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Das Leben von Frauen im Krieg

Lea Ableitner und Luise Jacob über ihren Podcast „Women at war“
Ein Artikel von Katrin Kronitz-Pehl

„Es ist mir immer noch unbegreiflich, dass Frauen in Kriegen häufig zum Objekt gemacht werden“, so Luise Jacob über ihren Podcast. Gemeinsam mit Lea Ableitner (20) leistet die 18-Jährige einen Freiwilligendienst im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps in der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte „Huis Over Grenzen“ am deutschen Soldatenfriedhof im belgischen Lommel.

Für Lea und Luise war klar, dass sie nach dem Abitur ins Ausland wollten. Beide beschreiben ihr Freiwilligenjahr als „glücklichen Zufall“. Im Februar 2022 veröffentlichten sie nach einiger Recherche und Vorarbeit den Podcast „Women at war“.

Ein Interview

Liebe Lea, liebe Luise, es gibt viele Möglichkeiten für ein Freiwilligenjahr.
Wie seid ihr gerade in Lommel gelandet?

Luise: Ich hatte mich bei einer Entsendeorganisation beworben und aufgrund der Corona-Situation war dann nur ein Auslandsjahr in Europa möglich. Mein Interesse lag schon immer auf Geschichte und Politik, sodass mir dann Lommel als Einsatzort vorgeschlagen wurde. Ich habe die Stellenausschreibung gelesen und das „Huis Over Grenzen“ hat mir gleich zugesagt. Ich hatte vorher noch nie etwas vom Volksbund gehört und wusste wenig von seiner Jugendarbeit. Es war ein glücklicher Zufall.

Lea: Bei mir lief es ähnlich. Ich hatte schon ein Jahr nach dem Abitur gearbeitet. Durch Corona hatte sich vieles geändert und ich wollte vor dem Studium noch ein Jahr ins Ausland, aber nicht so das „typische Auslandsjahr“ machen. Ich war dann bei der gleichen Organisation wie Luise und da ich mich auch für Geschichte interessiert habe, habe ich mich in Lommel beworben und bin damit auch sehr zufrieden.

Nun habt ihr den Podcast „Women at war“ veröffentlicht. Worum geht es dabei?

Lea: Es sind fünf Folgen, jede Folge spielt in einer anderen Epoche. Es fängt mit dem 30-jährigen Krieg an, dann geht es um Frauen in den Koalitionskriegen, danach um den Ersten und Zweiten Weltkrieg bis hin zu Frauen in modernen Kriegen.


Podcasts gibt es mittlerweile viele im Netz. Was waren die Gründe für die Fokussierung auf Frauen im Krieg?

Luise: Uns ist aufgefallen, dass – wenn man über Krieg spricht – man zunächst an Männer als Soldaten denkt. Aber hier in Lommel liegen zwischen den ungefähr 40.000 Kriegstoten auch 69 Frauen. Das sind im Verhältnis sehr wenige. Uns hat aber interessiert, wie sie hierhergekommen sind. Daraus ist die Idee entstanden, generell über die Rolle von Frauen zu sprechen. Wir wollten nicht nur auf Frauen eingehen, die aktiv im Krieg gedient haben, sondern ganz Alltägliches beleuchten: das Leben von Frauen im Krieg.

Lea: Die Idee mit dem Podcast kam auch, weil schon eine Freiwillige vor uns zu diesem Thema gearbeitet hatte.

Luise: Wir haben uns die Skripte dann zu Eigen gemacht und selbst Themen recherchiert.

Zur Praxis: Habt ihr euch einfach ein Mikrofon geschnappt und aufgenommen oder wie kann man sich  eure Podcast-Produktion vorstellen?

Luise: Unsere Aufnahme war nicht so spontan. Wir hatten das schon ziemlich durchgeplant. Von der Technik her war es viel „Learning by doing“. Wir haben ein Mikrofon bekommen, hatten einen Computer zur Hand und unsere Kollegen haben uns ein Schneideprogramm gezeigt. Wir haben dann die Audiofiles aufgenommen und uns in das Schneideprogramm eingearbeitet.

Die Aufnahmen haben rund einen halben Tag in Anspruch genommen. Wir haben natürlich die Skripte nicht auf einmal vorgelesen, sondern immer kleine Abschnitte. Das Schneiden – wenn auch nicht rundum die Uhr – hat dann rund drei Tage gedauert. Auf jeden Fall waren wir sehr, sehr froh, dass wir das Podcast-Projekt hatten, denn im Winter waren hier weniger Gäste. So konnten wir uns mit voller Energie darauf stürzen.
 

Nun betrachtet euer Podcast fünf verschiedene historische Zeitabschnitte, unterschiedliche Länder und verschiedene Persönlichkeiten. Welche Person oder Geschichte hat euch besonders berührt?

Luise: Ich habe das Skript zur letzten Folge geschrieben. Am meisten bewegt hat mich, wie es Frauen in Krisensituationen schaffen, sich zu erheben, Sachen offen auszusprechen. Die Geschichte von Malala Yousafzai hat mich inspiriert ( zur Folge)  – nicht nur, weil es historisch nah an unserer Zeit ist. Zu sehen, was eine Frau aus einem Wunsch heraus alles erreichen kann, fand ich auch beeindruckend. Die letzte Folge zu Frauen in modernen Kriegen hat mich insgesamt sehr bewegt. Es ist noch so nah und erschreckend, dass Frauen immer noch als Mittel genutzt werden, um Krieg zu führen. Es ist mir unbegreiflich, dass Frauen in Kriegen häufig zum Objekt gemacht werden.

