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Stalingrader Massengrab nun vollständig ausgebettet
Volksbund exhumiert über 1800 Kriegstote
09. November 2018

Fast eine Millionen Kriegstote hat der Volksbund-Umbettungsdienst in den vergangenen Jahrzehnten geborgen. Anfang Oktober berichteten wir von 800 weiteren deutschen Kriegstoten, die im ehemaligen Stalingrad (heute: Wolgograd/Russische Föderation) einen grausamen Tod erlitten hatten – und nach über sieben Jahrzehnten durch den Volksbund ehumiert werden sollten. Diese Arbeiten sind nun vollständig abgeschlossen. Dabei zeigte sich ein überraschendes Ergebnis: Denn statt der angenommenen 800 waren es am Ende sogar 1837 Kriegstote, die geborgen und auf eine Kriegsgräbersttte des Volksbundes überführt werden können.

Inzwischen gibt es auch zahlreiche Informationen zu den Hintergründen: So fand der Volksbund heraus, dass sich genau an dieser Stelle im russischen Bezirk Angarskij während der Schlacht um Stalingrad im März 1943 eine lange Schlucht befand, die als Massengrab genutzt und anschließend eingeebnet wurde. Zahlreiche getötete Soldaten wurden hier zusammen mit Pferdekadavern hastig vergraben. Aufgrund der drohenden Seuchengefahr war damals Eile geboten, die unzähligen Leichen von Menschen und Tieren möglichst schnell zu entfernen. Erdlöcher, Schluchten oder auch ausgetrocknete Bachläufe wurden somit zu Massengräbern.

Besonders – aber kein Einzelfall

So ist der Zufallsfund in Wolgograd in dieser Größenordnung durchaus besonders, aber kein Einzelfall. Pro Jahr werden im ehemaligen Stalingrad durchschnittlich drei bis vier Massengräber entdeckt. Funde von einzelnen Soldaten kommen sogar heute noch monatlich in der Millionenstadt vor, erklärt Denis Deryabkin, Leiter des Volksbund-Umbettungsdienstes in Moskau.

Glücklicherweise fanden sich bei den Toten am aktuell abgeschlossenen Fundort auch zahlreiche Erkennungsmarken, die für die spätere Identifizierung der insgesamt 1837 Kriegsopfer ungemein wichtig sind. Nun beginnt die abschließende Dokumentationen der vorgefundenen Gebeine, bevor die sterblichen Überreste voraussichtlich Ende dieses Jahres auf die Kriegsgräberstätte Rossoschka (Archivfoto unten) nahe Wolgograd überführt – und dort würdig bestattet werden.

Maurice Bonkat
Redakteur
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