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Der Serbe von Königsbrück

Serbisches Denkmal auf dem ehemaligen Kriegsgefangenenfriedhof Schmorkau-Königsbrück nach 103 Jahren wieder eingeweiht

Der Ort wirkt im Licht des Spätsommertages romantisch, fast verwunschen, doch seine Geschichte ist es nicht. Sie ist sogar düster. In Schmorkau, rund 30 Kilometer östlich von Dresden waren während des Ersten Weltkrieges rund 15.000 Kriegsgefangene in einem Lager untergebracht. Auch im Zweiten Weltkrieg wurden dort Kriegsgefangene interniert, doch über sie und ihr Schicksal ist wenig bekannt. 1949 übergab die Rote Armee, die zwischenzeitlich zuständig war, das Areal an die Stadt Königsbrück. Die Stadt verfügte nur über wenig Geld, um den Friedhof zu erhalten.

Wie es nun dazu kam, dass sich am 1. September 2021, zum Weltfriedenstag, viele Menschen, fast alle festlich gekleidet, teils auch in Uniform um das Ehrenmal versammelten, ist eine ganz besondere Geschichte mit vielen Facetten.
 

Die Hauptperson dieses Tages ist aus Sandstein geformt: die Figur des „Verwundeten Serben“ wurde von Edmond Delphaut, einem französischen Kriegsgefangenen und Bildhauer geschaffen. Bereits 1915 und 1916 waren Gedenksteine für die französischen und russischen Gefangenen, die in Königsbrück verstorben waren, errichtet worden. Doch dieses Ehrenmal sticht hervor. Edmond Delphaut hatte Skizzen und kleine Plastiken von serbischen Soldaten angefertigt. Deshalb erscheint die Figur so lebensecht. Das Denkmal war am 4. September 1918 das erste Mal feierlich eingeweiht worden.

Die Bürgermeisterin von Königsbrück, Grit Truxa-Richter, erinnert sich an ihre erste Begegnung mit der Figur des Serben. „Ohne zu ahnen, was mich in der Zukunft erwarten würde, wusste ich, dass dieser Mann und ich eine tiefe Bindung eingehen würden.“ Nun möchte sie als Bürgermeisterin den Friedhof nicht nur würdig erhalten, sondern die Kriegsgefangenenfriedhöfe zu einer Begegnungsstätte weiterentwickeln.

 

Akribische Archivarbeit 

Andrea Dombois, Landesvorsitzende des Volksbundes in Sachsen dankte den engagierten Menschen und den kooperierenden Organisationen, die dazu beigetragen haben, dass dieser Friedhof, auf dem Tote aus sieben Nationen und zwei Weltkriegen beigesetzt sind, heute wieder eine Stätte der Ruhe, der Besinnung und des Gedenkens werden konnte. Das sind neben etlichen anderen auch die I. Inspektion der Offiziersschule des Deutschen Heeres, der Volksbund, insbesondere der Landesverband Sachsen, und zahlreiche Engagierte vor Ort, so Ralph-Klaus Winkler, der durch akribische Archivarbeit die Biografien der bestatteten Serben zusammengetragen hatte.

Der sächsische Landtagspräsident, Dr. Matthias Rößler, betonte, dass dieser Ort uns heute das Schicksal vieler hunderter Menschen vor Augen führe und dass das serbische Denkmal die Würde des Sterbenden bekunde. Hier werde deutlich, warum die Haager Landkriegsordnung ersonnen wurde… Sorge für deinen Feind so, wie du es auch für deinen Freund tun würdest…

Milica Topalovic, die serbische Botschaftsrätin erinnerte sich daran, dass sie sich vor zwei Jahren an den Volksbund gewandt hatte und darum gebeten, die verblasste Inschrift auf dem Sockel zu restaurieren. Sie hätte nicht zu hoffen gewagt, dass es zu solch einer wunderbaren Zeremonie kommen würde und sie versprach, dass die Serbische Botschaft dies bei ihren jährlichen Besuchen am 11. November zu würdigen wissen werde…

Denkmal fordert Versöhnung 

Dirk Backen, Generalsekretär des Volksbundes erklärte, warum ihn das Denkmal so besonders berühre: „Kein junger Kerl, eher ein Familienvater, der an Frau und Kinder denkt, die er nie mehr wiedersehen wird… Da liegt nicht ein ehemaliger Feind, sondern da liegt ein Kamerad, mit dem ich mitfühlen kann…. Kaum ein Denkmal drückt für mich so sehr das Gebot der Versöhnung aus, wie dieses.“  Er beschrieb eine weitere Besonderheit des Ortes: Der anständige Umgang der Lagerverwaltung mit den Insassen – und der Kriegsgefangenen untereinander. Inschriften und Fotos, aber auch gerade das Denkmal zeugen davon.

Abschließend verlieh der Generalsekretär in Richtung der serbischen Botschaftsrätin seiner Hoffnung Nachdruck, dass bald serbische und deutsche Soldaten gemeinsam die Kriegsgräberstätten pflegen würden. Dazu wäre die Ratifizierung des deutsch-serbischen Kriegsgräberabkommens notwendig. Diese ermögliche eine gute Zusammenarbeit und mache aus Friedenhöfen Orte der gemeinsamen Erinnerung.  Die würdige Veranstaltung wurde musikalisch begleitet durch ein Blechbläserquintett des Stabsmusikkorps der Bundeswehr, das die Nationalhymnen, eine serbische Weise und das Lied vom „Guten Kameraden“ intonierte….

Doch endete die Feier nicht mit dem letzten Musikstück, sondern  wurde in vielen lebhaften Gesprächen der Teilnehmerinnen und Teilnehmern fortgesetzt. Und auch hier wurde die Hoffnung deutlich, dass der kleine Gedenkort nicht nur ein romantischer Ort der Besinnung bleibe, sondern der Ausgangspunkt für etwas Größeres werde.

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