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Gedenken an Kriegstote von El Alamein mit rund 40 Nationen

Deutsche Botschaft Gastgeberin an der Totenburg – vor 80 Jahren begann die zweite Schlacht

Auf der deutschen Kriegsgräberstätte in El Alamein haben am 22. Oktober Botschafter, Militärattachés aus Deutschland, Ägypten, Italien, Großbritannien und Griechenland und hochrangige Vertreter knapp 40 weiterer Nationen an die Schlachten von El Alamein vor 80 Jahren erinnert. Am Vortag hatte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge fünf Soldaten in der Totenburg beigesetzt. 


„Salam aleikum – der Friede sei mit Dir“ lautet eine arabische Grußformel, die in Ägypten zur Begrüßung verwendet wird. Frieden – das ist ein hohes Gut, das heutzutage keine Selbstverständlichkeit ist. Zwei Weltkriege haben auch in Nordafrika tiefe Wunden geschlagen und Narben hinterlassen. Die Menschen in Ägypten und den Nachbarländern mussten große Opfer bringen. Doch 80 Jahre nach Beginn der zweiten Schlacht von El Alamein am 22. Oktober 1942 standen sich keine Feinde mehr gegenüber: Ein friedlicher, versöhnender Geist war deutlich sichtbar, hörbar und spürbar.
 

Erinnern im Land der Pharaonen

Uniformen, Symbole, Fahnen und Gedenkkränze aus aller Welt prägten das eindrucksvolle Bild auf dem Vorplatz der deutschen Kriegsgräberstätte, deren außergewöhnliche, markante Architektur und Geschichte als Totenburg der Veranstaltung eine besondere Kulisse verlieh. Die deutsche Botschaft als Gastgeberin hatte Vertreterinnen und Vertreter von mehr als 40 Nationen eingeladen.

Zu den Ehrengästen zählten der deutsche Parlamentarische Staatssekretär, Thomas Hitschler, als Vertreter der Verteidigungsministerin, der britische leitende Verteidigungsberater, Air Marshal Martin Sampson, der griechische Stabschef, General Konstantinos Floros, der italienische Vize-Stabschef, Generalleutnant Carmine Masiello, sowie hochrangige Vertreter aus Ägypten und Botschafter aus mehreren Ländern. Ein würdevolles, gemeinsames Gedenken unterschiedlicher Kulturen – das war der Grundtenor der internationalen Zeremonie. Eine Mahnung für den Frieden.
 

Wieder Krieg in Europa

Der deutsche Botschafter in Ägypten, Frank Hartmann, sagte bei seiner Ansprache: „Heute, 80 Jahre später, stehen die Gegner aus der Vergangenheit hier als Freunde und Partner.“ Nach 80 Jahren gebe es leider wieder einen Krieg in Europa. Hartmann sagte weiter: „Europa und die Welt werden durch den schrecklichen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine bedroht; dieser Krieg stellt das Existenzrecht und das Selbstbestimmungsrecht des ukrainischen Volkes in Frage. Wir stehen hier in Solidarität mit dem ukrainischen Volk, das seine und unsere Freiheit und Demokratie gegen die Aggression verteidigt. Wir tragen Verantwortung für unsere Geschichte und beklagen die Toten.“

Man habe aber noch viel mehr Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft der Menschheit: „Deshalb stehen wir zusammen, um die internationale Ordnung – basierend auf der UN-Charta – zu schützen und den Weltfrieden zu verteidigen.“ 

Dass dies nur durch ein Miteinander zu erreichen ist und wie wichtig enge Beziehung zwischen den Ländern in Europa und darüber hinaus sind, machte auch Staatssekretär Thomas Hitschler am Beispiel des deutsch-ägyptischen Verhältnisses in einem Interview gegenüber der ägyptischen Presse deutlich: „Ich bin dankbar für die gute Beziehung zwischen Ägypten und Deutschland. Es ist sehr wichtig für die Zukunft, miteinander zu sprechen, um dieses Bündnis am Leben zu erhalten.”

Videostatement des deutschen Botschafters Frank Hartmann 
 

Totengedenken in vier Sprachen

Militärische Tradition und Emotion verbanden sich an diesem Gedenktag. Militärattachés aus Deutschland, Italien, Großbritannien und Griechenland trugen die nationalen Texte zum Totengedenken in ihrer Landessprache vor. Das deutsche Totengedenken verlas Oberst i.G. Dr. Jörg Friedrich, das britische Colonel Marek Beynon. Letzteres besteht aus nur zwei Zeilen von John Maxwell Edmonds, die für ein Gedenken an Kriegstote kaum treffender und bewegender sein könnten. Es lautet:
„When you go home, tell them of us and say:
For your tomorrow we gave our today.”
(Wenn Ihr nach Hause geht, erzählt ihnen von uns und sagt:
Für Euer Morgen haben wir unser Heute gegeben.)

Mitten ins Herz aller Nationen trafen auch die Lieder und Choräle der ägyptischen, britischen und deutschen Musikkorps, die die Zeremonie begleiteten. Sie spielten unter anderem „Amazing Grace“ auf schottischen Dudelsäcken, die „Ode an die Macht der Liebe“ und die nationalen Totensignale aus Großbritannien, Ägypten, Italien, Griechenland und Deutschland.

