Pressemitteilung

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Gemeinsame Recherchen sollen Licht in ein dunkles Kapitel bringen
Schicksalsklärung von sowjetischen und deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges
25. September 2019

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. ist Träger des vom Auswärtigen Amt geförderten Recherche- und Dokumentationsprojekts "Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene und Internierte. Ziel ist die Aufklärung der Schicksale sowjetischer und deutscher Kriegsgefangener und Internierter des Zweiten Weltkriegs. Die sowjetischen Gefangenen waren eine der größten Opfergruppen des NS-Regimes, die in der öffentlichen Wahrnehmung lange vernachlässigt wurde. Mehr als 5 Millionen sowjetische Soldaten gerieten während des Zweiten Weltkriegs in deutsche Gefangenschaft, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen leben und arbeiten mussten. Der systematischen Misshandlung fielen mehr als drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene zum Opfer, eines der größten Verbrechen des Zweiten Weltkriegs.

Auf deutscher Seite kamen in sowjetischer Gefangenschaft zwischen 1941 und 1943 3 Millionen Soldaten der Wehrmacht in sowjetische Kriegsgefangenschaft, über eine Million von ihnen kamen dabei um.

Um dieses dunkle Kapitel der Geschichte aufzuarbeiten, hatten am 22. Juni 2016 die Außenminister Russlands und Deutschlands, Frank-Walter Steinmeier und Sergej Lawrow mit einer gemeinsamen Erklärung ein Projekt ins Leben gerufen, das dazu beitragen soll, die Schicksale dieser Menschen - soweit möglich - zu klären. Dazu sollen alle Archivmaterialien, die Informationen zum Schicksal von Kriegsgefangenen und Internierten enthalten, recherchiert, digitalisiert und in Datenbanken zugänglich gemacht werden. Wissenschaftliche Forschung, humanitäre Schicksalsklärung und gedenkkulturelle Arbeit werden von diese erweitere Datenbasis profitieren und neue Impulse erhalten.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. koordiniert das Projekt im Auftrag des Auswärtigen Amts gemeinsam mit seinem direkten Partner in Russland, der Abteilung für die Wahrung des Andenkens an die gefallenen Vaterlandsverteidiger im Verteidigungsministerium der Russischen Föderation. Die Archivrecherchen zu sowjetischen Kriegsgefangenen übernimmt auf deutscher Seite das Deutsche Historische Institut in Moskau. Das DHI Moskau kooperiert mit der ELAR AG auf russischer Seite, die in Russland die Datenbank OBD "Memorial" betreibt, in der die Dokumente im Internet zugänglich gemacht werden. Auf deutscher Seite hat das Bundesarchiv als Projektpartner die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg mit der Verwaltung der Projektdaten in der Online-Datenbank "Memorial Archives" betraut.

Die zuständigen Projektpartner erschließen gemeinsam die relevanten Archive in Russland und Deutschland, aber auch in anderen post-sowjetischen Staaten sowie europäischen oder außereuropäischen Archiven. Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes als Teil des internationalen Suchdienst-Netzwerks der weltweit 190 Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) bemüht sich um die Klärung der Schicksale deutscher Kriegsgefangener, sein russischer Partner ist die Assoziation "Soldatengedenken".

Die Bestände des Bundesarchivs, insbesondere die der Abteilung Personenbezogene Auskünfte zum Ersten und Zweiten Weltkrieg in Berlin-Reinickendorf und die Abteilung Militärarchiv Freiburg, gehören zu den für die Klärung der Schicksale sowjetischer Gefangener besonders wichtigen Beständen. Die Archivleitung hat in den letzten Monaten intensiv und in enger Absprache mit dem Projektträger eine Nutzungsvereinbarung für die Bestände ausgearbeitet, die im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen eine maximal freie Nutzung ermöglicht.

Diese Vereinbarung wurde am 25. September im Hauptstadtbüro des Volksbundes im Rahmen eines informellen Treffens unterzeichnet. Partner der Vereinbarung sind der Präsident des Bundesarchivs, Dr. Michael Hollmann, und der Direktor des Russischen Staatlichen Militärarchivs, Wladimir Tarasow.


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