Übergabe der Roten Handabdrücke im Thüringer Landtag

20. November 2017

Das Jugendrotkreuz Thüringen und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. haben im Jahr 2017 in Kooperation ein Projekt zur „Aktion Rote Hand“ durchgeführt. In Gruppenstunden des Jugendrotkreuzes, in Workshops an Schulen und zu großen Öffentlichkeitsveranstaltungen wurden die Teilnehmenden über die erschreckende Situation der Kindersoldaten weltweit informiert und sensibilisiert. Es gibt nach wie vor über 250.000 Kindersoldaten in mindestens 20 Staaten weltweit. Eine genaue Zahl lässt sich nicht benennen, da sie oft schwer nachzuweisen sind. Rebellenorganisationen und Regierungsarmeen setzen Kinder als Soldaten häufig im Geheimen ein. Wir fordern den Stopp des Einsatzes von Kindersoldaten und wollen dafür gemeinsam ein Zeichen setzen.


Die Rede von Tim-Benedikt Attow, Sprecher des Jugendarbeitskreises Thüringen im Thüringer Landtag:


Liebe Schülerinnen und Schüler, sehr geehrte Frau Staatssekretärin Winter und sehr geehrte Frau Alterspräsidentin Holzapfel. Mein Name ist Tim-Benedikt Attow, ich bin 18 Jahre alt und habe dieses Jahr mein Abitur geschafft. Seit dem 01.09.2017 absolviere ich mein FSJ beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und vertrete darüber hinaus ehrenamtlich die Thüringer Volksbundjugend als ihr Sprecher.
Vor 28 Jahren auf den Tag genau verabschiedeten 196 Länder die UN-Kinderrechtskonventionen. Damit traten dieser Übereinkunft alle Länder der Welt bei, auch all jene die nicht der UNO angehörig sind. Eine Premiere in der Menschheitsgeschichte!
Zum ersten Mal einigte sich die ganze Welt zusammen bei einem Thema auf einen Konsens. Aber nicht nur das ist so denkwürdig an diesem Ereignis. Denn mit ihr wurden für alle Kinder der Welt in 54 Artikeln verbindliche Rechte beschlossen, zu deren Umsetzung sich die Staaten der Welt verpflichteten. Neben Rechten wie das auf Freizeit, auf Bildung, oder auf einen eigenen Namen findet sich auch der Artikel 38 wieder. Dieser beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Kindern zum Krieg. In vier Absätzen verpflichten sich die Staaten, Kinder unter 15 Jahren vor kriegerischen Handlungen zu beschützen und sie nicht als Soldaten einzusetzen.
Trotz dieser Vereinbarungen gab es 1996 noch 300.000 Kindersoldaten weltweit. Und diese Zahl schrumpft viel zu langsam. Denn in den letzten 20 Jahren ging die Anzahl der betroffenen Kinder lediglich um 50.000 zurück. Natürlich sind 16% nicht gerade wenig. Doch wie kann es sein, dass obwohl alle Länder der Welt die Konventionen unterzeichnet haben, immer noch mindestens 8 Staaten Kinder in ihren Armeen einsetzen, ganz zu schweigen von den 50 bewaffneten Gruppen weltweit?
Die Antworten darauf sind vielfältig: Armut, Hunger, das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Geborgenheit und fehlende politische Motivation.
Doch für uns sind diese Länder weit weg in denen die Kinder kämpfen müssen. Libyen oder der Nahe Osten als die am nächsten gelegen, sind nicht gerade ein Katzensprung. Ganz zu schweigen von Zentralafrika oder dem Hindukusch. Da ist „unser Herz weit. Doch unsere Möglichkeiten endlich“, um meinen Eindruck mit den Worten von Joachim Gauck widerzuspiegeln.
Was wir aber tun können, ist die Schülerinnen und Schüler vor Ort, hier in Thüringen, zu sensibilisieren und gemeinsam mit der Aktion „Rote Hand“ ein Zeichen setzen. Für mich ist jede dieser über 6000 Handabdrücke, die wir dieses Jahr sammelten, ein erreichter Schüler, eine erreichte Schülerin. Wieder ein Mensch mehr, der jetzt über dieses Thema, zumindestens in den Grundzügen, Bescheid weiß. Und vielleicht erwächst daraus das Interesse, sich zum Beispiel beim Jugendrotkreuz einzubringen und eines Tages selbst in einem afrikanischen Land ehemalige Kindersoldaten zu betreuen.
Da stellt sich natürlich die Frage, wie wir als Volksbund in diese Aktion reinpassen. Denn im Gegensatz zum Deutschen Roten Kreuz sind wir nicht die Ansprechpartner*innen vor Ort in den Krisengebieten und auch nicht diejenigen, die die ehemaligen Kindersoldaten, denen eine Flucht nach Deutschland geglückt ist, betreuen.
Aber, und da sind wir wohl in Deutschland einzigartig, „besitzen“ wir, um einmal Albert Schweitzer zu zitieren, die „großen Prediger des Friedens“, die Soldatengräber. Gestern, zum Volkstrauertag wird man wieder in vielen Orten deutschlandweit festgestellt haben, dass viele der Toten unter 18 Jahren gestorben sind oder noch Kinder waren, die an der sogenannten „Heimatfront“ durch Bombardierungen starben. Aber nicht nur auf den Kriegsgräberstätten in Deutschland liegen viele, die jung an den Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft gestorben sind. So auch Herman Dänner, der mit 17 Jahren an der Westfront 1945 gefallen ist und heute in Belgien beerdigt liegt.
Eine persönliche Bindung habe ich zu dem Thema über meinen Großonkel Heinz Janetschke. Dieser starb 1945 wenige Tage vor seinem 18. Geburtstag in der Nähe von Wroclaw, dem früheren Breslau in Polen, wo er auch noch heute beerdigt liegt. Dadurch hat für mich diese ganze Aktion und alle Workshops, die ich zusammen mit unserem Bildungsreferenten Sebastian Fehnl durchführte habe, eine ganz besondere Bedeutung. Denn ich, der dieses Jahr selber erst 18. Jahre alt geworden bin, verstehe so viel besser das Glück im Frieden aufzuwachsen und Leben zu dürfen, anstatt in alter Ausrüstung mit wenig Munition im Magazin in einen aussichtslosen Kampf geschickt zu werden. Aber auch, dass Frieden nicht selbstverständlich ist und man jeden Tag dafür kämpfen und sich einsetzen muss.
Deswegen freue ich mich sehr, dass wir heute hier in der Herzkammer der Thüringer Demokratie ein Zeichen des Friedens an die Politik überreichen dürfen.
Sehr geehrte Frau Winter, sehr geehrte Frau Holzapfel. Nehmen Sie diese roten Handabdrücke mit und investieren Sie Ihre politische Schaffenskraft, um für eine Welt ohne Kindersoldaten zu kämpfen! Setzen Sie sich ein, dass aus dem angesprochenen Rückgang von 16% einer von 100% wird. Handeln Sie im Interesse all jener, die bereits gefallen sind und denen, die jeden Tag noch sterben.
Helfen Sie mit, diesen, im doppelten Sinne, roten Faden der Geschichte zu unterbrechen!
Vielen Dank!

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Spendentelefon: 0561 700 90

Spendenkonto

IBAN:
DE23520400210322299900

BIC: COBADEFFXXX

Commerzbank Kassel