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Ein Leben ohne Furcht, ein Leben in Frieden

Über einen Beitrag von Theo Waigel zu Politik und Friedenssehnsucht

Er ist bekannt als „Mr. Euro“: Theo Waigel, langjähriger Bundesfinanzminister und Ehrenvorsitzender der CSU. Dass der 81-Jährige aus Bayerisch-Schwaben auch gewissermaßen ein „Mr. Peace“ ist, macht sein jüngster Gastbeitrag für die Münchener „Abendzeitung“ deutlich. Unter der Überschrift „Ein Meisterwerk der Vernunft“ denkt der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung „Gedenken und Frieden“ des Volksbundes über Friedenssehnsucht und notwendige politische Rahmenbedingungen nach.

Theo Waigel ist ein Freund langer Linien. Deshalb beginnt er seine friedenspolitischen Betrachtungen am 22. April 1939. Es ist der Tag, an dem er geboren wurde und der Tag, seit dem ihn „Krieg und Frieden ein Leben lang“ verfolgt haben. Der Vater mit 44 Jahren als Teilnehmer des Ersten Weltkrieges noch zum Militär eingezogen, der Bruder mit 18 Jahren im Westen getötet – Waigel sah sich früh mit den dunklen Seiten des Krieges konfrontiert. Auch in seinem Heimatort zwischen Augsburg und Ulm, wo die Bombennächte zu spüren waren, wo hunderte Kriegsversehrte aus dem nahen Lazarett das öffentliche Bild prägten.

Die Hoffnung nach Kriegsende auf einen „immerwährenden Frieden“, so Waigel in seinem Beitrag in der Abendzeitung vom 6./7. Februar, sei schon früh durch den Kalten Krieg, durch Berlin-Blockade und Korea-Krieg enttäuscht worden. Aber: „Das Gleichgewicht des Schreckens verhinderte den Ausbruch eines zerstörerischen Weltbrandes.“

 

Menschenketten gegen den Doppelbeschluss

Unter dem Eindruck der militärischen Patt-Situation mit der Sowjetunion fasst die NATO 1979 den – damals extrem umstrittenen – Doppelbeschluss: Aufstellung neuer Atomraketen und Marschflugkörper sowie Verhandlungen über die Begrenzung von Atomwaffen. Waigel bezeichnet dies rückblickend als „kluges Friedenskonzept“, das zu einer Abrüstung auf Seiten der Roten Armee und in der Folge auch bei der NATO geführt habe.

Fazit des Mannes, der sich in seinem Wahlkreis Neu-Ulm mit einer Kette von 500.000 Menschen im Rahmen der Pershing-Proteste konfrontiert sah: „Die Vorgänge zeigen: Nicht Frieden um jeden Preis, nicht der Schlachtruf ‚lieber rot als tot‘, sondern eine Strategie der Vernunft, der Entschlossenheit und des Dialogs führten zum Erfolg.“

Die Werte verteidigen

Die Friedenssehnsucht der Menschen, so Waigel, sei Ausdruck ihres Strebens nach Freiheit, Selbstbestimmung, Gerechtigkeit und persönlichem Wohlergehen. Der CSU-Politiker plädiert deshalb für eine wehrhafte Friedenspolitik: „Diese Sehnsucht bedarf zu ihrer Verwirklichung nicht nur des Wollens, sondern auch der Bereitschaft, dafür einzustehen und diese Werte zu verteidigen.“ Zentrale These der Waigelschen Analyse: Politik muss den Menschen ein Leben ohne Furcht vor äußeren Angriffen bieten und ein Leben ohne Unterdrückung im Inneren: „Der Zustand, der dies verwirklicht, ist der Friede. Freiheit kann sich nur entwickeln, wenn der innere Frieden gesichert ist.“

International gewendet, könne Frieden nur erreicht werden, wenn die Ursachen von Misstrauen und Furcht zwischen Staaten und Völkern dauerhaft beseitigt würden. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sei dies durch das Vertrauen zwischen Politikern wie Michael Gorbatschow, George Bush und Helmut Kohl möglich gewesen. Eingeflossen sei das Vertrauen der Handelnden beispielsweise in den Abschluss des 2+4-Vertrages nach dem Fall der Mauer 1990.

Die Hand nach Osten ausstrecken

Gerade Michael Gorbatschow, der zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit allen Deutschen gratulierte und schrieb „Ich drücke ihre Hand fest“, habe zum politischen Tauwetter zwischen West und Ost beigetragen. Vor diesem Hintergrund – und damit bezieht Waigel zu ganz aktuellen politischen Fragen Stellung – müsse Deutschland seine demokratische Staatsform festigen, seine Souveränität verteidigen, seinen Platz im gemeinsamen Europa mit Blick auf die Welt einnehmen und die Hand nach Osten ausstrecken.

Voraussetzung für diese Handreichung sei allerdings, dass Moskau das Völkerrecht respektiere und sich für den internationalen Frieden einsetze. Theo Waigel schließt seinen Beitrag in der Münchner „Abendzeitung“ mit einem Statement zur Wahrung des Friedens: „Das mit unermüdlicher Energie anzugehen, bleibt weiterhin ein Meisterstück der politischen Vernunft.“


Zur Person:
Theo Waigel ist Ehrenvorsitzender der CSU. Der heute 81-Jährige war von 1989 bis 1998 Bundesminister der Finanzen und von 1988 bis 1999 Vorsitzender der CSU. Nachhaltig engagiert er sich für die Stiftung „Gedenken und Frieden“ des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V. – als Vorsitzender ihre Kuratoriums.


Der Volksbund Deutsche Kriegsgräbersfürsorge ist ein mehr als 100 Jahre alter, gemeinnütziger Verein, der seine Arbeit vor allem aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert.

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