Pressemeldungen
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Ausbettung von 31 Kriegstoten und 20 Erkennungsmarken (© Pomost)
Massengrab in Westpolen exhumiert
Sterbliche Überreste von 31 Soldaten im ehemaligen Landsberg an der Warthe geborgen
Mehr als 80 Jahre nach Kriegsende gelang einem Team des Volksbund-Partners Pomost die Bergung von 31 Kriegstoten nahe Łośno in Westpolen. Der Fund von 20 vollständigen Erkennungsmarken lässt hoffen, viele der bislang unbekannten Toten identifizieren und ihre Schicksale klären zu können.
Knapp zwei Autostunden östlich von Frankfurt (Oder) liegt Łośno bei Gorzów Wielkopolski. An diesen kleinen Ort, dem früheren Lotzen, hat Tomasz Czabański und sein Team auf die Suche nach einem Massengrab geführt.
Der Volksbund wusste, dass hier ein Grab liegen soll. Nach Erinnerungen von Zeitzeugen seien dort 1945 mindestens zehn, manche sprachen auch von 15, deutsche Soldaten begraben worden. Aus dem Jahr 1997 stammt ein handgeschriebener Brief, in dem ein Mitglied von einem Artikel im „Landsberger Heimatblatt“ berichtet. Die Autorin des Artikels schrieb von einem Massengrab im Ort Lotzen bei Landsberg/Warthe. Der Volksbund wurde aktiv und sondierte, aber ohne Erfolg. Doch das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Erinnerungen der Zeitzeugen falsch sind. Häufig wurden – und werden – Gräber auch geplündert.
Wird die Suche dieses Mal erfolgreich sein? Das fragten sich auch die vier Journalisten, die die Suche begleiten. „Wir können es nie versprechen, aber ich glaube fest daran, dass wir sie finden werden“, erklärt Tomasz Czabański. An einem brütend heißen Julitag ist es so weit. Das Team von Pomost ist seit dem frühen Morgen vor Ort. Der Bagger hebt die oberen Erdschichten ab, dann beginnt die Handarbeit mit Spaten und Schaufel. Sobald die ersten Gebeine sichtbar werden, wechseln die Umbetter zu Spachteln, Pinseln und Bürsten. Dazwischen piepst die Metallsonde. Auch eine junge Frau arbeitet mit. Die Archäologiestudentin beschäftigt sich gewöhnlich mit Spuren und Artefakten der Vorgeschichte. Wie sie die Arbeit hier findet? Sie strahlt: „Sehr spannend. Und es ist so modern“. Ein Helfer sondiert den Erdaushub mit dem Metallsuchgerät. Kein Detail soll übersehen werden.
Stiefel, Schmerztabletten, Portemonnaie
Mehr als acht Stunden arbeitet die Suchmannschaft an der Grablage. Im Erdreich finden sie immer wieder Müll, der dort entsorgt wurde. Bis zum Abend bergen die Männer und die Archäologin 31 Tote und 20 vollständig erhaltene Erkennungsmarken. Viele der Toten tragen noch ihre Stiefel. Die Lage der Gebeine lässt darauf schließen, dass die Toten in die Grube geworfen wurden.
Die Umbetter finden ein Portemonnaie, das Schild einer Mütze, eine Schachtel Pyramidon, ein Schmerzmittel, das heute aufgrund seiner Nebenwirkungen nicht mehr verkauft wird. Aber sie stoßen auch auf Munitionskisten, eine Handgranate und Waffenreste, einen Gasmaskenbehälter und die typischen Knöpfe der Wehrmachtsuniformen.
Die Männer, das ergibt eine erste Analyse, starben vermutlich im Januar 1945. Landsberg war ein Verkehrsknotenpunkt der Reichsbahn. Züge aus den Ostgebieten kamen mit Flüchtlingen hier durch, aber auch Berliner flüchteten vor dem Bombenhagel Richtung Osten, wo sie sich mehr Sicherheit erhofften. Landsberg an der Warthe wurde am 30. Januar 1945 von der Roten Armee besetzt.
Bei der Exhumierung fällt Tomasz Czabański auf, dass etliche Schädel Einschusslöcher aufweisen. Auch die zahlreichen gebrochenen Schienbeine geben den Umbettern Rätsel auf. Die meisten Toten waren schon etwas älter, aber auch ganz junge Männer sind darunter. Die Erkennungsmarken weisen darauf hin, dass diese Toten bislang nicht identifiziert wurden. Der Volksbund und seine Helfer werden nun alles daransetzen, die Schicksale der Toten zu klären, ihre Identität zu finden und mögliche Angehörige zu informieren. Sie werden ein würdiges Grab finden – auf der Kriegsgräberstätte in Stare Czarnowo.
Text: Diane Tempel-Bornett
Wie findet der Volksbund eine Grablage?
Artur Berger, Bereichleiter im Umbettungsdienst erklärt im Video, mit welchen Hilfsmitteln der Volksbund eine Grablage ausfindig machen kann.
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