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Deutsche Soldaten im Kosovo geborgen

Volksbund-Einsatz auf dem Balkan – Pristina: Erfolgreiche Spurensuche mit Exhumierung und würdiger Einbettung

Umbettern des Volksbundes und Vertretern des Forensischen Instituts in Pristina ist es erstmals gelungen, zwei gefallene deutsche Soldaten in Kosovo zu bergen. Nachdem den Volksbund im Mai Meldungen über mögliche Gräber nördlich der Hauptstadt Pristina erreicht hatten, endete eine mehrjährige Detektivarbeit mit dem Fund von sterblichen Überresten und Erkennungsmarken an diesem Donnerstag. Schon einen Tag später wurden die Gebeine eingebettet. Erste Station eines Volksbund-Teams auf zehntägiger Balkan-Reise.

Danzig, Smolensk, Rshew… – Thomas Schock, Leiter des Volksbund-Umbettungsdienstes, war in den vergangenen Wochen an vielen Schauplätzen des Zweiten Weltkrieges, um Tote auszubetten, sie zu identifizieren und ihnen eine würdige letzte Ruhe zu ermöglichen. Doch diese Reise in den Südosten Europas war auch für Schock ganz besonders.

Mit einem kleinen Volksbund-Team, darunter der Leiter der Abteilung Gräberdienst, Arne Schrader, ging es vom Flughafen Wunstorf bei Hannover mit einer Transall der Bundeswehr nach Kosovo. Unterstützt von kosovovarischen Behörden, der Deutschen Botschaft und der Bundeswehr begann die Suche nach Weltkriegstoten am frühen Donnerstag in den nur extrem schwer erreichbaren Schluchten des Balkans nahe der kleinen Ortschaft Popovë/Popov. Hier auf mehr als 900 Metern Höhe waren deutsche Einheiten im Winter 1944 in schwere Kämpfe mit Partisanen und bulgarischen Einheiten verwickelt worden. Sie sollten den Rückzug der deutschen Truppen aus Griechenland sichern.

 

Im Gebiet der Partisanen

Dieser Rückzug führte große Teile der deutschen Heeresgruppe E auch durch Kosovo, das nach der Zerschlagung Jugoslawiens italienisch regiert und dem Nachbarland Albanien angegliedert worden war. Das Gebiet rund um Pristina galt verstärkt als Kampfgebiet der Partisanen. Der Bauer Sylejman Rexha, dessen Familie bis nach dem Krieg ihren Hof auf dem Hochplateau des Kopaonik-Gebirges hatte, wusste aus vielen Erzählungen seines Vaters, dass sich am Rande seiner Viehweide die Gräber zweier getöteter deutscher Soldaten befinden.

Diese Gräber habe er beim Mähen der Weide stets vorsichtig umfahren, sagte er. Um diesen Berichten nachzugehen, hatte der Volksbund mit Unterstützung der Bundeswehr – die in Kosovo Teil der multinationalen KFOR-Truppe ist – ein Team aus Grabungsspezialisten zusammengestellt, unter ihnen auch der Chefpathologe aus Pristina, Dr. Arsim Gerxhaliu.

 

Reste von Schuhsohlen, Stiefelnägel

Schon knapp zwei Stunden nach Beginn der Grabungen konnten Thomas Schock und der Pathologe den ersten Erfolg verkünden: Sie waren in rund 1,50 Metern Tiefe auf die Reste von Schuhsohlen und Stiefelnägeln gestoßen. Weitere vorsichtige Grabungen unter einer Mittelmeereiche brachten Knochen zutage, schließlich auch zwei Erkennungsmarken. Gerührt verfolgte auch Sylejman Rexha die Ausgrabungen – die Erinnerungen seiner Familie sind mit diesen Funden belegt.

Wegen der starken Korrosion konnten beide Marken zunächst nicht zweifelsfrei zugeordnet werden. Aber der Abgleich mit Listen von Gefallenen aus dem Jahr 1944 zeigte, dass es sich offensichtlich um Infanteristen handelt. Die gefundenen Schnürstiefel zeigen außerdem, dass einer der gefundenen Soldaten Gebirgsjäger war. Unterstützt wurde die humanitäre Aufgabe des Volksbundes, Deutsche im Ausland zu bergen und zu identifizieren, von der Deutschen Botschaft in Pristina.

