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Ein Mahnmal für den Frieden

„Ehrenmal“ in der Kasseler Karlsaue wiedereröffnet

Nach umfangreichen und mehrjährigen Sanierungsarbeiten ist das so genannte Ehrenmal in der Kasseler Karlsaue wiedereröffnet worden. Die hessische Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn und Prof. Loretana de Libero aus dem Volksbund-Bundesvorstand betonten in ihren Reden die Bedeutung des mächtigen Bauwerks für eine zeitgemäße Erinnerungskultur.

Das „Ehrenmal“ in der Karlsaue, die zentrale Parkanlage Kassels, macht es Besuchern nicht leicht. Die vier Ebenen der „Gedenkstätte für die Gefallenen und Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs“ (so der offizielle Name) am nördlichen Rand der Aue sind nur über steile Treppen erreichbar, für die Aussicht von den Balkonen des ehemaligen Terrassengartens des Prinzen Georgs ist Kondition gefragt. Dass sich der Aufstieg lohnt, davon konnten sich jetzt die Besucher bei der Wiedereinweihung der 1926 ursprünglich eröffneten Gedenkstätte überzeugen. Im Mittelpunkt steht die Skulptur „Der Gefallene“ von Prof. Hans Sautter, sie zeigt einen „Gefallenen wie in einem Grab, eingehüllt in ein Fahnentuch als Zeichen seiner Treue zum Vaterland“, wie es Prof. Loretana de Libero aus dem Bundesvorstand des Volksbundes in ihrem Grußwort formulierte.

 

Für alle Opfer

Mit ihr war auch Angela Dorn, Ministerin für Wissenschaft und Kunst, nach Kassel gekommen. Nachdem das Ehrenmal fünf Jahre lang gesperrt und für knapp drei Millionen Euro saniert worden war, stand jetzt die Wiedereinweihung an. Dorn betonte, dass zur Erinnerungskultur auch das Bewusstsein gehöre, was in beiden Weltkriegen geschehen sei. Ein Ehrenmal wie das in Kassel verdeutliche dieses und stehe symbolisch für alle Opfer der Kriege. Der Bau sei einer der größten seiner Art in Deutschland und habe sich in seiner Bedeutung dramatisch geändert: „Heute ist es ein Mahnmal für den Frieden.“ Neben Dorn kamen auch die hessisches Landesgeschäftsführerin des Volksbundes, Viola Krause, sowie Susanne Völker, Kulturdezernentin der Stadt Kassel, zur Wiedereinweihung.

Kritik an der "Hospitalsleiche"

Professor Andreas Hedwig vom Hessischen Landesarchiv in Marburg reihte das „Kurhessische Ehrenmal“, wie es ursprünglich hieß, ein in eine historische Entwicklung von Kriegsdenkmalen in Deutschland. Dabei sei die Statue von Hans Sautter schon früh von Kriegerverbänden als „Hospitalsleiche“ kritisiert worden. Zu wenig heldenhaft sei der Gesichtsausdruck, zu groß das dargestellte Leid, dazu fehlten Schwert und Schild. Die Nationalsozialisten deckten deshalb die Statue ab, Sautter musste 1933 seinen Posten als Direktor an der Staatlichen Kunstgewerbeschule Kassel räumen.

„Am kalten Stein entzündeten sich seit der Einweihung heiße Emotionen,“ so Loretana de Libero. Das Gedenken sei missbraucht worden für die eigene politische Sache, für den künftigen Krieg. Was aber habe der Volksbund mit dieser Statue zu tun? „Kriegsgräber entwickeln sich von Orten der Trauer immer mehr zu Erinnerungs- und Lernorten, die zu einem Miteinander in Europa beitragen können“, so die Hamburger Professorin. Friedenspädagogische Bildungsarbeit beginne für den Volksbund am Grab, denn „ohne Krieg keine Gefallenen, ohne Gefallene keine Denkmale.“

Immer wieder Vandalismus

Nun also ist „Der Gefallene“ wieder zu sehen, wenn auch arg lädiert. Unbekannte hatten ihm einst Nase und Ohren abgeschlagen. Auch anderswo auf der Anlage sind Zerstörungen zu sehen. So hatten Schmierereien mit Farbe und Gips erst jüngst einen Schaden von 30.000 Euro angerichtet. Es käme immer wieder zu Vandalismus, sagte Martin Eberle von der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Graffiti-Schmierereien, so Dorn, würden allerdings nicht helfen, die komplexe Geschichte zu verstehen. Vielmehr, und da waren sich alle Redner einig, komme es in der Zukunft auf eine fundierte Vermittlungsarbeit mit Blick auf die historische Bedeutung des Ehrenmals an.

Seit 1987 erinnert eine Tafel auch an die gefallenen Deserteure der Wehrmacht, bei der Einweihung der Erinnerungstafel gab es leidenschaftliche Debatten und Proteste von Soldatenvertretern sowie aus den Reihen von CDU und FDP. Der Volksbund ist als einzige Institution berechtigt, Führungen auf der Anlage anzubieten. Diese finden wieder im kommenden Jahr statt und werden rechtzeitig auf der Homepage des Volksbundes angekündigt.

 

Bericht der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeine:
www.hna.de/kassel/erinnerung-an-kriegskatastrophen-90975295.html

Bericht von „Frankfurt live“:
www.frankfurt-live.com/wiederer-oumlffnung-des-ehrenmals-in-der-karlsaue-135190.html

Text: Harald John / Maike Bartsch

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