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Sichtbares Erinnern an Opfer deutscher Besatzung in den Niederlanden

Volksbund integriert erstmals Gedenkzeichen auf Kriegsgräberstätte

„Gates of Remembrance” ­– Tore der Erinnerung – heißen die fünf Glasstelen, die der amerikanische Künstler Arnold Dreyblatt im Auftrag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf der Anlage in Ysselsteyn errichtet hat. Sie zeigen Orte der Verfolgung und Ermordung von Opfern der nationalsozialistischen Besatzung und benennen die verschiedenen Opfergruppen in den Niederlanden. „Nie wieder!“ lautet die zentrale Botschaft. Am 4. Dezember wurde das Denkmal eingeweiht.
 

Umstritten war in der Vergangenheit das Gedenken auf der deutschen Kriegsgräberstätte Ysselsteyn. Neben Gräbern von Wehrmachtssoldaten, SS-Angehörigen und niederländischen Kollaborateuren befinden sich dort nach aktuellem Forschungsstand auch etwa 2.000 bis 3.000 Gräber von Personen, die möglicherweise an Kriegsverbrechen und der systematischen Verfolgung und Ermordung von Juden, Sinti, Roma und anderen Bevölkerungsgruppen aktiv beteiligt waren.  Jüdische Gemeinden in den Niederlanden hatten zum sofortigen Ende von Gedenkveranstaltungen am Volkstrauertag in Ysselsteyn aufgerufen.

Der Volksbund und die Deutsche Botschaft in den Niederlanden hatten daraufhin Vertreter der jüdischen Gemeinden und anderer Opfergruppen an einen runden Tisch geladen. In einem intensiven mehrjährigen Dialog hatte sich ein gegenseitiges Verständnis für die jeweiligen Positionen entwickelt. Die Gesprächsteilnehmer waren sich einig geworden, dass ein sichtbares Zeichen für diejenigen, denen sogar ein Grab verwehrt worden war, geschaffen werden sollte. Daraufhin hatte der Volksbund einen Kunstwettbewerb für ein Gedenkzeichen ausgeschrieben. Eine deutsch-niederländische Jury hatte sich für den Entwurf des in Berlin lebenden Künstlers Arnold Dreyblatt entschieden.
 

„Blaupause für europäisches Gedenken“

„Ich wollte einen sichtbaren und begehbaren Raum des Gedenkens, der Kontemplation und der Erinnerung als Einschnitt in die zentrale Achse des Soldatenfriedhofs schaffen“, sagt Dreyblatt über sein Mahnmal, das sich an prominenter Stelle hinter dem Hochkreuz befindet. „Das entstandene Denkmal verweist auf eine ‚offene Wunde‘, die auf eine ‚Gegengeschichte‘ Bezug nimmt und das Schicksal der Verfolgten, Geächteten und ermordeten Opfer des Nationalsozialismus in die historische Stätte hineinbringt.” Es soll als Ergänzung der Kriegsgräberstätte verstanden werden und all jene sichtbar machen, an die kein Grabstein erinnert.

Zum ersten Mal errichtete der Volksbund ein Gedenkzeichen für die Opfer der nationalsozialistischen Besetzungsherrschaft auf einer deutschen Kriegsgräberstätte im Ausland. Dirk Backen, Generalsekretär des Volksbundes, hob die Bedeutung des neuen Denkmals hervor: „Ysselsteyn ist ein Meilenstein für den Volksbund. Das sichtbare Erinnern an alle Opfergruppen des ehemaligen Kriegsgegners inmitten der eigenen Gräber ist Ausdruck unseres wahrhaftigen Versöhnungswillens und gleichzeitig ein deutliches Bekenntnis zur eigenen Verantwortung vor der Geschichte und zur Verpflichtung für eine friedliche Zukunft. Ysselsteyn ist eine Blaupause für das gemeinsame europäische Gedenken des 21. Jahrhunderts.“

Appell „Nie wieder!“

Zur Einweihung des Gedenkzeichens waren zahlreiche Gäste der Einladung des Volksbundes und der Deutschen Botschaft gefolgt. Neben dem Deutschen Botschafter Dr. Cyrill Jean Nunn und Generalsekretär Dirk Backen würdigten Vertreter der Opfergruppen die „Gates of Remembrance“ und unterstrichen den Appell „Nie wieder!“

Dik de Boef, Vorsitzender des Dachverbandes der ehemaligen Widerstandskämpfer und Opfer in den Niederlanden, verwies auf die noch immer aktuelle Vorbildfunktion des Widerstandes. Er sprach von einem „moralischen Kompass, an dem wir uns orientieren können – jetzt, wo wieder ein düsterer Wind des ‚eigenen Volkes zuerst‘ durch Europa weht.“
 

Licht in der Dunkelheit

Der Oberrabbiner des Inter Provinciaal Opperrabbinaats in den Niederlanden, Rabbi Binyomin Jacobs, verglich die Eröffnung des Gedenkzeichens mit der Flamme der Menorah, dem achtarmigen Leuchter, dessen Kerzen zum Chanukkafest angezündet werden. „Ihr Zweck ist es, sich an die Vergangenheit zu erinnern, in ihr zu verweilen, aber vor allem, die Dunkelheit des heutigen Antisemitismus zu vertreiben […] und Licht, Frieden und Shalom in den Staat Israel zu bringen – zu allen, die unter Antisemitismus leiden oder in irgendeiner Weise diskriminiert und verfolgt werden.“

Lernorte der Geschichte

In unmittelbarer Nachbarschaft der Kriegsgräberstätte unterhält der Volksbund die Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Ysselsteyn. „Wir laden junge Menschen zu internationalen Begegnungen hierher ein, damit sie sich an authentischen Orten mit Geschichte auseinandersetzen. Dazu gehören auch schwierige Themen: ‚Wie entstehen Kriege?‘ und ‚Warum werden Menschen zu Tätern?‘“, erklärt Sjoerd Ewals, Leiter der Jugendbildungs- und Begegnungsstätte. „Das Gedenkzeichen ist eine sehr wichtige Ergänzung unserer Arbeit. Wir wollen uns noch stärker mit dem Spannungsfeld Täter und Opfer und den Schattierungen dazwischen auseinandersetzen. Die Geschichte ist nicht schwarz-weiß.“

Vier solcher Einrichtungen hat der Volksbund in den Niederlanden, Frankreich, Belgien und Deutschland. Dort kommen jedes Jahr rund 16.000 junge Menschen zusammen, um auf den Friedhöfen über die Auswirkungen von Krieg und Gewalt zu sprechen und Verständigung und Dialog zu fördern. Der Volksbund bindet Kriegsgräberstätten in seine Arbeit als Lernorte der Geschichte ein – im Einklang mit dem Ziel des „Nie wieder!“ der „Gates of Remembrance“.

Volksbund bezieht Stellung

In aller Deutlichkeit verurteilt der Volksbund den Terrorangriff auf Israel sowie jegliche Form von Hass und Antisemitismus. Dazu bezogen sowohl der Bundesvertretertag, das höchste Gremium des Volksbundes, als auch Präsident Wolfgang Schneiderhan Stellung:

Höchstes Volksbund-Gremium zu Israel: „Nie wieder“ ist jetzt

Volksbund verurteilt scharf den Terror gegen Israel.

Die Reaktion des Volksbundes auf die Schändung jüdischer Grabstätten des Ersten Weltkrieges auf deutschen Soldatenfriedhöfen in Frankreich lesen Sie hier:

Volksbund verurteilt Schändung jüdischer Soldatengräber.