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Kriegsgräberpflegeeinsatz in der Ukraine

 
 
Bundeswehrsoldaten arbeiten in Lviv und Sambor

Zwölf Bundeswehrsoldaten und -Beamte aus Daun in der Eifel leisteten einen wichtigen Kriegsgräberpflegeeinsatz in der Ukraine. Im Mittelpunkt der Arbeit stand dabei die Pflege der deutschen Kriegsgräberstätten in Lviv (Lemberg) und Sambor.

Dabei handelt es sich um Kriegsgefangenenfriedhöfe in der Westukraine, auf denen überwiegend deutsche Soldaten begraben sind, die während sowjetischer Kriegsgefangenschaft im Zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren. Der Volksbund nimmt an, dass auf dem Gebiet der Ukraine im Zweiten Weltkrieg mehr als 400 000 deutsche Soldaten ums Leben kamen. Die Verluste im Ersten Weltkrieg sind unbekannt. Eine Arbeit des Volksbundes in der Ukraine war lange Zeit nicht möglich. Erst 1994 wurde mit der deutsch-ukrainischen Erklärung die erste Grundlage für die Kriegsgräberfürsorge geschaffen. Das Kriegsgräberabkommen wurde am 29. Mai 1996 unterzeichnet.

Die zwölf Freiwilligen aus Daun erledigten die dort dringend anstehenden Arbeiten in Zusammenarbeit mit dem Volksbund. Der VDK ist eine humanitäre Organisation, die im Auftrag der Bundesregierung die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland erfasst, erhält und pflegt.

Wir machen den Weg frei

Dem Kriegsgräbereinsatz einer Abordnung von Soldaten und Beamten aus Daun, ist eine einwöchige Koordinierungsreise von OTL a.D. Hans-Joachim Senholdt, VDK-Beauftragter für die Bundeswehr in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, Hptm Leonhardt (Kommandoführer) und OLt Buchmiller (Sprachmittler) in die Ukraine Anfang Juni dieses Jahres vorausgegangen. Dabei wurden der geplante Aufenthalt deutscher Delegation und die anstehenden Arbeiten in Lemberg (in der Landessprache Lviv) und Sambor mit den lokalen Verantwortlichen einer Partnerfirma des VDK in der Westukraine, mit den offiziellen Vertretern der Stadt und des Verwaltungsgebietes Lemberg sowie der Lemberger Militärakademie abgestimmt. Während die Militärakademie die Unterkunft, die Verpflegung und den Transport sicherstellte, versorgte die lokale Partnerfirma des VDK die deutsche Delegation mit dem notwendigen Material und Gerät.
Der Weg für den ersten derartigen Einsatz des VDK in der Westukraine war somit frei, so dass die Abordnung der Bundeswehr, bestehend aus insgesamt 12 Teilnehmern, am 31.08.2009 von Daun über Dortmund-Flughafen nach Lemberg verlegte.

Der erste Arbeitseinsatz fand in der Stadt Sambor statt, die ca. 70 km südlich Lemberg liegt. In Sambor empfing uns Herr Jurij Kmitj, der örtliche Vertreter des VDK und für die Pflege der dortigen Kriegsgräberstätte verantwortlich. Er leitete und betreute die Arbeiten vor Ort sowie fungierte nebenbei noch als Reiseleiter. Eine gute Wahl, denn sein Wissen über die Geschichte der Stadt Sambor ist sehr ausgeprägt und fundiert. Er führte die Gruppe zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der geschichtlich sehr interessanten Stadt.
Der Kriegsgefangenenfriedhof Sambor des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers 275 befindet sich auf dem städtischen Zivilfriedhof. Hier ruhen insgesamt 672 Kriegstote. Der Friedhof ist mit vier Symbolkreuzgruppen und einem Hochkreuz aus Basalt versehen.

Die Hauptaufgabe in Sambor war es, den Friedhofszaun zu streichen. Da die Mitglieder der Arbeitsgruppe zum Teil bereits Erfahrungen bei anderen Kriegsgräbereinsätzen gesammelt haben, war diese Tätigkeit keine große Herausforderung. Nach dem Entfernen von Roststellen wurde der Zaun grundiert und am nächsten Tag mit schwarzer Farbe gestrichen. Der Zaun des direkt an die Kriegsgräberstätte anliegenden kleinen Friedhofs für die Opfer des NKWD, eine Abteilung des damaligen sowjetischen Innenministeriums, wurde als Zeichen der Freundschaft und Verbundenheit ebenfalls neu gestrichen. In diesem Massengrab haben 116 Opfer des NKWD ihre letzte Ruhe gefunden.

