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20 Jahre „Waldfriedhof“ in Smolensk

Volksbund-Bürochef Hermann Krause legt still Blumen in Nishnjaja Dubrowinka nieder

20 Jahre sind vergangen, seit der Volksbund die Kriegsgräberstätte Nishnjaja Dubrowinka bei Smolensk eingeweiht hat. Mit einer stillen Kranzniederlegung hat der Volksbund jetzt daran erinnert. Hermann Krause, Leiter des Moskauer Volksbund-Büros, war zum Jahrestag 400 Kilometer westlich der Hauptstadt und blickt zurück:
 

Der Friedhof im Ortsteil Nishnjaja Dubrowinka trägt den Beinamen „Waldfriedhof“, weil er idyllisch am Rande von Smolensk liegt. Vier Hektar groß, der Rasen sorgsam gemäht, umgeben von einer Natursteinmauer – inmitten von hohen Bäumen sind hier 8.313 deutsche Soldaten beigesetzt. Ungewöhnlich ist ein riesiger grauer Steinquader, der am Ende des Friedhofs steht und der von der Wehrmacht errichtet wurde. Es heißt, dieser düster wirkende Block, auf dem früher der deutsche Reichsadler mit Hakenkreuz thronte, habe sich nicht sprengen lassen. Das Nazisymbol wurde nach Kriegsende entfernt. Nun steht dort das helle Steinkreuz des Volksbundes.
 

Ursprünglich ein Wehrmachtsfriedhof

Die Wehrmacht hatte hier einen Friedhof angelegt, der lange nicht betreten werden durfte und verwahrloste. Erst in den 1990er Jahre wurde das von Gebüsch und Gestrüpp überwucherte Gelände freigelegt und von kleineren deutschen Soldatenfriedhöfen in Smolensk die Gebeine von etwa 2.000 Kriegstoten überführt. Viktor Muchin, der Dienstälteste im Büro Moskau erinnert sich:

'Als ich vor 20 Jahren zum Volksbund kam, war meine erste Aufgabe, die Eröffnung von Nishnaja Dubrowinka zu organisieren. Offenbar waren die Arbeiten auf dem Friedhof mit der Stadtverwaltung von Smolensk vorher nicht ausreichend koordiniert worden. Ein Verbot drohte. Und das, obwohl bereits mehr als 200 Gäste aus Deutschland ihr Kommen angekündigt hatten.' In letzter Minute sei damals die Erlaubnis gekommen.
 

Zerbrochene Beziehungen

Das ist 20 Jahre her. Die offiziellen deutsch-russischen Beziehungen liegen nicht nur auf Eis, sondern sie sind ein Scherbenhaufen. Bei einem Treffen in der Administration von Smolensk wird uns dennoch signalisiert, dass man die Arbeit des Volksbundes nach wie vor unterstützen werde. An guten Beziehungen sei man interessiert. Auch habe die Partnerstadt Hagen die Beziehungen zu Smolensk nicht abgebrochen, sondern nur eingefroren, was von unseren Gesprächspartnern positiv bewertet wird.

In Deutschland wurde ich vor meiner Rückkehr nach Moskau im Mai immer wieder gefragt, ob wir mit unserer Tätigkeit in Russland eigentlich so weitermachen können wie bisher. 'Es ist schwierig', antwortete ich, 'man muss das vor Ort herausfinden.'
 

Historisches Gedächtnis zweier Nationen

Aber steht man vor den weitläufigen Soldatenfriedhöfen des Volksbundes, geben diese die Antwort. Denn sie müssen weiter gepflegt werden. Das ist der Volksbund den Angehörigen, die seit Jahrzehnten spenden, schuldig. Und die Friedhöfe sind so etwas wie das historische Gedächtnis zweier Nationen, deren Miteinander geprägt ist von einem ständigen Auf und Ab. Vieles lässt sich kontrovers diskutieren, je nach Standpunkt – aber die Fakten sprechen für sich.

13 Millionen Sowjetsoldaten verloren im Zweiten Weltkrieg ihr Leben. 1,4 Millionen deutsche Soldaten sind auf dem Territorium der Russischen Föderation gefallen. Der Volksbund hat an die 450.000 Gebeine bisher exhumieren können. Auf 22 Sammelfriedhöfen wurden diesen Soldaten würdevolle Gräber gegeben. Zehntausende Verwandte haben im Laufe der Jahre in Deutschland die Nachricht erhalten, wo ihre Männer, Brüder, Onkel, Väter oder Großväter liegen.
 

Die Arbeit geht weiter

Soll man diese großen, akkurat angelegten Friedhöfe vor Wolgograd, Kursk oder St. Petersburg nun sich selbst überlassen, so dass die Mauern zerfallen und die Gedenksteine von Moos überzogen werden? Und was ist mit den Gebeinen deutscher Soldaten, die in diesen Tagen bei der Aushebung eines Fundamentes in Wolgograd oder im Gebiet Smolensk gefunden wurden?

Die örtlichen Behörden informieren wie immer die Mitarbeiter des Volksbundes. Sorgsam werden die Gebeine exhumiert und später beigesetzt. Und nach wie vor finden sich Erkennungsmarken, mit denen die Identität der Toten festgestellt werden kann. Auch 77 Jahren nach Kriegsende ist dies für die Angehörigen – und seien es die Enkel – immer noch eine wichtige Botschaft.
 

30 Jahre Kriegsgräberabkommen

'Versöhnung über den Gräbern' lautet die Devise des Volksbundes. Versöhnung zwischen Deutschen und Russen hat lange stattgefunden. Nun lastet der Schatten des Krieges auf den Beziehungen. Im Dezember 1992 wurde das Kriegsgräberabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation unterzeichnet. Ein Abkommen, in dem sich die Bundesrepublik verpflichtet, auf eigene Kosten die sowjetischen Kriegsgräberstätten in Deutschland  zu erhalten und zu pflegen. Noch immer werden – besonders in der Nähe von Halbe bei Berlin – auch die Gebeine sowjetischer Soldaten geborgen und feierlich beigesetzt. Im Gegenzug erhielt der Volksbund die Erlaubnis, in Russland gefallene deutsche Soldaten zu bergen und auf eigens eingerichteten Friedhöfen beizusetzen.Das Abkommen ist also eine gegenseitige Verpflichtung, die Würde der Toten zu respektieren. Die Friedhöfe mahnen dazu, einen langen Atem zu haben und in Jahrzehnten zu denken, wenn nicht sogar in Jahrhunderten.
 

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