Lea: Ich denke, für mich war es die Folge zum Zweiten Weltkrieg, die ich sehr lange geschnitten habe. Und ja: Ich fand es sehr bewegend in dem Sinn, dass man auch gesehen hat, dass auch Frauen zu Täterinnen werden. Das sie gleichzeitig Täter und Opfer sind und man die Täterrolle im Zweiten Weltkrieg vielleicht auch ein bisschen verdrängt hat.

 

Wie würdet ihr euren Podcast beschreiben?

Lea: Er ist kein klassischer Podcast. Es ist kein Dialog, wie das häufig vorkommt. Wir haben Skripte geschrieben und Zitate und Audios einfließen lassen.

Luise: Unser Podcast ist – wie es die Eingangsmusik schon vermuten lässt – sehr ruhig. Wir wollten einen angenehmen Erzählfluss. Wir hatten schon den Anspruch, etwas professioneller zu sein. Die Stimmung im Podcast wechselt sich stark. Es sind häufig Gegensätze, die wir vorgestellt haben, wie zum Beispiel – von Lea schon erwähnt – die Täterinnenschaft im Zweiten Weltkrieg und andererseits das Leiden von Frauen in Konzentrationslagern. Einen Gegensatz wollten wir auch zum Inhalt der letzten Folge bilden, zu Frauen in modernen Kriegen –mit dem positiven Aufruf: „Setzt euch mit dem Thema auseinander. Setzt euch für Gleichberechtigung ein“.

 

Nun sind eure fünf Podcast-Episoden seit ein paar Wochen online. Wen wollt ihr damit erreichen?

Lea: Wir hatten an Schülerinnen und Schüler als Zielgruppe gedacht, aber vor allem auch an die Menschen, die auf die Internetseite des „Huis Over Grenzen“ gehen, Und natürlich auch an alle anderen Personen, die sich für Geschichte interessieren. Der Podcast wird ja noch lange da sein, auch wenn wir schon nicht mehr in Lommel sein werden.

 

Das Podcast-Projekt ist mittlerweile abgeschlossen. Wie geht es weiter?

Lea: Wir planen eine Ausstellung zu dem Thema.

Luise: Wir haben uns entschieden, „Women at war“ weiterzuführen. Wir haben hier eine Wiese, an der viele Lommel-Besucher und Fahrradfahrer vorbeikommen und auf der wir gerne zu dem Thema eine kleine Ausstellung machen würden. Aktuell entwickeln wir ein Konzept und setzen Schwerpunkte.

Wahrscheinlich fokussieren wir uns dann auf den Zweiten Weltkrieg, weil das zu Lommel passt. Es gibt relativ wenige Informationen zu den Frauen, die hier bestattet sind. Wir versuchen aktuell, zu den 69 Identifizierten Angehörige zu finden. Wir wollen versuchen, ihre Biografien aufzuarbeiten.

Lea: Ein weiteres aktuelles Projekt ist ein „Erasmus“-Austausch für 25 junge Erwachsene. Wir haben uns als Partnerländer für Litauen, Nord-Mazedonien, Spanien, Belgien und Deutschland entschieden.

Luise: Wir wollten es geografisch ein bisschen verteilt wissen – ein Land im östlichen Europa, Südeuropa, Westeuropa. Wir haben dafür einen Antrag für EU-Mittel aus dem Förderprogramm geschrieben.

 

Wie geht es für euch nach Lommel weiter?

Lea: Wir sind noch bis Ende August als Freiwillige hier. Danach werde ich wahrscheinlich studieren. Ich überlege noch, was.

Luise: Ich habe vor, eine „Interrail-Tour“ durch Europa zu machen. Mit Freunden habe ich fünf EU-„Interrail-Tickets“ gewonnen und will damit einmal quer durch Europa fahren.

 

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Das Interview wurde im Februar 2022 geführt.

 

 

Kriegsgräberstätte Lommel

Die deutsche Kriegsgräberstätte Lommel liegt in der flämischen Region Belgiens in der Provinz Limburg. Sie ist mit 39.111 Bestatteten aus mehr als 15 Nationen auf einer Fläche von 16 Hektar der größte deutsche Friedhof des Zweiten Weltkriegs im westeuropäischen Ausland.

Jugendbegegnung in Lommel

Direkt am Friedhof gelegen: Die internationale Jugendbegegnungs- Bildungsstätte „Huis Over Grenzen“. Sie ist eine Jugendherberge mit einem historischen, sozialen und politischen Bildungsangebot. Sie wurde 1993 im Eingangsgebäude der deutschen Kriegsgräberstätte in Lommel eröffnet.

Building Bridges - Lommel International

Im Juli findet in Lommel ein internationaler Jugendaustausch zum Thema Kommunikation statt. Die Jugendbegegnung ist bereits ausgebucht, aber es lohnt der Blick auf die vielen anderen internationalen Workcamps des Volksbundes: https://www.volksbund.de/jugendbegegnungen.

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