Ein wichtiger Aspekt des Einsatzes in Sambor war die Pressearbeit. Journalisten und Vertreter der lokalen Presse waren vor Ort und interessierten sich für das nicht alltägliche Ereignis. Der Kommandoführer Hauptmann Leonhardt beantwortete ihre Fragen. Die Gespräche verliefen in einer freundlichen und entspannten Atmosphäre.

Viele Hände, schnelles Arbeitsende

Nach Sambor stand dann der Schwerpunkt des Arbeitseinsatzes, der Kriegsgefangenenfriedhof Samarstynew, auf dem Programm. Dieser liegt auf einem Hügel hinter dem Sportplatz einer Realschule am Stadtrand von Lemberg. Hier ruhen 350 Kriegstote. In Lemberg wartete auf uns bereits Herr Wladimir Motyka, Inhaber einer Partnerfirma, die im Auftrag des Volksbundes u. a. für die Kriegsgräberpflege im Verwaltungsgebiet Lemberg zuständig ist. Die Werkzeuge und Hilfsmittel wurden schnell aus dem Transporter abgeladen und an die Gruppe verteilt. Der Arbeitsaufwand auf Samarstynew war erheblich größer als in Sambor. Hier musste nicht nur der Zaun gereinigt und gestrichen, sondern auch die Einzelgräber (Grabkissen aus Beton) freigelegt und u. a. von Gras und Moos befreit werden. Herr Motyka ging mit einem guten Beispiel voran und führte die wichtigsten Tätigkeiten vor.

Am Wochenende haben die Betreuer der Lemberger Akademie eine Rundfahrt zu den Schlössern in Zolochiv, Pidhirtsy und Olesko in der Umgebung von Lemberg angeboten.
Am Sonntag stand eine Stadtführung in Lemberg auf dem Programm. Die Besichtigungstour und der Stadtrundgang am Wochenende zählten zweifelsfrei zu den Höhepunkten dieses Arbeitseinsatzes in der Ukraine. Auch die herzliche Aufnahme durch alle Vertreter auf der ukrainischen Seite hat zu einem positiven Ergebnis dieses Arbeitseinsatzes geführt.

Einblicke in Kultur und Lebensart

„Neben der Pflege der Kriegsgräberstätten", so der Kommandoführer, Hauptmann Leonhardt, „stellte vor allem auch der internationale Austausch mit Soldaten der ukrainischen Armee, getreu dem Motto des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ,Versöhnung über den Gräbern', einen wichtigen Aspekt des Aufenthaltes in der Ukraine dar". Bei aller Arbeit blieb den deutschen Teilnehmern dabei auch Zeit, interessante Einblicke in die ukrainische Kultur und die Lebensart der Ukrainer zu gewinnen.

Nach Abschluss der Arbeiten endete der Arbeitseinsatz am 11.09.2009 mit einer bewegenden Gedenkfeier auf dem Kriegsgefangenenfriedhof Samarstynew, an dem auch zahlreiche offizielle Gäste, u. a. die Abgesandte des Deutschen Botschafters in der Ukraine Frau Schütz, der Deutsche Militärattache Herr Oberst von Seydlitz, der stellvertretende Gouverneur des Verwaltungsgebietes Lemberg Herr Derschko, der Vertreter der Stadt Lemberg Herr Pankewitscht sowie der Vertreter des Volksbundes in der Ukraine Herr Schrader teilnahmen.
Auch Vertreter der Militärakademie nahmen an dieser Gedenkfeier teil. Als besondere Geste der Verbundenheit stellte die Akademie ihr gesamtes Orchester für diese Veranstaltung zur Verfügung, welches für die würdige musikalische Umrahmung sorgte. Zudem zelebrierten zwei Militärgeistliche der Akademie eine kurze Messe in ukrainischer Sprache.

Verfasser dieses Presseartikels:
ROS Pietzka
Hptm Leonhardt
OLt Buchmiller

Fotos wurden bereit gestellt von:
ROS Pietzka
StFw Mathey


 
 
 
 
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