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Vor dem Vergessen bewahrt
Offizierschule, Volksbund und Stadt Fürstenfeldbruck leisten Erinnerungsarbeit an den Gräbern ausländischer Kriegsgefangener des Ersten Weltkrieges
04. Dezember 2018
  • Oberbayern

Fürstenfeldbruck - Das Gedenkjahr 2018, in dem sich das Ende des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal jährt, haben der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Bezirksverband Oberbayern, und die Offizierschule der Luftwaffe (OSLw) in Fürstenfeldbruck zum Anlass genommen, um an ein scheinbar in Vergessenheit geratenes Kapitel der Stadtgeschichte zu erinnern.

Jeder Bürger kennt zwar die spätbarocke Klosteranlage im Süden der Stadt.  Doch kaum  jemand registriert die in ihrem Schatten liegende Kriegsgräberstätte zwischen dem Henrik-Moor-Weg und den Gleisen.

Dort haben 274 Opfer der beiden Weltkriege ihre letzte Ruhestätte gefunden. Sie stammten unter anderem aus Russland, Frankreich, Rumänien, Polen, Serbien, Lettland, Litauen, Estland, Belarus und der Ukraine. Die meisten von ihnen waren ausländische Kriegsgefangene des Ersten Weltkrieges. Sie kamen als Verwundete direkt von der Front oder erkrankten im Laufe ihrer Gefangenschaft, die sie überwiegend im Kriegsgefangenenlager Puchheim verbrachten. Viele dieser Kriegsgefangenen wurden in das Reservelazarett Fürstenfeld gebracht. Insbesondere die Spanische Grippe forderte in den Jahren 1918 und 1919 noch zahlreiche Opfer. So wurde für die im Lazarett verstorbenen Kriegsgefangenen vor 100 Jahren ein eigener Friedhof nahe des Klosters errichtet. Nach dem Ersten Weltkrieg geriet der Friedhof dann nach und nach in Vergessenheit, bis 1968 Jugendliche aus Frankreich und Bayern im Rahmen einer völkerverständigenden Jugendbegegnung des Volksbundes die Wiederherrichtung und Pflege der Kriegsgräberstätte übernahmen.

50 Jahre später, im Mai 2018, folgten Offizieranwärter/innen der OSLw und Reservisten der Kreisgruppe Amper-Würm im Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. diesem Beispiel und führten einen Arbeitseinsatz zur Pflege der Kriegsgräberstätte durch. Darüber hinaus erstellten die Offizieranwärter/innen  in einem historisch-politischen Bildungsprojekt gemeinsam mit dem Volksbund eine Geschichts- und Erinnerungstafel, um an die Schicksale der hier Ruhenden zu erinnern und um die Kriegsgräberstätte als „Mahnmal für den Frieden“ und „Lernort der Geschichte“ in die Zukunft wirken zu lassen. Hierfür recherchierten  sie unter anderem im Stadtarchiv Fürstenfeldbruck und setzten sich intensiv mit der Lokalgeschichte ihres Standortes auseinander. Das Ergebnis dieses erinnerungskulturellen Projektes  ist in Form einer Geschichts- und Erinnerungstafel vor der Kriegsgräberstätte am Henrik-Moor-Weg zu sehen.

Am 22. November um 9.00 Uhr konnte diese Tafel der Öffentlichkeit übergeben werden. Im Vorfeld gedachten der Kommandeur der OSLw, Brigadegeneral Michael Traut, der Oberbürgermeister von Fürstenfeldbruck, Erich Raff, Vertreter der Konsularischen Korps von Belarus, Frankreich, Polen, Rumänien, Russland und der Ukraine im Rahmen einer Gedenkveranstaltung der Toten von Krieg und Gewaltherrschaften.Beim anschließenden Empfang übernahm die Kreisgruppe Amper-Würm des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw) die Patenschaft über den Friedhof. Zukünftig wollen die Reservisten die Stadtgärtnerei bei der Pflege der Kriegsgräberstätte unterstützen. Weiterhin wurden langjährige Mitglieder des Volksbundes ausgezeichnet und die Initiatorin des Projekts, Frau Hauptmann Jennifer Bodmer, Hörsaalleiterin an der OSLw, geehrt. Die Tafel kann auch in unserer Mediathek abgerufen werden:

https://www.volksbund.de/mediathek/mediathek-detail/-0c00139b98.html