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Der Zweite Weltkrieg war erst am 2. September zu Ende
75 Jahre transatlantisch-europäische Partnerschaft
03. September 2020

In Europa steht der 8. Mai 1945 für das Ende des Zweiten Weltkrieges. Doch erst am 2. September endete der Weltkrieg, den Nazideutschland begonnen hatte, mit der japanischen Kapitulation in Asien.

Europa lag zu großen Teilen in Trümmern. Wie sollte ein Neubeginn aussehen? Die Herausforderungen betrafen nicht nur die Wirtschaft. Wie sollte nach dem Zivilisationsbruch Deutschlands wieder Vertrauen möglich werden.

Was sind die Elemente eines gemeinsamen Gedenkens, welche Perspektiven sind möglich?

Welche historischen Erfahrungen verbinden oder aber trennen noch heute unsere Gesellschaften? Wo schafft historische Reflexion und die gemeinsame Erinnerung an die Kriegstoten Verständnis und Vertrauen zwischen den Partnern? Welchen Werten und Zielen fühlen wir uns gemeinsam verpflichtet?  Darüber diskutierten in dem Format Erinnerungskulturen im Gespräch“  die Professorin  Dr. Sonja Kmec, Historikerin und Außerordentliche Professurin an der Universität Luxemburg, Jennifer Roman,  Superintendentin der American Battle Monuments Commission in Luxemburg, Craig Ferguson von der, Amerikanische Botschaft in Luxemburg, Dr. Heinrich Kreft, Deutscher Botschafter a.D. und Dozent an der Andrássy Universität Budapest und Brigadegeneral a.D. Dirk Backen, Abteilungsleiter des Volksbundes und früherer Verteidigungsattaché in Washington.

Die Diskussion wurde von Bernd Kleinheyer, Dozent an der Fachhochschule Bielefeld moderiert.

Moderator Bernd Kleinheyer eröffnete die Diskussion mit einem historischen Rückblick und betonte den Wert der Transatlantischen Freundschaft als Teil der europäischen Geschichte. Aber es gibt verschiedene Wege, der Geschichte zu gedenken.

Wer verdient den Frieden?

Deshalb bat er die Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer um ihre Einschätzung, welche kulturellen Elemente der Begegnung sie für wichtig einschätzen. Sonja Kmec stellte fest, dass „… Frieden, das gemeinsame Eintreten für Frieden und das Frieden schaffen sehr wichtig, aber nicht das einzig wichtige…“ wären. Sie erinnerte an die teilweise heftigen Reaktionen auf die Rede von Richard von Weizäcker zum 8. Mai 1985. Er wurde dafür kritisiert, dass er die Kapitulation als Befreiung beschrieben hätte. Frieden sei auch, so Frau Kmec weiter, wenn ehemalige Feinde über Gräbern sich an den Händen halten können – wie damals Kohl und Mitterand in Verdun 1984. Sie erinnerte aber auch an die kontroversen Diskussionen ein Jahr später zu dem Besuch von Kohl und des amerikanischen Präsident Ronald Reagan auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg, wo Mitglieder der Waffen-SS begraben wären und fragte: „Wer verdient den Frieden?“

Der Fokus der Besucher liegt auf dem Gedenken an ihre Liebsten

Die Superintendentin der American Battle Monument Comission in Luxemburg, Jennifer Roman erzählte über die Besucherinnen und Besucher auf den amerikanischen Soldatenfriedhöfen. „Wir haben bis heute Menschen, die ihre Liebsten in den Kriegen verloren haben. Wir bringen sie zu den Friedhöfen zu ihnen, zu denen, die sich für die Freiheit geopfert haben. Wir haben jährlich zehntausende Besucher aus aller Welt dort. Wir wollen dort auch Geschichten und Geschichte erzählen, unsere Organisation legt dafür entsprechende Bildungsprogramme auf. Aber der Fokus der Besucher liegt auf dem Gedenken.“

