Spaten, Bürste und schwarze Stifte sind die wichtigsten Utensilien bei einem Pflegeeinsatz auf dem kommunalen Friedhof Musninkai. (© Bundeswehr / Sophie Böhlecke)
NATO-Soldaten in Litauen pflegen Gräber des Ersten Weltkrieges
Deutsche und Kroaten sorgen gemeinsam dafür, dass die Erinnerung an Soldaten und Widerstandskämpfer nicht verblasst
Nach Musninkai, in ein kleines Dorf in Litauen, schauen wir beim zweiten Teil unser Serie zu Pflegeeinsätzen in diesem Jahr. Dort kümmerten sich deutsche und kroatische Soldaten um Gräber aus dem Ersten Weltkrieg – freiwilliges Engagement am Rande eines NATO-Einsatzes, begleitet vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.
Musninkai liegt etwa auf der Hälfte zwischen der Hauptstadt Vilnius und Rukla, wo die Multinational Battlegroup der NATO (MNBG) stationiert ist. Steinkreuze dicht über dem Boden und Einzelgräber erinnern auf dem kommunalen Friedhof an 92 deutsche und 26 russische Soldaten sowie an drei Angehörige des litauischen Widerstandes.
Holzkreuz gestiftet und eingeweiht
2023 hatten Bundeswehr-Soldaten im Auslandseinsatz diese Kriegsgräberstätte entdeckt und in mühevoller Arbeit hergerichtet. Daraufhin hatte die Gemeinde ein Holzkreuz gestiftet und es gemeinsam mit Volksbund- und Bundeswehrvertretern und Angehörigen der litauischen Streitkräfte eingeweiht.
Dass das deutsche Kontingent in Rukla diese Anlage seitdem im Blick behält, ist vor allem Oberstleutnant Jan-Helge zu verdanken. Er organisierte den Pflegeeinsatz in diesem Jahr mit 20 deutschen und sechs kroatischen Soldaten. Sie legten die Steinkreuze frei, die zum Teil eingesunken waren, schrubbten sie mit Bürsten ab und zogen die Inschriften nach. Auch die Gräber der Widerstandskämpfer sind wieder hergerichtet.
Lob für effektive Zusammenarbeit
Militärpfarrer Dr. Mark Pockrandt gestaltete eine Gedenkstunde zum Abschluss. Gemeinsam mit dem litauischen Pfarrer in Musninkai hatte er die Genehmigung der Behörden und der Geistlichkeit erwirkt. Der Volksbund unterstützte und begleitete den Einsatz. Oberstleutnant Jan-Helge nannte ihn „ein hervorragendes Beispiel für die intensivierte und effektive Zusammenarbeit” der Bundeswehr-Brigade im NATO-Kontingent mit dem Volksbund. Einsätze wie dieser vermittelten auch in der litauischen Bevölkerung ein positives Bild.
Aktuell bereiten der Volksbund und Verantwortliche des deutschen Kontingents der Multinational Battlegroup eine Patenschaft für Kriegsgräberpflege in Litauen vor, um dem freiwilligen Engagement einen festen Rahmen zu geben.
Mehr zur Instandsetzung des Gräberfelds 2023 lesen Sie hier: Gedenken in Musninkai: Friedhof von deutschen Soldaten hergerichtet
Der Volksbund ist ...
… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 5.500 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
