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Deutsch-belgischer Pflegeeinsatz für Kriegsgräber in Italien

Reservisten schneiden am Futa-Pass mehr als 10.000 Grabzeichen frei

Uniformen, Arbeitskleidung, Urlaubsdress – die Gruppe, die sich im Gedenkraum auf der Kriegsgräberstätte am Futa-Pass versammelt hat, ist bunt gemischt. Was sie eint, ist eine kleine Veranstaltung, nachdem die Arbeit getan ist. Ein Pflegeeinsatz ist zu Ende, der Reservisten aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Belgien in die Toskana geführt hat. Auf Deutsch, Flämisch und Italienisch wird das Totengedenken verlesen.
 

Zehn Männer gehören zur „Marsch- und Arbeitsgruppe NRW / Hessen / Belgien“ – die erste Arbeitsgruppe in diesem Jahr an diesem Ort. Der komplette Friedhof war zu mähen, was die Gruppe trotz großer Hitze übernahm. Bei mehr als 10.000 Grabzeichen eine enorme Aufgabe.
 

Das Grab des Lehrlings Ludwig Sperl

Auf einem liegt die laminierte Kopie eines Lehrvertrags aus dem Jahre 1942: „Zwischen dem unterfertigten Lehrherrn und Anna Sperl, Mutter des minderjährigen Ludwig Sperl, ist folgender Lehrvertrag abgeschlossen worden: Firma Stuiber, Schreinerei in Osterhofen, nimmt den am 26. Mai 1926 geborenen Ludwig Sperl als Lehrling auf, damit er das Schreinerhandwerk erlerne. Die Lehrzeit beträgt 3 Jahre, beginnt am 1. Februar 1942 und endet am 1. Februar 1945 vorbehaltlich der erfolgreichen Ablegung der Gesellenprüfung.” 

Auf einem Foto ist ein freundlich in die Kamera schauender junger Mann mit hellem Jackett und Krawatte zu sehen. Seine Schreinerlehre konnte Ludwig Sperl nicht mehr abschließen: Er fiel blutjung am 26. Oktober 1944 als Obergrenadier an der so genannten Goten-Linie.  
 

Verteidigungslinie von Küste zu Küste

Diese Verteidigungslinie aus Gräben, Zäunen, Minenfeldern, befestigten Stellungen und Bunkern erstreckte sich über eine Länge von 320 Kilometern von der West- zur Ostküste quer durch Norditalien. Im Norden standen deutsche Truppen, während vom Süden die amerikanischen und englischen Truppen die Front zu durchbrechen versuchten. Ungefähr 75.000 Mann auf deutscher Seite und rund 65.000 auf alliierter Seite wurden hier bis Ende April 1945 getötet, verwundet oder vermisst. 

Die am stärksten befestigten Teile der „Goten-Linie“ waren die an den Küsten und die Zone um den 952 Meter hohen Futapass, an dem sich heute mit 31.285 Gefallenen der größte deutsche Soldatenfriedhof in Italien befindet.
 

Teamwork auf 72 Grabfeldern

Während die sechs deutschen Reservisten und vier belgische Soldaten a.D. mit Freischneidern arbeiteten, mähten die vier italienischen Gärtner unter der Leitung von Friedhofsverwalter Michael Caldari die großen Grasflächen der 72 Grabfelder.

Untergebracht waren die Helfer aus Deutschland und Belgien in der ehemaligen Jugendbegegnungsstätte auf dem Friedhofsgelände. Dort hatten sie auch in der Freizeit immer die äußerst beeindruckende Friedhofsanlage vor Augen.

 

Ehrenhof am Ende der Mauer

Eine 2000 Meter lange Mauer mit einem parallel verlaufenden Weg zieht sich spiralförmig den Berg hinauf. Die Gräber der Gefallenen liegen dazwischen auf den Terrassen.

Die letzte Spirale der Mauer bildet den Ehrenhof, unter dem sich die Krypta mit dem Kameradengrab und in einem zweiten Raum die Gedenksteine der damals eingesetzten deutschen Truppen befinden. Die Spitze bildet eine steil in den Himmel ragende Mauerscheibe. 
 

Einladung hinter die Kulissen

Diese imposante, archaisch anmutende Kulisse nutzte am Wochenende zwischen den beiden Einsatzwochen die Theatergruppe „Underwear”, die außerordentlich dramatisch das Theaterstück „Salomé” von Oscar Wilde in italienischer Sprache aufführte, das zur Zeit von König Herodes Antipas und Johannes dem Täufer spielt.

Die Arbeitsgruppe lud die Schauspieler und Musiker nach der zweiten Aufführung zu einem kleinen Umtrunk ein – ein ganz besonderes Erlebnis! 

Am letzten Arbeitstag legten die Reservisten im Gedenkraum am höchsten Punkt der Anlage bei einer Gedenkfeier im Auftrag des Volksbundes ein Gesteck nieder. Peter Weyers, Oberstleutnant der Reserve und Leiter der Arbeitsgruppe, sang das Lied „Der gute Kamerad”.   

Text: Uwe Inhülsen / Peter Weyers / Christiane Deuse

Volksbund in Italien

Aktuelle Berichte zur Volksbund-Arbeit in Italien finden Sie hier:

Volksbund in Italien: Jeder reist mit einem anderen Blick

Italien: Innenansichten aus dem Referat Bau

Artikel zu Pflegearbeiten am Futa-Pass: Arbeitsbilanz 2021 (S. 6/7).

Alle 14 Kriegsgräberstätten in Italien sind in Kurzporträts vorgestellt.

In der Mediathek finden Sie ein Themenheft zu den italienischen Anlagen in Volksbund-Obhut.

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