Craig Ferguson, Pressesprecher der US-Botschaft in Luxemburg ist berührt von dem Bild des Friedenschaffens und betont die Notwendigkeit, aus der Geschichte zu lernen: „Das Grauen des Krieges darf sich nicht wiederholen!“

Viele Lehren aus Luxemburg habe ich mit nach Osteuropa genommen

Der frühere Botschafter in LuxemburgHeinrich Kreft ging auf die besondere Rolle Luxemburgs ein: Luxemburg hat blutigste Schlachten erlebt. Und gleichzeitig habe ich an Treffen von amerikanischen, deutschen und luxemburgischen Veteranen teilhaben dürfen, das waren sehr emotionale Begegnungen. (… ) Und dass gerade Luxemburg, das das erste Opfer der deutschen Militärmaschinerie wurde, als erstes wieder Beziehungen angeknüpft hat, das zeichnet es aus. So klein es ist, so ist es Gründungsmitglied vieler europäischer Organisationen.“ Kreft, der heute nach seiner Zeit als Botschafter in Luxemburg an der Universität in Budapest lehrt, ergänzt: „Viele Lehren aus Luxemburg habe ich mit nach Osteuropa genommen“.

Die amerikanischen Soldaten wurden als Helden empfangen

Eine Frage aus dem Auditorium war, ob die Friedensbewegung der Achtziger Jahre nicht auch eine Antwort auf den Krieg gewesen sei und vor allem auf die Stationierung amerikanischer Raketen in Deutschland. Dies beantwortete Dirk Backen, ehemaliger Verteidigungsattaché in Washington und heute Abteilungsleiter im Volksbund: „Zwar habe ich als junger Soldat im Kalten Krieg bei den Friedensdemonstrationen gewissermaßen auf der anderen Seite des Kasernenzauns gestanden. Ich habe mich aber als Soldat gerade als Ersten verstanden, der für den Frieden eintritt. Denn Soldaten wissen, was Krieg bedeutet und ich kenne keinen einzigen, der sich nach dem Kampeinsatz gesehnt hätte“.

Dirk Backen wies aber ausdrücklich auf die verschiedenen Situationen und Perspektiven der damaligen Gegner und heutigen Partner hin: „Die deutschen Soldaten kamen nach 1945 als Geschlagene, als Verlierer zurück in die zerstörten deutschen Städte. Sie wurden nicht von jungen Frauen mit Blumen empfangen. Die Amerikaner kämpften weiter in Asien. Sie waren 1941 von dem Überfall auf Pearl Harbour völlig überrascht worden – nun kämpften sie an mehreren Fronten in Europa und Asien. Aber sie wurden nach den verlustreichen aber erfolgreichen Kämpfen als Helden zuhause empfangen. Sie hatten nicht nur ihr Land verteidigt, sondern die Freiheit.

Einen Ausblick zu geben, ist nicht einfach. Aber zumindest ein gutes Abschlusswort fand Sonja Kmec: Geschichte ist kein sanft fließender Fluss. Geschichte hat ein offenes Ende.

Die USA spielten in der Allianz der Siegermächte nicht nur bei der Befreiung von der NS-Besatzung eine entscheidende Rolle, sondern auch beim Wiederaufbau und der Aussöhnung Deutschlands mit seinen Nachbarn. Sie halfen (West)Deutschland, die mühsam errungene Freiheit auch nach dem Krieg zu verteidigen und zu stabilisieren. Und sie ermutigten die westeuropäischen Nachbarn Deutschlands, den Integrationsprozess mit den Deutschen anzupacken. Damit war auch eine Grundlage für die Versöhnung der Kriegsgegner geschaffen, die sich nun seit Jahrzehnten in gemeinsamen Gedenken manifestiert. „Versöhnung über den Gräbern“, dieses Motto des Volksbundes konnte so Wirklichkeit werden.

Eine Veranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und des Institut Pierre Werner, Luxemburg in Kooperation mit PEACE LINE. Gefördert vom Auswärtigen Amt und unterstützt von der Deutschen Botschaft Luxemburg.