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Als der Himmel über Hessen brannte
Deutsch-amerikanische Gedenkfeier für die Luftschlacht über dem Seulingswald vor 75 Jahren
30. September 2019

Zeitzeugen berichteten von dramatischen Szenen: Flugzeuge rasten aufeinander zu, Bordkanonen ratterten, Wrackteile schleuderten durch die Luft, der Himmel war voller Blitze und Feuer. Der 27. September 1944 sah einen der dramatischsten Kämpfe des Zweiten Weltkrieges, die Luftschlacht zwischen Deutschen und Amerikanern über dem Seulingswald. Bei dem Gefecht an der hessisch-thüringischen Grenze zwischen Bad Hersfeld und Eisenach verloren 136 Flieger ihr Leben.

Wie friedlich dagegen die Szenerie 75 Jahre später. Zur liebevoll angelegten Gedenkstätte mitten im Wald sind an diesem Freitag mehr als 120 Menschen gekommen, darunter auch viele Amerikaner, einige von ihnen als Veteranen erkennbar, sowie der hessische Landtagsabgeordnete Torsten Warnecke (SPD). Gastrednerin Daniela Schily, Generalsekretärin des Volksbundes, erinnert an die Opfer des damaligen Krieges, der der Welt von dem Regime der Nationalsozialisten aufgezwungen worden sei: "Mit diesen schrecklichen Ereignissen, als Flugzeuge wortwörtlich vom Himmel fielen, war der Krieg nun auch hier im beschaulichen Waldhessen mit Wucht angekommen."

Schily forderte, dass Gewalt niemals wieder an die Stelle von Worten treten dürfe und bat die Besucher: "Gehören auch Sie zu den Mutigen, die die richtigen Konsequenzen ziehen und sich Geschichtsleugnern in den Weg stellen." Den angereisten Amerikanern dankte die Generalsekretärin dafür, dass aus Feinden Freunde geworden seien: "Ihr Besuch unterstreicht die tiefe Freundschaft zwischen unseren Ländern, die wir uns nicht von anderen kaputtreden lassen sollten."

Jim Bertram, Vorsitzender der Kassel Mission Historical Society, war zum vierten Mal als Nachkomme eines Überlebenden der Schlacht, seines Vaters Leutnant Frank Bertram, hoch in den Gedenkhain gekommen. Er forderte mit Blick auf diese "bemerkenswerte Gedenkstätte" dankbar zu sein, bescheiden zu bleiben und voller Hoffnung zu sein. Es sei die Hoffnung, dass "ein kleines Denkmal wie dieses so eine große Auswirkung auf Versöhnung und Vergeben haben kann."

Auch Ludwigsaus Bürgermeister Wilfried Hagemann, Vietnam-Veteran Gerald R. Pitman für die militärische Organisation "Purple Heart" und Michael Prenzler, Leiter des Kreisverbindungskommandos Hersfeld-Rotenburg, sprachen Grußworte, bevor das Brass-Ensemble Bad Hersfeld unter der Leitung von Helgo Hahn die amerikanische und die deutsche Nationalhymne im strömenden Regen des Seulingswaldes intonierten.

Text: jon
Fotos: OSTHESSEN NEWS - G.M.