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Suchgrabung am zweiten Tag hat mich geprägt

Tim-Benedikt Attow ist Vorsitzender der Volksbund-Jugend in Deutschland
Ein Artikel von Christiane Deuse

Er steht an der Spitze: Tim-Benedikt Attow ist Vorsitzender des BJAK, des Bundesjugendarbeitskreises – der Nachwuchsorganisation im Volksbund. Sein Weg dorthin führte über das polnische Gorlice und den Landesverband Thüringen. Tim ist 22 Jahre alt, geboren und aufgewachsen in Erfurt, studiert Politikwissenschaft und Philosophie im Doppelbachelor in Leipzig. Sein Interesse an Geschichte hat ihn zum Volksbund geführt.


Mit 16 Jahren ist er ins trinationale Camp nach Gorlice in Polen mitgefahren, das der Landesverband Thüringen organisiert hatte. Damit begann sein Engagement. Von 2017 bis 2019 war Tim Sprecher des thüringischen Jugendarbeitskreises (JAK) und leistete in Erfurt einen einjährigen Freiwilligendienst. Pawel Prokop, der Fachbereichsleiter Internationale Jugendbegegnungen & Workcamps, hat ihm Fragen gestellt.
 

Interview

Du wurdest im Februar zum wiederholten Male als BJAK-Vorsitzender in Deinem Amt bestätigt. Warum engagierst Du Dich für den Volksbund?

Ich engagiere mich vor allem aufgrund meines großen Interesses an der Geschichte und der sich daraus ableitenden Verantwortung – sowohl gegenüber dem Hier und Jetzt als auch der Zukunft. Denn obgleich sich Geschichte nicht wiederholt, so soll sie sich doch „reimen“, um mit Mark Twain zu sprechen. Wir finden hier – wie in der Poesie – ein freiheitliches Momentum vor, denn es liegt an uns, in welche Richtung der „Reim“ sich fortbewegen soll. So verhält es sich auch mit der Geschichte, die keinen in Stein gemeißelten Gesetzen folgt. Daher begreife ich mein Ehrenamt als eine Chance, über das Zusammenbringen von Menschen und Geschichte an einer besseren Zukunft mitzuwirken.
 

Wie muss man sich den Job als BJAK-Vorsitzender vorstellen?

Die Aufgaben lassen sich grob in zwei Felder unterteilen: Repräsentation nach außen und Strukturierung nach innen. Ersteres umfasst sowohl die Interessenvertretung der jungen Ehrenamtlichen im Verein selbst – zum Beispiel in den verschiedenen Gremien und im Zusammenspiel mit den Hauptamtlichen – als auch den Kontakt nach außen wie die Teilnahme an Gedenkfeiern.

Die zweite Dimension hängt mit der Struktur der außerschulischen Jugendarbeit im Volksbund zusammen. Denn da sie dezentral in den Jugendarbeitskreisen organisiert ist und hier der Schwerpunkt der Arbeit liegt, kommt dem BJAK als Gremium und mir als Vorsitzendem eher eine koordinierende Funktion zu. So schaffen wir den Rahmen für Absprachen zwischen den JAKs – etwa mit Blick auf Jahresplanungen, um überregionale Projekte zu erleichtern oder um uns in aktuelle verbandsinterne Diskussionen und Projekte einzubringen. 
 

Was war bisher Dein wichtigstes Erlebnis mit dem Volksbund?

Zu den Erlebnissen, die mich mit am stärksten geprägt haben, gehört definitiv mein zweiter Arbeitstag als Freiwilligendienstleistender beim Landesverband Thüringen. An diesem Tag war ich bei einer Suchgrabung in der Nähe von Oberhof dabei. Mitten im Thüringer Wald war 1944 ein deutscher Pilot abgestürzt, der erst durch unsere Aktivitäten exhumiert wurde und in der Folge eine würdige letzte Ruhestätte erhielt. Das damit verbundene Gefühl ist schlicht und ergreifend unbeschreiblich, ebenso das Wissen darum, einem Menschen nach so vielen Jahren endlich ein würdiges Grab zu verschaffen.


Welche Möglichkeiten haben junge Menschen, beim Volksbund mitzumachen, und welche wünschst Du Dir?

Die „Herzkammer“ des Engagements sind die Jugendarbeitskreise. In ihnen finden – wie oben beschrieben – die meisten Aktivitäten statt und man kann über sie mit Übernahme eines Wahlamts auch im BJAK oder im Landesvorstand mitwirken. Deswegen sind wir auch beständig damit beschäftigt, die JAKs über verschiedene Wege zu stärken. Das setzt allerdings voraus, dass es überhaupt in allen Bundesländer Jugendarbeitskreise gibt. Aktuell ist das leider nicht der Fall, da diese Form der Verbandsarbeit nicht überall denselben Stellenwert genießt. 

Außerdem möchte ich noch kurz auf die Freiwilligendienste eingehen, die meines Erachtens in ihrer Bedeutung für die Jugendarbeit nicht unterschätzt werden sollten. Denn gerade hier zeigt sich häufig, dass die einjährige Arbeit in einer Landesgeschäftsstelle oder Jugendbegegnungsstätte meist zu einer tiefen und langfristigen Verbundenheit mit dem Volksbund führt und sich auch meist positiv auf das nachfolgende Engagement auswirkt.
 

Wo siehst Du den Volksbund in 20 Jahren?

Meines Erachtens hat er gute Chancen, auch dann noch ein wichtiger Akteur der Gedenkkultur zu sein. Allerdings ist es dafür in meinen Augen unabdingbar, dass das Kriegsgrab weiterhin der zentrale Referenzpunkt seiner Arbeit bleibt – auch wenn die Themen, die in dem Zusammenhang verhandelt werden, sich teilweise an aktuellen Phänomenen orientieren können und sollen. Denn ohne Zweifel wird die Relevanz von Kriegsgräberstätten als Orte der individuellen Trauer weiter abnehmen, weil die Generationen der direkten Angehörigen kleiner werden.

Darum muss der Volksbund andere Wege finden, um der Bedeutung des Kriegsgrabes auch in Zukunft gerecht zu werden – etwa über die Schul- und Jugendarbeit. Sie schafft durch Besuche auf einer Kriegsgräberstätte auch den Transfer zwischen Global- und Regionalgeschichte und ermöglicht damit der jungen Generation einen Zugang zu diesen Gedenkorten.

Nähere Informationen zu den Jugendarbeitskreisen gibt es hier.

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