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Budapest: Niedrigwasser der Donau gibt Kriegstote frei

Volksbund-Einsatz in Ungarn: Motorrad der Wehrmacht und zwei Soldaten geborgen – auch Schiffswracks tauchen auf

Der Fund eines Motorradwracks und sterblicher Überreste zweier deutscher Soldaten hat weltweit Beachtung ausgelöst. Dutzende Medien berichten seit Donnerstag über den spektakulären Fund. Zuvor hatte der niedrige Wasserstand der Donau dafür gesorgt, dass am Ufer in Budapest ein Motorrad aus dem Zweiten Weltkrieg aufgetaucht war. Gabor Kohlrusz, Umbetter beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., exhumierte anschließend zwei Soldaten. Am Montag werden die Funde in Budapest untersucht, der Volksbund berichtet fortlaufend.
 

Am 2. August wurde das Motorrad auf der Budaer Seite des ungarischen Parlaments – neben dem Hafen am Batthyány-Platz – entdeckt, vermutlich eine DKW NZ 350-1. Mitarbeiter des Instituts und Museums für Militärgeschichte, des ungarischen Volksbund-Partners, bargen das Wrack.
 

Im Hafenschlamm konserviert

Dabei fanden sie außerdem nicht nur zahlreiche deutsche Tellerminen 35, die damals gegen Panzer eingesetzt wurden, sondern auch menschliche Überreste. Unterstützt vom ungarischen Partner, exhumierte Gabor Kohlrusz am 3. und 4. August zwei Soldaten.

Mehr als 80 Jahre lang war das Flussbett der Donau ihr Grab. Der Hafenschlamm sei an dieser Stelle mit Gasöl vermischt, so der Umbetter. Diesem Erdölprodukt sei es zu verdanken, dass der Schlamm auch die Erkennungsmarken hervorragend konserviert habe, so dass Buchstaben und Zahlen sehr gut zu lesen seien.

 

Speziell für den Krieg entwickelt

Beide Erkennungsmarken sind vollständig. Normalerweise wurde im Todesfall eine Hälfte bei dem Soldaten belassen. Die andere Hälfte wurde nach Berlin geschickt, wo die Wehrmachtsauskunftstelle den Tod dokumentierte und die Angehörigen benachrichtigen ließ. Die Familien dieser beiden Toten warteten vergeblich auf offizielle Nachricht.

Kubanschild und Kanister

Außerdem fand Gabor Kohlrusz einen Ärmelschild Kuban, ein militärisches Ehrenabzeichen aus dem Zweiten Weltkrieg. Es wurde an Soldaten der Wehrmacht verliehen, die am Kuban-Brückenkopf im Kaukasus gekämpft hatten (s. Foto oben).

Die DKW-Modelle NZ 250 und NZ 350 galten unter Motorradfahrern damals als besonders robust und zuverlässig. Darum gab es ab 1944 eine speziell für den Einsatz im Krieg entwickelte Version: NZ 350-1.

Auch ein Benzinkanister zählt zu den Fundstücken auf dem freigelegten Grund der Donau. Bestattet werden die geborgenen Soldaten bei nächster Gelegenheit auf der Kriegsgräberstätte Budaörs vor den Toren der ungarischen Hauptstadt.
 

Einsatzort Schiffswrack 

Der Volksbund rechnet damit, dass wegen der extrem niedrigen Pegelstände auch Schiffswracks auftauchen, aus denen Kriegstote zu bergen sein könnten. Was dann passiert, schildert Arne Schrader, Leiter der Abteilung Kriegsgräberdienst und Internationale Beziehungen: „Zuständig sind immer erst die nationalen Experten – in Ungarn ist das unser bewährter Partner, das Institut und Museum für Militärgeschichte, das an das Verteidigungsministerium angegliedert ist. Wenn sie feststellen, dass es sich um deutsche Kriegstote handelt, verständigen sie uns.”

Dann sei zu klären, ob das kleine Volksbund-Team um Gabor Kohlrusz die Aufgabe bewältigen kann oder ob Unterstützung nötig ist. Wenn das der Fall sein sollte, werde der Volksbund auf die freiwilligen Umbetter zurückgreifen, die er in den vergangenen Jahren ausgebildet hat. Möglich gemacht hatte das die Eva Mayr-Stihl Stiftung mit großzügiger Unterstützung. „Übrigens haben wir auch die Umbetter des ungarischen Verteidigungsministeriums ausgebildet”, ergänzt Arne Schrader.
 

Weg zur Identifizierung

Welche Schritte jetzt folgen, damit die Toten – wenn möglich – identifiziert werden, lesen Sie hier:
Wehrmachtsmotorrad und die Toten aus der Donau: Wer waren sie?
 

Einladung und Auszeichnung

Wie eng die Zusammenarbeit ist, zeigt sich auch im November: Die Leitung des Instituts und Museums für Militärgeschichte wird bei der zentralen Gedenkstunde am Volkstrauertag in Berlin dabei sein. Und auch die Arbeit im Hintergrund wird gewürdigt, zum Beispiel die von Tanja Stenzel.

Als Abteilungssekretärin bei Arne Schrader ist sie eng in die Arbeit des Kriegsgräberdienstes eingebunden. Am 18. August zeichnet sie Ungarns Verteidigungsminister Romulusz Ruszin-Szendi in Budapest in feierlichem Rahmen aus – als Dank für ihre langjährige Unterstützung der deutsch-ungarischen Zusammenarbeit bei der Kriegsgräberfürsorge. 
 

Der Volksbund ist …

… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 5.500 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
 

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