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Rundgang über den Parkfriedhof Marzahn

25 Jahre deutsch-russisches Kriegsgräberabkommen

14. Dezember 2017

An das 25-jährige Bestehen des deutsch-russischen Kriegsgräberabkommens erinnert der Volksbund mit einem Festakt im Museum Karlshorst sowie einem besonderen Rundgang auf dem Parkfriedhof Marzahn. Das Foto zeigt den Gedenkredner und neuen Bundestagspräsidenten Dr. Wolfgang Schäuble. (Fotos. Diane Tempel-Bornett und Margot Blank)

Etwa dreißig Menschen treffen am Dienstagnachmittag am Eingang des Parkfriedhofs in Berlin-Marzahn zusammen. Sie sind dort, um an verschiedenen Gedenkorten an die Toten zu erinnern. Das Besondere an diesem Friedhof ist, dass die Menschen, die hier ruhen, verschiedenen Opfergruppen angehören. Neben den Gräbern sowjetischer Soldaten steht ein Gedenkstein für ermordete Roma und Sinti. Neben deutschen Opfern des Faschismus ruhen Zwangsarbeiterinnen aus Polen. 

Vor Beginn des Rundgangs begrüßten der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Wolfgang Schneiderhan und der Leiter des Büros für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit bei der Botschaft der Russischen Föderation Jewgenij Aljoschin die Anwesenden. Der Anlass für den Rundgang war die Würdigung des 25-jährigen Jubiläums des deutsch-russischen Kriegsgräberabkommens.

Beide Redner betonten die herausgehobene Bedeutung, die das deutsch-russische Kriegsgräberabkommen, das vor 25 Jahren vereinbart wurde, für die Zusammenarbeit in beiden Ländern habe. Zudem betonten sie, diese fruchtbare Zusammenarbeit auch zukünftig fortsetzen zu wollen. Gemeinsam wolle man an die Toten der Kriege erinnern, um die Lehren der Vergangenheit an die nachkommenden Generationen weiterzugeben.

Das Gedenken in gemeinsamer Trauer respektiert die Würde der Toten in besonderer Weise

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gedenkveranstaltung legten anschließend Blumen und Kränze nieder und gedachten aller Toten mit Schweigeminuten. Der erste Gang führte zum Gedenkstein für die Opfer des Zweiten Weltkrieges, dort wurde das Totengedenken gesprochen. Dann führte der Weg zum Mahnmal für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges mit einer stillen Kranzniederlegung, anschließend zum Denkmal zur Erinnerung an die Opfer der Zwangsarbeit von 1939 bis 1945. Der letzte Gang führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Sowjetischen Ehrenfriedhof. Auch dort wurde ein Kranz niedergelegt, eine Kapelle spielte die beiden Nationalhymnen. „Das Gedenken in gemeinsamer Trauer respektiert die Würde der Toten in besonderer Weise“ betonte Wolfgang Schneiderhan.

Der gemeinsame Gang über den Parkfriedhof Marzahn und das Gedenken an den einzelnen Stätten war trotz Kälte und einsetzendem Nieselregen von einer ruhigen und würdevollen Stimmung geprägt. Die Gedenkveranstaltung wurde mit einem Festakt im deutsch-russischen Museum Karlshorst fortgesetzt.

„Nirgends ist die Botschaft ‚Nie wieder‘ eindringlicher als auf den Gräberfeldern“

Vor fast auf den Tag genau 25 Jahren hatten Repräsentanten aus Moskau und aus Bonn ein Abkommen über den Erhalt und die Pflege von Kriegsgräbern im Land des Vertragspartners geschlossen. Am 16. Dezember wurde das deutsch-russische Kriegsgräberabkommen unterzeichnet und es entwickelte nach seiner Ratifizierung eine große Dynamik. . Um dies zu würdigen, lud der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge am 12. Dezember 2017 Freunde und Wegbegleiter aus diesen 25 Jahren zu einem Festakt in das in das Deutsch-Russische Museum nach Berlin-Karlshorst ein.

Die Gäste aus Gesellschaft, Politik und Kultur, aus befreundeten Vereinen und Verbänden, die alle ihren Teil zu diesem Vierteljahrhundert Zusammenarbeit beigetragen haben, trafen an einem geschichtsträchtigen Platz zusammen. Im heutigen Saal war die bedingungslose Kapitulation des nationalsozialistischen Deutschlands am 8. Mai 1945 unterzeichnet worden.

Mit einem Gruß an die Gäste eröffneten den Abend zunächst der Präsident des Volksbundes Wolfgang Schneiderhan, der Botschafter der Russischen Föderation Wladimir Grinin, Andreas Peschke vom Auswärtigen Amt und der Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Ralf Kleindieck.

Der Präsident des Deutschen Bundestages, Dr. Wolfgang Schäuble hielt die Festrede. Er erinnerte daran, dass nach der deutschen Wiedervereinigung die Hoffnung und Zuversicht groß war, die Teilung Europas rasch überwinden zu können. Er rief die vielen Gemeinsamkeiten zwischen Russen und Deutschen in Erinnerung – wie beispielsweise das Totengedenken, das beide Kulturen verbindet. Aber auch auf wirtschaftlicher Ebene sowie in den Künsten existiere ein eng geknüpftes Beziehungsgeflecht zwischen beiden Ländern.

Wenngleich die deutsch-russischen Beziehungen heute weit von der Aufbruchsstimmung früherer Jahre entfernt seien, stehe die Zusammenarbeit des Volksbundes mit seiner russischen Partnerorganisation ‚Memorial‘ wie ein Leuchtturm in einer unruhigen Zeit.

Dr. Schäuble erläuterte, dass während die Wissenschaften Fakten über den Verlauf und die Ursachen von Krieg liefern könne, das konkrete Einzelschicksal nicht selten daran erinnere, dass das Bild von Schuld und Unschuld nicht mit den Farben Schwarz und Weiß auskomme. Die Komplexität eines differenzierten Gedenkens mindere jedoch nicht die deutsche Schuld und Verantwortung. Dass Deutschland sich dieser Aufgabe stelle, zeige die Arbeit des Volksbundes sowie des Deutsch-Russischen Museum, die ein Stück gelebter europäischer Versöhnung sei.

Den Schlusspunkt des offiziellen Programms markierte ein dialogischer Rückblick des Ehrenpräsidenten des Volksbundes, Reinhard Führer, und Dr. Ernst-Jörg von Studnitz, der als deutscher Botschafter in Moskau tätig war, als das deutsch-russische Kriegsgräberabkommen geschlossen wurde. Dr. Jörg Morré, Direktor des Deutsch-Russischen Museums moderierte den Rückblick und die vielen persönlichen Erinnerungen gaben den Gästen einen guten Einblick in die von vielen Herausforderungen geprägte Entstehungsgeschichte des Abkommens.

Beide Zeitzeugen berichteten von vielen herzlichen Begegnungen mit Menschen in Russland, die häufig eine große Hilfsbereitschaft und vor allem den Wunsch nach Versöhnung und Freundschaft gezeigt hätten. Der anschließende Empfang bot einen guten Rahmen für weitere Gespräche der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die musikalische Begleitung eines Blechbläserquintetts der Bundeswehr sorgte mit für eine rundherum gelungene Veranstaltung.

Dennis Beismann und Diane Tempel-Bornett

Die Ansprache von Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble lesen Sie hier.

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