugendgemeinschaftsdienste) und die Initiative Christen für Europa e. V..


Kontakt: jugend@volksbund.de

Der Volksbund ist...

… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Rund 5.500  waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich rund 38.000 junge Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
 

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