Bildergalerie:

Einbettung in Péja

Im Westen des Kosovo liegt Péja, ein recht wohlhabender Ort am Rande des Rugova-Tals an der Grenze zu Montenegro. Zwischen hohen Wohnhäusern, Baumärkten und vornehmen Villen findet sich ein gepflegter, österreichisch-ungarischer Friedhof, auf dem Tote verschiedener Länder aus dem Ersten Weltkrieg ruhen. Hier durfte der Volksbund den beiden gefallenen deutschen Soldaten eine vorläufige Ruhestätte geben, bis im Kriegsgräberabkommen über einen letzten Ruheort für deutsche Soldaten entschieden ist.

Militärpfarrer Matthias Spikermann aus Potsdam hatte das schlichte Holzkreuz gestiftet und sprach einen kurzen Segen für die beiden Toten, deren Identität in den kommenden Wochen geklärt werden soll. „Hier ruhen zwei deutsche Soldaten“ ist auf dem glänzenden Schild zu lesen. Bei der kurzen Zeremonie intonierte Arne Schrader auf der Trompete "Ich hatt' einen Kameraden" und dankte für die Unterstützung des Österreichischen Schwarzen Kreuzes und des Staates Ungarn. An der Zeremonie in  Péja nahmen auch Vertreter der Deutschen Botschaft und der Bundeswehr teil.  

 

Kriegsgräberabkommen als Ziel

Seit längerem wird über ein Kriegsgräberabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Kosovo verhandelt. Nach dem Fund der deutschen Soldaten wird nun ein rascher Abschluss dieses Abkommens angestrebt. Für Kosovo liegen dem Volksbund 978 offizielle Grablagemeldungen vor, die aufgrund des noch ausstehenden Abkommens bisher nicht bearbeitet werden konnten.

Wegen der gebirgigen Geländestruktur wird erwartet, dass rund 300 dieser Toten noch geborgen werden können. Wie viele Vermisste noch dazukommen, zu denen nie Meldungen über ihren Tod in Deutschland ankamen, bleibt abzuwarten. Nun ist es möglich, in Kosovo zu arbeiten – das soll möglichst bald auch systematisch beginnen. Dafür steht mit dem Kosovaren Sami Bala nun auch ein neuer Mitarbeiter für den Umbettungsdienst des Volksbundes bereit.

 

„Wesentlicher Beitrag zur Friedensarbeit“

 „Ich freue mich sehr, dass nun in Kosovo in exzellenter Zusammenarbeit mit den kosovarischen Behörden erste Schritte unternommen werden konnten, um der humanitären Aufgabe nachzukommen und dazu beizutragen, zwei weitere Vermisstenschicksale aufzuklären. Dies ist auch ein wesentlicher Beitrag Deutschlands zur Friedensarbeit“, sagte der deutsche Botschafter in Kosovo, Jörn Rohde.

Die deutsche Vergangenheit habe auch in dieser Region ihre schrecklichen Spuren hinterlassen hat, so der Botschafter. „Ein Grauen, das auch nach so vielen Jahren nicht vergeht. Ich hoffe, dass es nun zu einem raschen Abschluss des Kriegsgräberabkommens kommen kann, sodass diese wichtige Arbeit weitergeht.“

Bildergalerie:

Silbernes Ehrenkreuz für Chefpathologe

Am Abend des nächsten Tages zeichnete der deutsche Botschafter, Jörn Rohde, Arsim Gerxhaliu für seine große Verdienste um die deutsch-kosovarischen Beziehungen aus: Im Auftrag von Präsident Wolfgang Schneiderhan verlieh er dem Chefpathologen von Pristina das Volksbund-Ehrenkreuz in Silber. Einen ausführlichen Bericht dazu finden Sie hier

 

Volksbund-Service: Gräbersuche online

Mit der Umbettung in Kosovo lassen sich möglicherweise zwei weitere Schicksale von bislang vermissten Soldaten klären. In der Gräbersuche online des Volksbundes sind jetzt schon mehr als 4,8 Millionen Datensätze gespeichert. Weitere 500.000 werden auf absehbare Zeit dazukommen.

Laufend bettet der Volksbund Kriegstote aus. Allein 2020 waren es mehr als 10.000. In mehr als 5.000 Fällen gelang die Identifizierung. „Toter sucht Angehörigen“ heißt beim Volksbund die Aktion, mit der er möglichst viele Kontakte knüpfen und halten will – für den Fall, dass ein Vermisster gefunden wird oder eine Identifzierung gelingt.

Wenn die Online-Suche zu keinem Ergebnis führt oder noch Fragen offen bleiben, können Angehörige ein Suchformular ausfüllen. Beide Wege führen zu diesem, dem Volksbund wichtigen Ziel: dass er Kontakt knüpfen kann für den Fall, dass es neue Erkenntnisse gibt.

Harald John Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit

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