Cuacos de Yuste, die einzige deutsche Kriegsgräberstätte in Spanien: Pamela Preusche (rechts) vertrat die deutsche Botschafterin, drei Geistliche gestalten gemeinsam einen Gottesdienst. (© Deutsche Botschaft Madrid)
Volkstrauertag im Ausland: von Tallinn über Lommel bis Wien
Militärattachéstäbe organisieren vielfaches Gedenken oft in internationalem Rahmen
Fünf schwarze Kreuze auf weißem Band, frische Blumen und Tannengrün – auf mehreren Kontinenten sorgten am Volkstrauertag die deutschen Botschaften mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. dafür, dass die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in Erinnerung bleiben. Dieses oft internationale Gedenken ist vor allem den Militärattachéstäben zu verdanken. Eine Sammlung mit Eindrücken von Kriegsgräberstätten, die wir nach und nach erweitern.
Lommel in Belgien
In Lommel – mit fast 40.000 Toten der größte deutsche Friedhof in Westeuropa – hielt der französische Botschafter in Belgien, Xavier Lapeyre de Cabanes, die Gedenkrede. Die mehr als 200 Gäste hatte Tore May als Vertreter des Volksbund-Vorstands begrüßt.
Botschafter spricht Totengedenken
May betonte, wie wichtig sowohl die grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bei der Kriegsgräberpflege als auch die Unterstützung des Auswärtigen Amts für den Volksbund sei. Martin Kotthaus, deutsche Botschafter in Belgien, rief zu kontinuierlichem Engagement für Versöhnung und Völkerverständigung auf und sprach das Totengedenken.
Ysselsteyn, Niederlande
Auf der einzigen deutschen Kriegsgräberstätte in den Niederlanden begrüßte der deutsche Botschafter Dr. Nikolaus Meyer-Landrut unter anderem den Finanzminister Nordrhein-Westfalens, Dr. Marcus Optendrenk, den Roermonder Weihbischof Everard de Jong, den Bürgermeister der Gemeinde Venray Michiel Uitdehaag und den niederländischen Militärrabbiner David Gaillard.
Auf Niederländisch sagte der Botschafter: „Lassen Sie uns gemeinsam in Stille gedenken – mit offenen Augen und offenen Herzen, für ein Europa in Frieden, Respekt und Menschlichkeit.” Der Militärrabbiner warnte vor gesellschaftlicher Instabilität wie in den 1930er Jahren und plädierte für „eine Suche nach dem Guten, dem Schönen und dem Wahren in den Ursprüngen unserer europäischen Zivilisation”. Jugendliche aus beiden Ländern trugen Friedensbotschaften vor (mehr lesen).
Algier, Nordafrika
In der algerischen Hauptstadt ist ein gemeinsamer Soldatenfriedhof für die Toten Großbritanniens, Serbiens und Deutschlands angelegt. Am Britischen Remembrance Day ist die britische Botschaft traditionell Hauptgastgeber.
Das Erinnern am 9. November begann am serbischen Gräberfeld, wurde an den deutschen Gräbern fortgesetzt und endete am britischen Gräberfeld mit der Hauptgedenkfeier. Vertreter Deutschlands waren unter anderen Botschafter Georg Felsheim und Verteidigungsattaché Oberstleutnant i. G. Kai-Uwe Bier.
Tunis, Nordafrika
Rund 110 Gäste, unter ihnen 15 Botschafterinnen und Botschafter, gedachten der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in Bordj Cedria. Geladen waren unter anderem hochrangige Vertreter Tunesiens, die vor Ort ansässigen politischen Stiftungen und Mittlerorganisationen und die deutsche Gemeinde in Tunesien.
Die deutsche Botschafterin Elisabeth Wolbers hielt die Gedenkrede. Ein Ehren- und Musikzug mit Trompeter der tunesischen Streitkräfte begleiteten das Gedenken. In Bordj Cedria sind mehr als 8.500 Tote bestattet, unter ihnen auch österreichische Soldaten, die während des Zweiten Weltkrieges in der Wehrmacht gedient hatten.
