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Workcamp in Slowenien als starke Alternative

Interview mit den Teamerinnen Alla und Rozi, die eigentlich nach Ungarn reisen wollten

Die Saison ist zu Ende, aber der Blick zurück auf die Workcamps lohnt sich: Slowenien stand im Sommer 2021 für besondere Flexibilität. Denn dort fand ein Workcamp statt, das eigentlich für Ungarn geplant war. Die Pandemie hatte einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mit dabei: Tim-Benedikt Attow, der am Volkstrauertag (14. November) bei der Zentralen Gedenkveranstaltung im Bundestag sprechen wird.

Wir knüpfen an die Interviews an, die wir im Vorfeld der Saison mit Teamerinnen und Teamern geführt haben. Zu ihnen gehörten auch Alla und Rozi. Viktória Blahó, Referentin für internationale Jugendbegegnungen, hat sie nach dem Camp in Slowenien gefragt:
 

Als ehrenamtliche Teamerinnen bereitet Ihr Euch meistens Wochen oder sogar Monate auf eine Begegnung vor. Das Programm wird gemeinsam gestaltet, Ihr arbeitet Workshops aus. Wie ging es Euch mit so einer kurzfristiger Umplanung?

Alla: Ein Monat ist trotzdem eine gute Zeit, um sich etwas zu überlegen, besonders wenn das Team schon Erfahrungen hat. Das war glücklicherweise auch bei uns der Fall. Außerdem haben sich  unsere Partner in Slowenien von der „Socielna Akademija“ großartig um das Programm gekümmert und nicht nur fast die ganze Logistik geplant, sondern auch manche Inhaltspunkte durchdacht wie „Backpack Journalism“. Hinzu kommt noch, dass sich manchmal ungeplante Diskussionsrunden zur Geschichte Slowenien ergeben haben, wobei die slowenischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer uns sehr geholfen haben, sie zu steuern. Die „Umzüge“ (wie waren binnen zwei Wochen an drei verschieden Orten) waren deshalb unkompliziert, dass wir einen Bus und zwei coole Busfahrer hatten.  

Rozi: Ich würde sagen, diese Änderung brauchte ein bisschen Flexibilität, was wirklich eine Stärke unserer Gruppe war. In dieser Situation sollte man sich darauf vorbereiten, dass man einige Dinge im Prozess lernen wird. Lass mich von einem Beispiel erzählen: Ich hatte einige Kenntnisse über die slowenische Geschichte. Bei der Vorbereitung meines Workshops hat mich dieses Wissen beeinflusst. Als wir das Museum der Zeitgeschichte Sloweniens besucht habe, hat die Ausstellung mir Inspiration gegeben, mit der ich weiterarbeiten konnte. Meiner Meinung nach haben diese neue Kenntnisse meinen Workshop nur bereichert. Ich möchte aber auch die Rolle der „Socielna Akademija“ betonen – ohne ihre Unterstützung und Ortskunde wäre unser Camp nicht dasselbe gewesen.
 

Die slowenische Partnerorganisation „Socielna Akademija“ arbeitet mit der Methode „Backpack Journalism“. Was ist das eigentlich?

Rozi: „Backpack Journalism“ hat der Gruppe eine einzigartige Möglichkeit gegeben, die slowenische Kultur und Gesellschaft näher kennenzulernen. Es war ihre Aufgabe, eine Reportage über Slowenien zu erstellen. Sie hatten Kontakte zur slowenischen Bevölkerung, haben die Landschaft und die Geschichte kennengelernt. Die grundlegende Idee des Genres ist es, dass eine Person mehrere journalistische Rollen auf sich vereint. Wie „richtige“ Journalisten bei Reportagen sollten sie bewusst machen, was sie wie wahrgenommen haben, und ein möglichst objektives Produkt erstellen. Sie hatten die Freiheit, ihre Konzeptionen mit verschiedenen Methoden zu verwirklichen.

Der „Backpacker“ ist ein Mini-Filmteam mit seinem kleinen Equipment, macht Fotos, interviewt Einheimische und berichtet unmittelbar von den eigenen Erfahrungen und Erlebnissen. Ich würde sagen, das war ein Highlight unseres Camps, als uns die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Ideen und Materialen präsentiert haben.
 

Wie sah das Programm aus? Was habt Ihr über das Land gelernt, das vor 30 Jahren seine Unabhängigkeit erlangt hat?

Alla: Das Camp ist sehr vielfältig geworden. Die Orte, an denen wir untergebracht waren, hatten unterschiedliche Prägungen. In jeder Stadt wurden wir mit der Geschichte vertraut gemacht. In Ljubljana haben wir mit einem Überblick im „Museum of Contemporary History“ zu der Entwicklung Sloweniens bis in die Gegenwart begonnen. In der ehemaligen Bergbaustadt Idrija haben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Journalistenrolle ausprobiert und mit den Einheimischen über ihre Wahrnehmung der Stadt gesprochen.

In Idrija befand sich das Partisanenlazarett Franja, wo uns der Verlauf und die Besonderheiten des Zweiten Weltkrieges in Slowenien nähergebracht wurden. Die Partisanenbewegung spielte eine wichtige Rolle nicht nur während des Krieges, sondern auch danach, weil sie die Basis der späteren kommunistischen Regierung bildete. Mit der Geschichte des Ersten Weltkrieges beschäftigten wir uns in der Gemeinde Kobarid, wo wir das Kobarid-Museum besucht haben und den „Weg des Friedens“ gegangen sind.

Und natürlich haben wir jeden Tag unglaublich schöne Landschaftsbilder genossen. Besonders intensiv hat die Gruppe die Natur in Bohinj erlebt: die Unterkunft direkt am See und eine ganztägige Bergwanderung haben bestimmt bei allen eine Menge Eindrücke hinterlassen. Nebenbei hat die Gruppe an den Projekten gearbeitet, die am Abschlussabend präsentiert wurden, und sie waren nicht nur cool und witzig, sondern regten auch zum Nachdenken an. Als letztes würde ich das Essen erwähnen und sagen, dass es zum Teil bestimmt auch ein kulinarisch besonderes Camp war. 

Rozi: Mit unserem Programm hatten wir eine perfekte Balance zwischen den geschichtlichen Projekten und Freizeitmöglichkeiten. Wir haben nicht nur einen ausführlichen Überblick über die slowenische Geschichte bekommen, sondern die wunderschönen Seiten des Landes kennenlernen. Durch die Geschichte konnten wir die Zeitgenossen und die Gesellschaft besser verstehen.

Alla und Rozi, wir danken Euch für das Gespräch und Euer Workcamp-Engagement!

 

Ausblick:

Die Zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag 2021 steht im Zeichen der Erinnerung an den Angriffs- und Vernichtungskrieg in Ost- und Südosteuropa, der vor 80 Jahren mit der Besetzung von Jugoslawien und Griechenland sowie dem Überfall auf die Sowjetunion begann. Eine der drei jungen Stimmen im Plenarsaal wird die von Tim-Benedikt Attow sein. Er war Teilnehmer des Camps in Slowenien und ist Vorsitzender des Bundesjugendarbeitskreises im Volksbund. Die ARD überträgt live am 14. November ab 13.30 Uhr.

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