Den Toten Respekt zollen 

Die politische Strahlkraft der Gedenkveranstaltung, das mediale Interesse der ägyptischen Presse, aber auch der Menschen in der Region waren enorm. Vom Beduinen bis zum Botschafter fanden sich mehr als 400 Menschen unterschiedlicher Kulturen auf der Kriegsgräberstätte zum gemeinsamen Gedenken der gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkrieges ein. Ob aus Argentinien, Ghana, Kanada oder Neuseeland – so unterschiedlicher Herkunft die Repräsentanten auch waren, so gleich war ihr Anliegen: den Kriegstoten Respekt zollen. In beeindruckenden Uniformen und mit musikalischer Begleitung der drei Musikkorps legten die Länderdelegationen ihre Kränze nieder. 

Deutsche Soldaten beigesetzt

Trauern, Erinnern, Gedenken – den Kriegstoten ein würdevolles Grab geben. Das ist seit mehr als 100 Jahren das Kernanliegen des Volksbundes. Dass diese Aufgabe nicht an Aktualität verliert, zeigt sich immer wieder aufs Neue, wenn weltweit pro Jahr bis zu 20.000 deutsche Kriegstote exhumiert werden.

Erst im März dieses Jahres hatten Beduinen in der Wüste bei El Alamein die Gebeine von vier deutschen Soldaten gefunden, ein weiterer Soldat war Vorjahr geborgen worden. Ahmed Sedky, Länderbeauftragter des Volksbundes für Ägypten, erklärt dazu: „Hier ist es unüblich, Tote umzubetten. Auf die sogenannte Totenbeleidigung stehen drei Jahre Haft. Eine Ausnahme gibt es bei Kriegstoten. Das Volksbundteam hat die Gebeine geborgen und zur Kriegsgräberstätte El Alamein gebracht.“

Am Vortag der internationalen Veranstaltung waren sie bei einer Gedenkstunde würdevoll in der Totenburg beigesetzt worden. Der deutsche Botschafter in Ägypten, Frank Hartmann, der deutsche Militärattaché in Kairo, Dr. Jörg Friedrich, Geistliche der evangelischen und katholischen Kirche sowie Detlef Fritzsch und Hartmut Tölle, zwei Vertreter des Bundesvorstands des Volksbundes, hatten den Toten die letzte Ehre erwiesen. 

Auf unserem You-Tobe-Kanal können Sie sich ein Video zur Beisetzung der Soldaten ansehen. 

Fünf Nationen vereint

Bisher geht der Volksbund davon aus, dass die fünf deutschen Soldaten während der Zweiten Schlacht um El Alamein 1942 fielen. Alliierten Truppen war es gelungen, den Vormarsch der deutsch-italienischen Panzerarmee in Nordafrika zu stoppen und so einen Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg herbeizuführen. Dabei starben mehr als 11.000 Soldaten.

Diplomaten, Politiker und Militärangehörige aus den beteiligten Ländern erinnern bei einer jährlichen Zeremonie an diese Ereignisse. Die enge Zusammenarbeit zwischen Botschaften und internationalen Militärattachés ermöglicht diese würdevolle Form des gemeinsamen Gedenkens.

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung legte Botschafter Frank Hartmann in Begleitung von Militärattaché Oberst i.G. Dr. Jörg Friedrich sowie einer Volksbund-Delegation Kränze auf den italienischen, griechischen und britischen Gedenkstätten nieder.

Forderung nach Frieden verbindet

Ein Handschlag, ein Gruß, ein Lächeln: Die Verständigung zwischen deutschen, ägyptischen, britischen, italienischen und griechischen Soldaten war offen, freundschaftlich und respektvoll. Dankbarkeit spiegelte sich in den Gesichtern der Diplomaten und der mehr als 400 internationalen Gäste sichtbar wider. Aus ehemaligen Feinden sind Verbündete mit einer gemeinsamen Mission und Strahlkraft geworden, um den Zweiten Weltkrieg nicht zu vergessen und sich für eine friedliche Zukunft zu vereinen. Frieden in Europa und weltweit: „Wa aleikum assalam“ – und Friede mit Dir.

„When you go home, tell them of us and say: For your tomorrow we gave our today (wenn Ihr nach Hause geht, erzählt ihnen von uns und sagt: Für Euer Morgen haben wir unser Heute gegeben).“

John Maxwell Edmonds

Große Pläne für Kriegsgräberstätte  

Für die direkte Nachbarschaft der deutschen Anlage gibt es gigantische Pläne: Dort soll die Metropole „New Alamein” entstehen. Darum plant der Volksbund, die Kriegsgräberstätte künftig für Besucher noch attraktiver zu machen. Für 2024 / 2025 ist die Eröffnung einer neuen Ausstellung geplant. Denkbar ist auch ein Neubau für ein Besucherzentrum.

Der Volksbund ist ein 103-jähriger, gemeinnütziger Verein, der seine Arbeit überwiegend aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert.

Simone Schmid Referentin Kommunikation/Social Media

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