Moskau, Russland
In Moskau versammelten sich Vertreter der Militärstäbe zahlreicher Botschaften, Mitarbeiter des Volksbundes, geladene Gäste und eine Gruppe der Deutschen Schule auf dem Kriegsgefangenenfriedhof im Stadtteil Lublino. Nach der Kranzniederlegung am Obelisk erklärte der deutsche Botschafter Alexander Graf Lambsdorff, dass die Erinnerung an das von Deutschen im Zweiten Weltkriegs begangene Unrecht auch in Lublino präsent sei. Deutschland stehe zu seiner Geschichte und habe daraus Schlüsse gezogen.
Hermann Krause, Leiter des Moskauer Volksbund-Büros, betonte, dass dieser Friedhof die ganze Tragweite des Krieges widerspiegele. Junge Männer aus zehn Nationen seien dort begraben: neben Deutschen auch Ungarn und Rumänien, Polen und Franzosen. Mit Blick auf die fortdauernde Arbeit der Umbetter in Russland sagte er: „Die Gefallenen sind immer noch so etwas für eine Brücke zwischen dem russischen und dem deutschen Volk. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass diese Brücke bestehen bleibt. Jenseits der Politik sind es die Völker, die in Frieden und Freundschaft miteinander leben wollen.“
Budaörs, Ungarn
Die Gebeine von 65 deutschen Soldaten bettet der Volksbund im Rahmen des Volkstrauertags-Gedenkens auf der Kriegsgräberstätte Budaörs bei Budapest ein. 135 Gäste waren der Einladung von Volksbund und Deutscher Botschaft gefolgt, darunter Vertreter des ungarisches Verteidigungsministerium, der Streitkräfte und des Reservistenverbands, des Militärattaché-Korps, von Traditionspflege-Organisationen und der Stadt Budaörs.
21 Kränze waren Symbole des Gedenkens. Die Rede hielt Botschafterin Julia Gross. Oberst a. D. Imre Kovács, Volksbund-Länderbeauftragter in Ungarn, unterstrich die Bedeutung der Pflege deutscher Kriegsgräber.
Oslo, Norwegen
In Oslo rückten zwei Orte am Volkstrauertag in den Vordergrund: das Gräberfeld mit deutschen Kriegstoten auf dem kommunalen Friedhof Oslo-Alfaset und das von den Nationalsozialisten errichtete Straflager Grini.
Die Garde der Veteranen in Uniform und die Musiker der Königlichen Garde gestalteten das Gedenken der Deutschen Botschaft mit. Schüler der Deutsch-Norwegischen Schule Oslo lasen in Grini unter anderem einen selbstgeschriebenen Text vor.
Cuacos de Yuste, Spanien
Auf der einzigen deutschen Kriegsgräberstätte in Spanien, in Cuacos de Yuste, kamen knapp 80 Personen zusammen, unter ihnen viele spanische Soldatinnen und Soldaten sowie Vertreter und Bürger der örtlichen Gemeinden. Pamela Preusche vertrat die deutsche Botschafterin.
Der Gedenkgottesdienst hielten der evangelische Militärpfarrer Claus Richter, der Pfarrer der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Madrid, Lars Pferdehirt, sowie der Priester der Klosters Yuste, Cristobal Kielczyk, gemeinsam. Ein Trompeter des Ausbildungsmusikkorps sorgte für den musikalischen Rahmen. Gottesdienst und Reden waren zweisprachig zu hören.
Glencree, Irland
In Irland fand das jährliche Gedenken bei herbstlichem Wetter auf der Kriegsgräberstätte Glencree statt. Die Deutsche Botschaft in Irland hatte gemeinsam mit dem „Glencree Centre for Peace and Reconciliation“, der Lutherischen Kirche in Irland und der St. Kevin’s Church zu der Veranstaltung am Volkstrauertag eingeladen.
Unter den Anwesenden waren der Deutsche Botschafter S.E. David Gill, der Belgische Botschafter S.E. Nicolas Nihon und die Bulgarische Botschafterin S.E. Vanya Andreeva-Malakova.
Deutsche Friedhöfe in 45 Ländern
Von Australien und Indonesien über Europa bis in die USA – in 45 Ländern weltweit sind deutsche Kriegsgräber angelegt und in Obhut des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V..
Informationen zu den meisten von ihnen finden Sie hier: Kriegsgräberstätten – Bau, Pflege und Instandsetzung | Volksbund.de
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Der Volksbund ist …
.… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 10.000 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich rund 38.000 junge Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
