Pressemitteilung
Hier trifft sich Europa
Ausbau der Jugendbegegnungsstätte Niederbronn
16. Mai 2019

Im elsässischen Niederbronn-les-Bains steht eine von vier Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten (JBS) des Volksbundes, die am 18. Mai weitere Räume für die Arbeit mit jungen Erwachsenen eröffnet. Zugleich begeht die „JBS Albert Schweitzer“ ihr 25-jähriges Jubiläum. Die Geschichte dieses Ortes soll gewürdigt und zugleich die erfolgreiche Bildungsarbeit vor Ort gefeiert werden – und zwar mit einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung auf der angrenzenden Kriegsgräberstätte sowie mit der Präsentation eines deutsch-französischen Schülerprojektes. Gedenkredner ist der baden-württembergische Minister der Justiz und für Europa, Guido Wolf.

Das haben sich der Volksbund und seine Förderer einiges kosten lassen – unterstützt vom Land Baden-Württemberg und vom Bund: Der neue Erweiterungsbau der JBS Niederbronn wird die Nutzungsfläche für die Jugendarbeit enorm vergrößern. In dem neuen zweistöckigen Gebäude auf dem Gelände der inzwischen 25 Jahre alten Begegnungsstätte gibt es nun weitere Schlafräume mit 32 Betten, dazu geräumigere  Begegnungs- und Seminarräume. Nun bietet die JBS insgesamt Platz für 110 Übernachtungsgäste.

Darüber freut sich JBS-Leiter Bernard Klein besonders aus einem Grund: „In den letzten Jahren hatten wir immer einen Schnitt von etwa 8 000 Übernachtungen pro Jahr. Leider mussten wir dabei aber auch 2 000 Anfragen aufgrund des akuten Platzmangels ablehnen. Das soll sich künftig ändern. Unser Ziel ist eine Steigerung auf 12 000 Übernachtungen“, sagt Bernard Klein.

2,4 Millionen Euro für Jugendarbeit

Allerdings ist das gesamte Projekt mit zweijähriger Laufzeit mit erheblichen Kosten verbunden. Es umfasst inklusive der folgenden Renovierung der verbliebenen Altgebäude etwa 2,4 Millionen Euro. Vom Bundesfamilienministerium sowie vom Land Baden-Württemberg gab es dazu jeweils 200 000 Euro Zuschüsse. Der Großteil der benötigten Mittel stammt allerdings von den Volksbund-Förderern, von denen sich auch einige zur Eröffnungsfeier angekündigt haben. Dazu gehören eine deutsch-französische Schülergruppe sowie Reisegruppen aus Südbaden und Rheinland-Pfalz. Neben Guido Wolf wird zudem der stellvertretende Volksbund-Präsident Richard Reisinger erwartet.

Vielfältig und wechselvoll

Reisinger hatte viel zum Entstehen des Erweiterungsbaus beigetragen und verwies zugleich auf die europäische Komponente, die quasi den Grundstein für die internationale Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte in Niederbronn gelegt habe: „Junge Menschen können hier auf dieser Kriegsgräberstätte anhand der Schicksale von über 15.000 Kriegstoten aus 17 Nationen ganz konkret die schmerzhafte Geschichte des Zweiten Weltkriegs, der vom nationalsozialistischen Deutschland ausging, erfahren. Zugleich lehrt gerade die Entwicklung dieser Region aber auch, wie vielfältig und wechselvoll die deutsch-französischen Beziehungen inmitten des Kontinents verliefen. Wir befinden uns an einem deutsch-französischen wie europäischen Gedenkort.“

Die Jugendbegegnungsstätte bietet für Schulklassen aus Frankreich und Deutschland, aber auch darüber hinaus, ideale Bedingungen für die Beschäftigung mit friedenspädagogischen Inhalten, mit der leidvollen Zeit der beiden Weltkriege und dem Thema ‚Europa‘. Die Europametropole Strasbourg mit den dort angesiedelten europäischen Institutionen liegt nur 50 km entfernt, unmittelbar neben der JBS liegt die deutsche Kriegsgräberstätte Niederbronn mit 15.472 Kriegstoten des Zweiten Weltkriegs, und zur Gedenkstätte mit dem ehemaligen Konzentrationslager Natzweiler-Struthof sind es nur eineinhalb Autostunden.

Die Einweihungs-Veranstaltung ist in ein umfangreiches Bildungs- und Begegnungsprogramm mit Jugendgruppen aus Deutschland und Frankreich eingebettet: Jugendliche aus beiden Ländern gestalten die Veranstaltung mit und stellen ihre Arbeitsergebnisse und Gedanken zu diesem Ort vor. Sprechen werden für die Stadt Niederbronn die Bürgermeisterin Anne Guillier, für den Volksbund der Vorsitzende des Landesverbands Baden-Württemberg Guido Wolf, Minister der Justiz und für Europa des Landes Baden-Württemberg, und der Vizepräsident des Volksbundes, Richard Reisinger, Landrat des Landkreises Amberg Sulzbach in der Oberpfalz. Zudem nehmen auch Brigitte Klinkert, Präsidentin des Conseil départemental du Haut-Rhin, sowie Frédéric Reiss, Abgeordneter des Départements Bas-Rhin in der französischen Nationalversammlung, an dieser gemeinsamen Eröffnungsfeier teil. Zu deren Erfolg hatte der Abgeordnete Reiss übrigens schon im Vorfeld mit seiner 5000-Euro-Spende für den neuen Seminarraum beigetragen.

Im Anschluss an das gemeinsame Gedenken wird sich ein Gang auf die Kriegsgräberstätte anschließen, wo die Teilnehmer Blumen an den Gräbern unbekannter Soldaten niederlegen können. Zusammenfassend könnte man also sagen: Hier trifft sich Europa.

Die Gedenkveranstaltung anlässlich der Erweiterung und des 25-jährigen Bestehens der internationalen JBS Albert-Schweitzer findet am 18. Mai ab 12.30 Uhr in Niederbronn-les-Bains/Frankreich statt. Sie sind herzlich eingeladen!

Maurice Bonkat
Redakteur
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