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Pressemeldungen

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Umbetter in Polen: Bundesverdienstkreuz für Tomasz Czabański

„Eine Auszeichnung für alle, die sich für Versöhnung und Verständigung einsetzen”

„Ihr Beitrag zur deutsch-polnischen Verständigung ist von unschätzbarem Wert”, sagte der Deutsche Botschafter Miguel Berger, bevor er Tomasz Czabański das Bundesverdienstkreuz ans Revers steckte. Seit 2004 exhumiert der Historiker deutsche Kriegstote. Inzwischen leitet er eine von zwei Partnerfirmen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. in Polen, die sich auf Umbettungen spezialisiert hat.

 

Tomasz Czabański ist ein Mann der leisen Töne. „Pomost“ – „Brücke“ – heißt die Firma, die er leitet, eine Forschungsstelle für Geschichte und Archäologie. Versöhnung und eine friedliche Zukunft sind seine großen Ziele.
 

Im Sinne deutscher Interessen gewirkt

„Herr Czabański hat sich in beispielgebender Art und Weise um die Belange der deutschen Kriegsgräberfürsorge, die deutsch-polnische Aussöhnung und Freundschaft verdient gemacht”, sagte Miguel Berger bei einer Feierstunde in der Deutschen Botschaft in  Warschau.

In Anbetracht der immer noch gebotenen besonderen Sensibilität im deutsch-polnischen Verhältnis habe Tomasz Czabański kontinuierlich über seine nominellen Dienstpflichten hinaus mit viel persönlichem Engagement vermittelt und somit auch im Sinne der deutschen Interessen gewirkt.
 

„Klarer Appell an uns alle”

„Ihr Engagement ist nicht nur ein Zeichen der persönlichen Hingabe und des Mutes, sondern auch ein klarer Appell an uns alle, die Vergangenheit zu bewahren, um die Zukunft gemeinsam zu gestalten”, so der Botschafter weiter. „Durch Ihre unermüdliche Arbeit haben Sie nicht nur Geschichte lebendig gemacht, sondern auch Brücken gebaut, die uns helfen, als Völker näher zusammenzurücken.” (Laudatio im Wortlaut)

Für den Volksbund dankte Vizepräsident Detlef Fritzsch dem Historiker dafür, dass er so vehement für die Sache des Volksbundes eintrete und dass er Versöhnung über den Gräbern im besten Wortsinn lebe. Bei einer Exhumierung habe er selbst erlebt, wie sehr der Umbetter für seine Aufgabe brenne.
 

Rund 24.000 Kriegstote geborgen

Damit spreche er auch im Namen von rund 24.000 Kriegstoten, die Tomasz Czabański und sein Team bisher geborgen haben, so Fritzsch weiter. Jedem Toten hätten sie damit seine Würde zurückgegeben und ein würdiges Grab möglich gemacht. „Der Volksbund ist stolz darauf, dass Sie für uns arbeiten.” 
 

Von den Familien und ihrer Trauer

„Das ist nicht nur eine Auszeichnung für mich persönlich“, hatte Tomasz Czabański vorab im Gespräch mit dem Volksbund betont. „Sie ist für alle, die mit mir zusammenarbeiten. Für alle, die sich für Versöhnung und Verständigung einsetzen.“

Was den 67-Jährigen und sein zehnköpfiges Team antreibt: „Jeden Tag sehen wir menschliche Überreste und in jedem Grab steckt eine andere Geschichte dahinter. Wir sehen diese Menschen und wir sehen auch ihre Familien und die Trauer, mit der sie zurechtkommen mussten.“
 

Begegnung mit Angehörigen

Das Wichtigste seien Fundstücke wie Erkennungsmarken oder Eheringe, die eine Identifizierung möglich machen. „Vielleicht gibt es noch Angehörige, die seit 80 Jahren auf diese Nachricht warten“, sagt Tomasz Czabański. „Wenn wir bei den Einbettungen Angehörige treffen, sehen wir, was das für ein großes Erlebnis für sie ist.“
 

„Deutsche sind unsere Freunde”

Obwohl auch in seiner Familie Angehörige als Soldaten starben, hieß es in Czabańskis christlichem Elternhaus in Posen wenige Jahre nach Kriegsende stets: „Deutsche sind unsere Freunde, nicht unsere Feinde.” Tomasz Czabański lernte Deutsch in der Schule und knüpfte früh enge Kontakte ins Nachbarland, in die DDR – vor allem über kirchliche Gruppen und Initiativen.

Zum Umbetter wurde der Historiker nach einem ehrenamtlichen Pflegeeinsatz auf deutschen Friedhöfen nahe der Grenze. Die Gruppe bekam während der Arbeit immer mehr Informationen von allen Seiten über Grablagen in der Gegend. 
 

Register öffnet Tür zum Volksbund

Sie legte ein Register an und Tomasz Czabański gab das an die Stiftung „Gedenken” in Warschau weiter. Die wiederum informierte den Volksbund. „2003 kam die Anfrage, ob wir nicht für den Volksbund arbeiten wollen”, erinnert er sich. „Ein Jahr später habe ich den Vertrag unterschrieben.”

Ihn freut besonders, dass auch junge Leute Interesse zeigen – am deutsch-polnischen Austausch, an ihrer eigenen Familiengeschichte, am Schicksal derer, die der Historiker und sein Team bergen und mit dem Volksbund zusammen würdig bestatten. 
 

Deutsch-polnische Kommission

Die Volksbund-Vertreter waren dankbar für die Möglichkeit, so zahlreich bei der Feierstunde dabei sein zu können: Am selben Tag kam die Deutsch-polnische Kommission in Warschau zusammen, die jährlich wechselnd in Deutschland und Polen Fragen der Kriegsgräberfürsorge bespricht. 

Für die nächste Ausgabe der FRIEDEN, die Anfang Oktober 2026 erscheint, planen wir ein Interview mit Tomasz Czabański. Heute gratulieren wir ihm von Herzen zur verdienten Auszeichnung!
 

Der Volksbund ist …

… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 5.500 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
 

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